Erinnerung an Widersacher der Nazis

von Redaktion

28 Kommunisten aus Rosenheim wurden 1933 verhaftet und ins KZ Dachau gebracht

Rosenheim – Es begann mit wegschauen. Mit nicht hinsehen, nicht Zeuge werden wollen. Denn die 28 Kommunisten aus Rosenheim, die im Laufe des März und April 1933 ins Rosenheimer Amtsgerichtsgefängnis gesteckt wurden, waren für alle sichtbar verhaftet worden: auf offener Straße, vom Arbeitsplatz weg, aus ihrer Nachbarschaft heraus.

Dabei war die Kommunistische Partei keineswegs eine Randbewegung, 320000 Mitglieder zählte sie damals in Deutschland, hatte bei den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 in Rosenheim, Raubling, Kolbermoor teilweise sogar deutlich mehr Stimmen erzielt als die Nationalsozialisten.

Genau deshalb wollten die Nazis ihre Widersacher so schnell wie möglich unschädlich machen, und der Reichstagsbrand vom 27. Februar hatte den idealen Vorwand dafür geliefert.

Erinnert hat an diese Vorfälle die Initiative Erinnerungskultur mit einer Veranstaltung vor der Münchener Straße 27, zu der sich gut 40 Rosenheimer einfanden.

Denn dort befand sich damals das Amtsgerichtsgefängnis Rosenheims und von dort wurden die 28 Häftlinge am 26. April 1933 ins Konzentrationslager Dachau überstellt. Dieses war erst wenige Wochen zuvor fertig geworden, war aber schon zu Anfang das Modell für alle weiteren KZs, diese Orte des Quälens, Schindens und Abschlachtens.

Auch die 28 Verurteilten aus Rosenheim und Umgebung mussten bereits das erniedrigende Aufnahmeritual über sich ergehen lassen, sie mussten alles, was sie noch mit sich führten, abgeben, sich nackt ausziehen, wurden am ganzen Körper rasiert, um so schließlich von einem Individuum mit einem Namen und einer Persönlichkeit zu einer bloßen Nummer zu werden. Aus dem Menschen Josef Schober aus Westerndorf wurde so etwa die Nummer 2990.

Recherchiert hat diese Details der Rosenheimer Lehrer Andreas Salomon, auch er ein Mitglied der Initiative Erinnerungskultur. Seine zweijährige Archivarbeit, deren Ergebnisse er kurz gefasst bei der Veranstaltung vortrug, hatte das Ziel, diese 28 Rosenheimer aus dem Dunkel des Vergessens ans Licht zu holen.

Ganz allgemein hat sich die Initiative ja der Erinnerung verschrieben, der Erinnerung an Einzelschicksale. Denn nur wenn die Millionenzahl der Opfer des Nationalsozialismus, nur wenn auch die mehr als 41000 Menschen, die allein im Konzentrationslager Dachau ermordet wurden, immer wieder einzelne Gesichter bekommen, ist Erinnerung und Betroffenheit möglich.

Solche Erinnerung ist aber, davon ist Dr. Thomas Nowotny von der Initiative überzeugt, die einzige Chance, um eine Wiederholung zu verhindern. Die Erkenntnis etwa, gerade den vermeintlich noch harmlosen Anfängen zu widerstehen, müsse vielmehr von jeder Generation neu erarbeitet und bewahrt werden. Johannes Thomae

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