Rosenheim – Viel Lärm, mehr Staub und weniger Kunden: Die Baustelle in der Rosenheimer Fußgängerzone sorgt für Ärger – und eine Besserung ist in den nächsten Monaten nicht in Sicht. Der Asphalt ist aufgerissen, die Bagger schaufeln, links und rechts der Bauzäune drängeln sich die Menschen durch die provisorischen Wege. Diese sind so schmal, dass es hin und wieder zum Stau kommt. Der Fußgängerweg der Münchener Straße ist zweigeteilt, ohne eine Möglichkeit, schnell auf die andere Seite der Baustelle zu kommen.
Schon vom
Lockdown gebeutelt
Die Buchhandlung „Rupprecht“ steht direkt vor der Baustelle, sehr zum Bedauern des Firmenchefs Johannes Rupprecht (58). „Aufgrund der Baustelle haben wir spürbar weniger Kunden.“ Im Februar 2020 – kurz vor dem ersten Corona-Lockdown – war der Standort in Rosenheim eröffnet worden. Dann musste das Geschäft erst mal schließen. Als der Lockdown vorbei war, habe schon damals eine Baustelle den Zugang zu der Buchhandlung versperrt. Als die Bauarbeiten beendet wurden, seien die Leute auf das Geschäft aufmerksam geworden. „Endlich konnten wir uns auch in Rosenheim einen Namen machen.“ Und jetzt stehe da wieder eine Baustelle.
Rupprecht verstehe, dass solche Maßnahmen notwendig seien, und er wolle über die Entscheidungen der Stadt nicht urteilen. „Aber wir leben davon, dass Menschen an uns vorbeischlendern und dann inspiriert werden und mal hereinschauen.“ Auf der Seite der Baustelle, an der sich die Buchhandlung befindet, wären weniger Geschäfte als auf der anderen Seite. Daher gingen die Leute eher auf der gegenüberliegenden Seite und hätten keine Lust auf den Umweg zur Buchhandlung. Nach wie vor müssten Miete, Mitarbeiter und Reinigung bezahlt werden, bei sinkenden Einnahmen. „Da fragt man sich dann schon: Wer kommt für den Schaden auf?“
Seit Mitte April laufen die umfangreichen Bauarbeiten, die von den Rosenheimer Stadtwerken, dem Tiefbauamt und der Stadtentwässerung durchgeführt werden. Dabei geht es laut einer Pressemeldung der Stadtwerke unter anderem um das Erneuern der Versorgungsleitungen wie Fernwärme- und Fernkälteleitungen und Wasserleitungen sowie den Ausbau der Telekommunikationsnetze. Die Maßnahmen sollen bis Ende November dauern.
Schon jetzt haben die Geschäftsinhaber mit den Folgen zu kämpfen. Gabriele Krüger, Filialleitern von „Schuh Sutor“ ist wenig erfreut über die momentane Situation. „Mein Geschäft wird von dem Baustellenplakat zugedeckt“. Die Schuhe, die zur Dekoration vor dem Laden stehen, wären dazu noch jeden Morgen verstaubt.
Eine Mitarbeiterin des Herrenmodegeschäfts „Engbers“, die nicht namentlich genannt werden will, ärgert sich ebenfalls über den Umweg. „Sie hätten einen Weg für die Fußgänger in der Mitte freilassen sollen“. Sie hofft, dass die Baumaßnahmen so schnell wie möglich beendet werden. Auch
Ein wenig optimistischer äußert sich Sophie Mummert, Verkäuferin bei „Hunkemöller“.Mittlerweile seien wieder mehr Kunden im Laden. Zu Beginn der Baumaßnahme seien weniger Kunden gekommen und ab sechs Uhr abends sei alles leer gewesen. Sie sieht die Trennung des Fußgängerweges als gut und schlecht zugleich. „Einerseits wird die eine Hälfte der Leute gezwungen, bei uns vorbeizugehen, die auf der anderen Seite kommen dafür nicht her.“
Außerdem sei es laut und die Lieferanten hätten Probleme, das Geschäft zu erreichen.
Positiv in die
Zukunft blicken
Um die Situation für alle etwas angenehmer zu machen, hätten sich die Geschäftsführer der betroffenen Läden zu Beginn der Baumaßnahmen unter Organisation des City Managements zusammen mit der SWRO, der Stadtentwässerung und der Bauleitung getroffen, um den Ablauf der Baustelle zu besprechen, teilt das City Management Rosenheim auf OVB-Anfrage mit.
„Baustellen sind immer eine harte Zeit“, heißt es vonseiten des Stadtmarketings weiter. Aber es gebe auch Gründe, um positiv in die Zukunft zu blicken: Nach Ende der Baumaßnahmen soll der Aufenthalt in der Münchener Straße ansprechender sein als zuvor.