Seit 13 Jahren werden Brennpunkte in der Stadt mit Video überwacht

von Redaktion

Sieben Kameras in Rosenheim im Einsatz – Situation an der Münchener Straße war der Auslöser

Rosenheim – Seit inzwischen bald 13 Jahren gibt es in der Rosenheimer Innenstadt eine polizeiliche Videoüberwachung. Sieben Kameras gibt es derzeit in Rosenheim. Die OVB-Heimatzeitungen blicken zurück auf die Entscheidung, die Videokameras einzuführen.

Ein Fall von Anfang April dieses Jahres: In der Ruedorfferstraße wurde laut Polizeibericht ein 18-jähriger Kolbermoorer aufgrund seiner Alkoholisierung aus einem dortigen Lokal geworfen. Aufgrund seines anhaltend aggressiven Verhaltens musste den Türstehern schließlich eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife zu Hilfe eilen. Gegen diese wiederum rückte dann auch der zwei Jahre ältere Bruder des Betrunkenen und zudem noch die Schwester der beiden an. „Das Geschwister-Trio erwartet nun unter anderem Anzeigen wegen tätlichen Angriffs auf und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Der Vorfall wurde durch die dortige innerstädtische Videoüberwachung aufgenommen und dokumentiert“, schließt die polizeiliche Schilderung des Vorfalls.

Wie aus einer Kleinen Anfrage an die Bayerische Staatsregierung zum Thema „Videoüberwachung in Bayern“ der Landtagsabgeordneten Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen) hervorgeht, kommt es derzeit neben Rosenheim noch in sechs weiteren Städten zum stationären Einsatz von Videoüberwachung durch die Polizei. In München sind 30, in Nürnberg 32, in Augsburg 15, in Regensburg 20, in Nürnberg zwei und in Schweinfurt fünf Kameras im Einsatz. Demgegenüber sind es sieben Stück in Rosenheim. Davon befinden sich jeweils zwei im Bereich von Hofbräu-Komplex und Salzstadel sowie drei entlang der Münchener Straße.

Doch wie kam es dazu? 2010 galt insbesondere die Münchener Straße als krimineller Brennpunkt in Rosenheim. „Seit 2005 analysieren die Beamten der Dienststelle die Straftaten in der Münchener Straße und sie kommen dabei zu einem erschreckenden Ergebnis: Die Münchener Straße ist ein Brennpunkt in der Stadt geworden. Verglichen mit anderen Plätzen kommt es hier deutlich häufiger zu Straftaten sowie zu Ordnungs- und Sicherheitsstörungen als anderswo“, erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion Martin Irrgang, damals stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim. „Bei manchen ist die Hemmschwelle längst bei null. Jetzt werden sogar am Boden liegende Personen getreten. Auf der Münchener Straße herrscht inzwischen eine polizeifeindliche Stimmung. Wir werden beleidigt und angegangen“, fügte er hinzu.

In der Folge kam auf Antrag der CSU-Stadtratsfraktion die Entscheidung für eine polizeiliche Videoüberwachung in Rosenheim. Nach etwa einem Jahr zog die Polizei dann eine erste Bilanz: Demnach hatten die Kameras in der Zwischenzeit bei der Aufklärung von etwa 25 Fällen geholfen.

Im laufenden Jahr waren – neben dem eingangs geschilderten Fall – auch nach Vorfällen Anfang und Ende März Videoaufzeichnungen Teil der Beweismittel gegen mutmaßliche Schläger im Rosenheimer Nachtleben.

„Die stationäre Videoüberwachung im Stadtgebiet Rosenheim hat außerdem im Jahr 2022 unter anderem zur Aufklärung von einer Unfallflucht, mehreren Körperverletzungsdelikten sowie auch einer sexuellen Belästigung beitragen können“, heißt es seitens der Fachabteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

In der Antwort der Staatsregierung auf die Anfrage der Abgeordneten Katharina Schulze wird für die Jahre 2020 und 2021 mit jeweils zehn erfassten Fällen für Rosenheim keine Veränderung der Anzahl der Delikte im überwachten Bereich verzeichnet.

Schweinfurt, wo fünf Kameras zum Einsatz kommen, verzeichnete dagegen einen Rückgang der Delikte um 32 Prozent, Ingolstadt um 16 Prozent.

Im Vergleich zu den Vorjahren, in denen gleichbleibende Zahlen beziehungsweise ein Rückgang zu verzeichnen war, konnte laut Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd im Jahr 2022 eine deutliche und markante Steigerung der polizeilichen Kriminalstatistik im Bereich der Videoüberwachung in Rosenheim wahrgenommen werden, welche sich jedoch mit der Anfang 2022 wegfallenden Corona-Beschränkungen erklären lässt.

„Im Grundsatz“, so heißt es beim Polizeipräsidium weiter, „gilt jedoch festzuhalten, dass die stationäre Videoüberwachung in Rosenheim, neben vielen anderen Maßnahmen der Polizeiinspektion Rosenheim, einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung und zur Minimierung von Einsatzschwerpunkten in den besagten Bereichen geleistet hat und auch weiterhin leisten wird.“ Heinz Seutter

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