Rosenheim – Es ist ein Fall, der für Aufsehen sorgte: Am Samstag, 29. April, wurde eine Frau aus Bad Endorf in der Bustür eingeklemmt und einige Meter vom anfahrenden Bus mitgeschleift. Jetzt ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung – und hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.
Der Schock bei Sofia Pustovoitova sitzt tief. Auch Tage nach dem Vorfall. Vor zwei Wochen war die junge Mutter mit ihrer achtjährigen Tochter in Rosenheim unterwegs gewesen. Aufgrund des Wetters hätten sie sich bereits am frühen Nachmittag auf den Weg zurück nach Bad Endorf gemacht. Weil die Züge aufgrund von Bauarbeiten nicht nach Bad Endorf fuhren, warteten sie am Südtiroler Platz auf den Schienenersatzverkehr.
Gegen 14.50 Uhr fuhr der Bus in den Bahnhof ein. Die ersten Fahrgäste stiegen ein, Sofia Pustovoitovas Tochter hinterher. „Ich wollte gerade einsteigen, als ich bemerkt habe, dass die Türen zugingen“, erinnert sich die junge Mutter. Sie habe noch nach ihrer Tochter greifen wollen, sei jedoch nicht schnell genug gewesen und blieb mit ihrer rechten Hand in der Tür stecken. Der Bus sei losgefahren, während Pustovoitova mit ihrem Arm in der Tür hing.
„Ich musste einige Meter nebenherlaufen, um nicht mitgeschleift zu werden“, sagt sie am Telefon. Sie habe mit der linken Hand gegen die Scheibe geklopft, irgendwie versucht, den Busfahrer auf sich aufmerksam zu machen. Letztendlich seien es die Fahrgäste gewesen, welche den Fahrer auf die Situation aufmerksam machten. Er habe angehalten, die Tür geöffnet und Sofia Pustovoitova einsteigen lassen. „Entschuldigt hat er sich nicht. Im Gegenteil. Er hat eher aggressiv reagiert“, sagt die 31-Jährige.
Während die 31-Jährige neben dem Bus herlief, habe ihre Tochter das Geschehen vom Businneren beobachtet. „Sie war sehr verängstigt und will vorerst auch mit keinen Bus mehr fahren“, sagt Sofia Pustovoitova. Sie selbst sei mit dem Schrecken davongekommen – sowie zahlreichen blauen Flecken und einer Quetschwunde. „Wäre kein Gummi in der Tür gewesen, hätte es schlimmer ausgehen können“, sagt die Frau. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gehe es ihrem Arm mittlerweile wieder besser.
Erst Tage nach dem Vorfall habe sie sich – auf Anraten ihrer Tochter – bei der Polizei gemeldet. Sie habe geschildert, was passiert ist und den Polizisten ihren Arztbericht vorgelegt. Die Beamten ermitteln jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung. Um den genauen Tathergang zu ermitteln, bitten die Polizeiinspektionen in Rosenheim und Prien jetzt um Mithilfe. Gesucht werden Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben oder als Fahrgast in dem Bus saßen. „Bisher hat sich noch niemand gemeldet“, sagt Johanna Heil, Medienbeauftragte der Polizeiinspektion Rosenheim auf OVB-Anfrage.
Eine Stellungnahme des Busunternehmens lag bis Redaktionsschluss nicht vor.
Anna Heise