Rosenheim – Schon im Vorfeld war klar: Der Punkt „Aussprache“ auf der Tagesordnung bei der außerordentlichen Jahreshauptversammlung der Fußballabteilung des TSV 1860 Rosenheim im Gasthof Höhensteiger in Westerndorf St. Peter wird den größten Raum einnehmen. Groß sind die sportlichen Sorgen, riesig die finanziellen Nöte – umso geringer ist dafür die Anzahl der Ehrenamtlichen in der Abteilung. Und so endete die Versammlung ergebnislos, hat aber zwei potenzielle Retter hervorgebracht.
Harsche
Wortmeldungen
Aktuell leiten Ömer Kaya als kommissarischer Abteilungsleiter und Frank Teschner als Schatzmeister die Abteilung Fußball bei den Sechzigern, wobei Teschner das Ende seines Engagements für Oktober, wenn die eigentliche Jahreshauptversammlung ansteht, angekündigt hat. Aufgrund „massiver finanzieller Probleme“ ist Vereinsvorstand Herbert Borrmann mit eingestiegen. Weil den Sechzigern zudem der zweite sportliche Abstieg in Folge droht, waren die spärlich erschienenen Mitglieder auch nicht zimperlich bei ihren Wortmeldungen. Der Abteilungsführung wurde Unfähigkeit vorgeworfen, das „Chaos seinesgleichen“ sei ein Trauerspiel. Mit charakterlich einwandfreien Spielern sei respektlos umgegangen worden und man sei zu einer Lachnummer mutiert. Man habe die eigene 1860-Philosophie aufgegeben und sich dem Kooperationspartner SpVgg Unterhaching komplett ausgeliefert. Angesichts der sportlichen und finanziellen Lage urteilte ein Mitglied: „Da brennt gewaltig der Hut bei uns!“
Schatzmeister Teschner hatte zuvor durchaus positive Zahlen aus 2020 und 2021 präsentiert. Danach sind die Kosten explodiert. „Wir wissen alle, warum das Geld nicht mehr da ist – es ist verbraucht worden.“ Vieles in der Hoffnung, dass die Ausgaben von Sponsoren ausgeglichen würden – eine Fehlmeinung. Borrmann sprach von einem sechsstelligen Schuldenberg, ein ähnlicher Betrag sei aber noch offen, hauptsächlich vom Kooperationspartner aus Unterhaching. Nun sei es das Ziel, sich in die Sommerpause zu retten und die Außenstände einzutreiben, so Borrmann, der zugibt, dass „die kurzfristige Liquidität das Hauptproblem“ sei.
Immerhin habe man die Kosten – unter anderem durch Vertragsauflösungen – auf ein Drittel minimiert. „Wir werden weiter einen Sparkurs fahren“, verkündete der Vorstand, denn: „Es geht darum, die Fußballabteilung zu erhalten.“ Das Herzstück der Sechziger ist die Jugend. Mit der A-Jugend in der Landesliga, der B- und der C-Jugend in der Bayernliga und der D-Jugend als Meister der Bezirksoberliga steht man hervorragend da, auch die weiteren Jahrgangsmannschaften schlagen sich prächtig. „Wir sind da gut aufgestellt“, verkündete Franz Höhensteiger als einer der Jugendkoordinatoren. Vorstand Borrmann war erleichtert, dass „der Jugendbereich im Augenblick gut durchfinanziert ist“. Da half auch Ex-Bundesliga-Profi Julian Weigl. Der frühere Rosenheimer Nachwuchsspieler ist Schirmherr der Sechziger-Jugend. Vorgestellt wurde dieses Engagement mit einer großen Veranstaltung im Kesselhaus. „Ein überragendes Ereignis“, urteilte Höhensteiger. Der Erfolg der Jugend kam auch bei den Mitgliedern gut an. Und es passte, dass sich mit Peter Wimmer der Hauptinitiator der erfolgreichen Sechziger-Jugend in den 90er-Jahren bereit erklärte zu helfen – in Verbindung mit dem Rosenheimer Geschäftsmann Richard Meisinger, als Aktiver früher auch im 1860-Dress unterwegs. Meisinger merkte an, dass er und Wimmer dem Verein schon länger ihre Hilfe angeboten hätten. „Wenn wir jetzt nicht die Weichen stellen, dann geht die Reise nach unten weiter“, erklärte er. Und: „Der Weg mit Unterhaching ist Vergangenheit, wir brauchen wieder unseren eigenen Weg – und dafür neue Gesichter und Köpfe.“
„Ende der
Schönrednerei“
Wimmer erklärte das Ende der Schönrednerei. Die Fußballabteilung sei entkernt. Am schlimmsten sei, weiterzumachen wie bisher. Die potenziellen neuen Leitfiguren „wollen helfen, wirtschaftlich und konzeptionell“. Ob und wie – das ist noch offen. Mit der bisherigen Führungsspitze sei man sich einig, die Gespräche über eine Zusammenarbeit aufzunehmen. Gelingen diese, dann könnte Wimmers Prophezeiung, dass diese Versammlung ein „Meilenstein für den TSV 1860 Rosenheim Fußball“ sei, auch eintreffen.