Rosenheim – Schiebetafeln, Hörstationen und diverse Klappelemente: Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) präsentiert in Kooperation mit der Stadt Rosenheim die Wanderausstellung „Echt fair“. Wie Mitmach-Parcours dabei helfen sollen, gewalttätige Situationen zu erkennen – und sogar zu verhindern.
Das Thema ist ernst. Daran änderte auch die heitere Stimmung und die fröhliche Musik nichts, die man schon im Treppenhaus hört. „Es ist ein Thema, mit dem wir uns als Gesellschaft und vor allem als Eltern beschäftigen müssen“, sagte Oberbürgermeister Andreas März während seiner Eröffnungsrede im Künstlerhof. Im Raum hinter ihm ist die Wanderausstellung „Echt fair“ aufgebaut.
An sechs Stationen können Kinder und Jugendliche hier in den kommenden Wochen Hilfsangebote zur Gewaltprävention kennenlernen. Die Stationen heißen „Gewaltig“, „Strittig“, „Mit Gefühl“, „Ich und Du“ sowie „Hilfe“ und „Mit Recht“.
Es gibt eine Schiebetafel, an der die Kinder mit einem kleinen Stoppschild deutlich machen können, ab wann sie einen Streit als unfair empfinden. Wenige Meter weiter können die Kinder ihr Wissen testen und Fragen rund um das Thema Gewalt beantworten. An einer anderen Station schlüpfen sie in verschiedene Rollenbilder und lernen, wann Gewalt anfängt.
Die Idee, die Wanderausstellung von der Berliner Initiative gegen Gewalt nach Rosenheim zu holen, hatte Marita Koralewski. „Das Thema liegt mir sehr am Herzen“, sagte die Leiterin des Frauenhauses. Um die Umsetzung haben sich federführend Andrea März und Johanna Ender vom SkF gekümmert. Es gehe darum, das Thema aus der Tabuzone zu holen und in die Öffentlichkeit zu tragen. Laut Oberbürgermeister März ist es wichtig, Kinder und Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, wo sie Hilfe bekommen.
Zustimmung in diesem Punkt erhielt der Oberbürgermeister von Schulrat Wolfgang Baumann. So könnten betroffene Grund- und Mittelschüler bei einem Besuch der Ausstellung nicht nur erkennen, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind, sondern auch, dass es Hilfe gibt. Und zwar von Leuten, die darauf spezialisiert sind. „Die Ausstellung macht den Schülern Mut, sich Hilfe zu holen“, ist Baumann überzeugt. Er erinnert an die Tatsache, dass Grund- und Mittelschulen immer noch mit einem Klassenlehrer versehen sind.
Durch die vielen gemeinsamen Stunden würde ein „besonderes Vertrauensverhältnis“ zwischen Lehrer und Schüler entstehen. „Die Ausstellung könnte der entscheidende Auslöser dafür sein, dass sich die Kinder ihrem Lehrer anvertrauen“, sagte der Schulrat.
Hinzu komme, dass es an einem Großteil der Schulen in Stadt und Landkreis bereits Jugendsozialarbeiter gibt. „Damit haben die Schüler eine weitere Vertrauensperson vor Ort, die zur Verschwiegenheit verpflichtet ist.“
Bis Freitag, 12. Mai, können sich Schüler ab der 5. Jahrgangsstufe mit dem Thema „Häusliche Gewalt“ auseinandersetzen. Besucht werden kann die Ausstellung von Schulklassen. Zudem können Termine für die Öffentlichkeit gebucht werden.
Der Eintritt ist kostenfrei. „Die Sozialdienst katholischer Frauen hilft vor allem sozial benachteiligten Frauen und denjenigen, die aufgrund ihrer aktuellen Lebenssituation auf Hilfe angewiesen sind“, sagte Geschäftsführerin Elke Herrmann.
Doch – das machte ihre Kollegin Marita Koralewski deutlich – auch Männer können Opfer von physischer und psychischer Gewalt sein. In fast allen Fällen seien die Leidtragenden jedoch die Kinder. Neben Vorträgen, die seit einiger Zeit an Erzieherschulen angeboten werden, soll auch die Wanderausstellung „Echt fair“ der Aufklärung und Prävention dienen.