Das Lockmittel heißt Wohnraum

von Redaktion

Haupt- und Finanzausschuss will die Personalnot an Kindertagesstätten mindern

Rosenheim – Die Personalnot ist groß in Rosenheimer Kitas. Ende Februar musste aufgrund des Erziehermangels eine Krippengruppe in der Kita Arche Noah schließen. Unklar ist auch, ob die Stadt genügend Personal finden kann, um alle Betreuungsplätze anzubieten. Jetzt scheint eine erste Lösung gefunden.

Ein wenig irritiert wirkte Peter Rutz dann doch. „Wir haben einen ähnlichen Antrag vor zwei Jahren gestellt“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen während der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. In diesem sei es unter anderem darum gegangen, die Arbeitsplätze für Fachkräfte in den Kitas attraktiver zu gestalten. Sei es durch ein höheres Gehalt, ein Jobticket, kostenfreies Mittagessen oder aber durch vergünstigten Wohnraum.

Voraussetzungen
jetzt schaffen

Jetzt haben CSU und SPD das Thema Wohnraum erneut in einem Antrag aufgegriffen. „Es ist schade, dass es jetzt nochmal einen Antrag gebraucht hat, um in Gang zu kommen. Das dauert zu lange“, kritisierte Rutz. Trotzdem unterstütze er die Forderungen seiner Kollegen. Die hatten sich dafür stark gemacht, Lösungen zu finden, um schnellstmöglich qualifiziertes Personal nach Rosenheim zu holen. Weil ein Eingriff in tarifrechtliche Strukturen schwierig sei, müsse an einer anderen Stelle angesetzt werden. „Es gilt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zur Verfügung zu stellen“, heißt es in dem gemeinsamen Antrag von CSU und SPD.

Aus diesem Grund schlagen die Politiker vor, 25 der 105 geplanten Wohneinheiten auf der BayWa-Wiese verbilligt an Erzieher zu vermieten. Vermieter wäre dementsprechend die städtische Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft (GRWS). Voraussetzung für eine Vergabe ist ein Anstellungsverhältnis bei der Stadt beziehungsweise einem der freien Träger. Und damit nicht genug. Weil in der Stadt – gemessen an den betreuungsbedürftigen Kindern – etwa 220 bis 250 Fachkräfte benötigt werden, brauche es noch mehr Wohnraum für Betreuungskräfte. „Wir schlagen daher vor, auch auf den geplanten Baugebieten im Rosenheimer Norden und am Bahnareal Süd entsprechenden Wohnraum zu sichern“, heißt es in dem Antrag. Neben Erziehern könnten diese Wohnungen beispielsweise auch Romed-Mitarbeitern, die in der Pflege arbeiten, angeboten werden.

„Wir kommen dem Antrag gerne nach“, sagte Oberbürgermeister Andreas März (CSU) während der Sitzung. Auch, weil es der Stadt wichtig sei, dass ausreichend Betreuungsplätze in Kindertagesstätten und genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung stehen. „Die Bereitstellung von Wohnungen für Erziehungspersonal könnte eine Möglichkeit sein, um einen Standort für diese Zielgruppe attraktiver zu gestalten und dadurch den Personalbedarf besser abzudecken“, heißt es aus dem Rathaus.

Zwar gebe es im Moment keine Daten darüber, wie viele Erzieher, die in Rosenheim arbeiten, eine Wohnung bräuchten, dennoch schlug März vor, jetzt gleich aktiv zu werden. „In der Lena-Christ-Straße sind noch Wohnungen verfügbar“, sagte der Oberbürgermeister während der Sitzung. Bei Interessierten werde das Mietverhältnis an das Beschäftigungsverhältnis gekoppelt.

Zudem erinnerte März daran, dass die Stadt bereits darum bemüht ist, günstigen Wohnraum für ihre Mitarbeiter zu schaffen. So sei die neue Wohnanlage an der Marienbergerstraße zum Teil an die Kliniken der Stadt und des Landkreises als Personalwohnungen vermietet. Damit stünde Romed-Mitarbeitern, die in der Pflege tätig sind, günstiger Wohnraum zur Verfügung. „Wir müssen alles tun, um die Stadt Rosenheim als Arbeitsplatz attraktiver zu machen“, sagte Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU. Zustimmung erhielt er von Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. Seiner Meinung nach müsste die Stadt die Wohnraumoffensive beispielsweise auch in Norddeutschland bewerben. Denn viele Erzieher würden ihm zufolge deshalb nicht nach Rosenheim kommen, weil sie Sorge hätten, keine bezahlbare Wohnung zu finden.

Kein Mietzuschuss
von der Stadt

„Auch wir begrüßen es, Anreize zu schaffen, um Betreuungspersonal nach Rosenheim zu locken“, sagte Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP. Er erinnerte daran, dass andere Personenkreise – wie etwa Polizei und Feuerwehr – ebenfalls auf günstigen Wohnraum angewiesen sind. „Wir müssen bei aller Not, die wir haben, schauen, dass andere Gruppen nicht hinten runterfallen“, sagte er. Oberbürgermeister März nickte, unterstrich aber auch, dass man irgendwo anfangen müsse. Stadtrat Georg Kaffl (CSU) wollte wissen, ob die Mieten von der Stadt bezuschusst werden. Das verneinte März. Es würden die Mieten gelten, die für das jeweilige Objekt angesetzt seien.

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