Geschenk des letzten Schäfers wacht über Pfarrei

von Redaktion

OVB-Serie: „Kunst im öffentlichen Raum“ – Folge 156: Guter Hirte

Ulrich Roppelt

Rosenheim – Ein „Guter Hirte“ wacht vor dem Pfarramt in Fürstätt über seine Schafe. Geschaffen hat die blockhafte Brunnenfigur 1984 der Steinmetz und Steinbildhauer Ulrich Roppelt.

Nach der Fertigstellung des Pfarrheims 1982 wünschte sich Pfarrer Alois Fuchs (1937 bis 2016) einen Brunnen, um den Platz aufzuwerten. So wandte sich der Seelsorger an Ulrich Roppelt, den er als Mitglied seiner Pfarrgemeinde gut kannte, und der erst kurz zuvor in den elterlichen Steinmetzbetrieb in der Innstraße eingetreten war. Doch es wurde ein langer Weg, bis das Thema des Brunnens gefunden war, und so bemerkte der damalige Oberbürgermeister Dr.Michael Stöcker bei der Brunnenweihe scherzhaft, dass bei der Stadt solche Entscheidungen schneller gingen.

Verschiedene Ideen kreisten und wurden wieder verworfen. Sabine Roppelt blättert in alten Zeitungsausschnitten. Die Schwägerin kann sich noch gut erinnern, wie Mitglieder der Pfarrgemeinde unterwegs waren, um sich die unterschiedlichsten Brunnen anzusehen. Eine Idee war die einer stilisierten Orgel, da in Fürstätt Kirchenmusik und Chorgesang durch den 1958 von Rolf Hamberger gegründeten Chorkreis St.Quirinus sehr gepflegt wurden. Doch die Fürstätter wollten nichts Abstraktes, wie Ulrich Roppelt schildert. Sie wollten etwas Gegenständliches, Greifbares, Eingängiges.

Geld und Grundstück
für ein Pfarrheim

Da kam Ulrich Roppelt der Einfall mit dem „Guten Hirten“, einem uralten Glaubensbild und zugleich Erinnerung an den 1984 verstorbenen Hans Burkhart. Der letzte Schäfer von Fürstätt hatte der Pfarrei Geld und das Grundstück für das Pfarrheim geschenkt. Diese Idee überzeugte sofort. Ulrich Roppelt fertigte ein Tonmodell, das allgemeine Zustimmung fand, und zügig konnte in der Werkstätte der 1913 gegründeten Firma Roppelt der Brunnen mit seinem achteckigen Becken, dem hohen Pfeiler mit den vier knospenartigen Ausläufen und der Figur des „Guten Hirten“ aus Wachenzeller Dolomit, einem sehr widerstandsfähigen Kalkstein aus der Frankenalb, gefertigt werden. Finanziert wurde der Brunnen vom Erzbischöflichen Ordinariat München, der Sparkasse Rosenheim und privaten Spendern.

Ein Festgottesdienst am Sonntag, den 7. Oktober 1984, gewidmet dem Patrozinium der Fürstätter Rosenkranzkirche, eröffnete die Brunnenweihe. Die Festgäste, neben OB Dr. Michael Stöcker fünf Fürstätter Stadträte, Architekt Dieter Schindler, Landschaftsarchitekt Manfred Huprich und Sparkassendirektor Josef Dichtl, konnten der Rathgeber-Messe lauschen, einer barocke Komposition des Benediktinermönches Valentin Rathgeber, die der Kirchenchor unter Rolf Hamberger darbrachte.

Das Bild des „Guten Hirten“ ist sehr alt. Schon ägyptische Pharaonen oder die Herrscher des alten Orients inszenierten sich als Hirten, die ihr Volk „weiden“, womit eine gute, verantwortungsvolle und gerechte Regierung gemeint war, die sich auch um die Schwachen kümmerte. Bekannt ist Psalm 23, der „Hirtenpsalm“ im Alten Testament: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. …“ Eindringlicher lässt sich die wichtige Rolle des Hirten bei einem Nomadenvolk kaum formulieren. Verständlich, dass dieses Bild dann auf Jesus Christus übertragen wurde. So ist denn auch der „Gute Hirte“, der ein verlorenes Schaf auf seinen Schultern trägt, um das schwächste der ihm anvertrauten Tiere sicher zur Herde zurückzubringen, die älteste Christusdarstellung überhaupt und findet sich bereits im 3. Jahrhundert in römischen Katakomben. Im Übrigen werden in Norddeutschland seit der Reformation die Pfarrer gerne Pastor genannt, was im Lateinischen „Hirte“ heißt.

Krummstab als
Zeichen des Amtes

Dieses Bild des sich zuverlässig um seine Schäfchen kümmernden Hirten greift Ulrich Roppelt auf und gesellt ihm noch zwei weitere Schafe zu seinen Füssen hinzu; eines weidet, das andere blickt vertrauensvoll empor. Auch der Hirtenstab mit seiner typischen Krümme fehlt nicht. So wie der Pharao bereits diesen Stab als Herrschaftszeichen hatte, tragen Bischöfe und Äbte auch heute noch den Krummstab als Zeichen ihres Amtes, das sie in der Vertretung Jesu Christi auf Erden ausüben.

Pfarrer Alois Fuchs fasste bei der Weihe die Bedeutung des Brunnens in die Worte: „Der Brunnen ist ein steingewordenes Gebet, dass der ‚Gute Hirte‘ immer seine schützende Hand über die Pfarrei halten möge.“

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