„Senioren dürfen nicht vergessen werden“

von Redaktion

Sigrid Knothe ist neue Vorsitzende der Senioren-Union Rosenheim-Stadt

Rosenheim/Vogtareuth – Was haben das Erzählcafé und das 49-Euro-Ticket miteinander zu tun? Eigentlich nichts, und doch stecken Anliegen dahinter, die Sigrid Knothe (67) am Herzen liegen.

Die ehemalige OVB-Redakteurin kümmert sich schon seit einiger Zeit um die Belange von Senioren in ihrer Heimatgemeinde Vogtareuth, nun kommen auch die Belange der Senioren in Rosenheim dazu. Kürzlich wurde sie ins Amt der Vorsitzenden der Senioren-Union Rosenheim-Stadt gewählt. Für Knothe ist es unverständlich, dass man beim Begriff Senioren immer gleich an alte und gebrechliche Menschen, an Rollator und Gehstock oder an Alters- und Pflegeheime denkt. „Natürlich ist das auch zutreffend. Aber es gibt aktive Senioren, also Menschen, die den sogenannten dritten Lebensabschnitt bewusst mit Leben füllen wollen. Ich möchte in meinem neuen Amt durch niederschwellige Angebote vor allem Zuversicht und Lebensfreude vermitteln.“

Sie zog sich zwar aus dem Berufsleben zurück, aber dafür hat sie nun Zeit für viele andere Dinge. Da ist die große Familie, das Masterstudium an der Hochschule für Philosophie mit Schwerpunkt Medienethik und ihr politisches Engagement.

Als aktives Mitglied der Nachbarschaftshilfe Vogtareuth und aus persönlichen Erfahrungen mit ihrer Mutter hat sie verstanden, wie wichtig „das Erzählen, das Reden lassen und das vorurteilsfreie Zuhören gerade für alte Menschen“ ist. Alle fünf bis sechs Wochen lädt sie deshalb zum Erzählcafé ins Café Hiesig ein. Dann erinnern sich die Gäste bei Kaffee und Kuchen an ihre Kindheit und Jugend.

Doch auch auf politischer Ebene will sie etwas bewegen. Als frisch ins Amt gewählte Kreisvorsitzende möchte sie dafür sorgen, dass die ältere Generation in der Politik mehr beachtet wird. „Wir müssen sichtbarer werden“, so das Credo der Vorsitzenden. Das 49-Euro-Ticket sei so ein Beispiel: Dazu braucht es ein Smartphone und Online-Banking, Dinge, die nicht jeder Ü70 beherrscht. „Da wurden wir in Berlin glatt vergessen. Niemand hat an die Stärkung digitaler Kompetenz von älteren Mitbürgern gedacht.“ Überhaupt die Teilnahme am Leben. Da hat Knothe ganz konkrete Vorstellungen. Altersheime gehören für sie heutzutage mitten ins Zentrum, also dorthin, wo das Leben pulsiert.

Auch einen Senioren-Garten – ähnlich dem Kinder-Garten – könne sie sich vorstellen. „Nein, keine Tagespflege, die es natürlich auch braucht“, wehrt Knothe ab. Aber nicht alle Senioren seien schließlich senil, dement oder gebrechlich. Mit mehr Lebensfreude und aktive Teilnahme am Leben könne genau diesen Szenarien vorgebeugt werden.

Niemand sollte im Alter vereinsamen oder altersdepressiv werden. Und da sei die Gefahr auf dem Land höher als in der Stadt.“elk

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