Rosenheim – Ein Leben lang im Kampf gegen den Faschismus und im Einsatz für Menschlichkeit, Gerechtigkeit sowie Gleichheit – so könnte man Martin Löwenberg beschreiben. Der Film über den 2018 verstorbenen KZ-Überlebenden ist für das Rosenheimer Bündnis gegen rechte Hetze eine ideale Bereicherung für ihre Themenwochen mit dem Motto „Antifaschismus bleibt notwendig“. Zu sehen war er kürzlich als Open-Air-Kino im Garten des linken Zentrums Z. Der Abend wurde organisiert von der Rosenheimer Geschichtswerkstatt.
Über fast 20 Jahre hinweg erstreckten sich die Dreharbeiten des Films von Petra Gerschner und Michael Backmund. Und herausgekommen ist das Porträt eines Menschen, der zum Widerstandskämpfer gegen den Faschismus wurde. „Ich war anfangs eigentlich ein unpolitischer junger Mann“, schildert der KZ-Überlebende seine Jugend im damaligen Breslau, dem heutigen Wroclaw.
„Unsere Prügeleien mit der Hitlerjugend waren eher Raufhändel zwischen den damals üblichen Straßencliquen, denn irgendwie politisch motiviert.“ Bestimmend für ihn war aber schon damals das Bedürfnis nach Gerechtigkeit unter den Menschen. Deshalb schloss er sich seinem um zwei Jahre älteren Bruder an, der einem Netzwerk angehörte, das für die hungernden Fremdarbeiter Brotmarken organisierte.
Zum Kommunisten wurde Löwenberg dann spätestens in der KZ-Haft. Ihm blieb jedoch der einzelne Mensch immer wichtiger als Apparate und die damit verbundenen Ideologien, weshalb er 1969, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, aus der Kommunistischen Partei austrat. Und dennoch blieb er, wie er im Film beschrieb, im Herzen Kommunist, „die Hoffnung auf eine gerechte und offene Zukunft für alle Menschen, die uns Gefangene nach der Befreiung der Konzentrationslager erfüllte, nicht aufgebend“.
Diese Hoffnung hat Löwenberg nie verloren, wenn auch sein Einsatz gegen die Wiederbewaffnung der BRD, gegen das Erstarken neofaschistischer Kräfte nie ein Sieg auf ganzer Linie war. Löwenberg, so sagen die Filmemacher Gerschner und Backmund, habe den Einsatz dennoch nicht für umsonst gehalten. „Stellt euch vor“, so habe Löwenberg gesagt, „wie Deutschland aussähe, wenn es diese steten Bemühungen so vieler Einzelner für Gleichheit, gegen Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Faschismus nicht gäbe“.
Eine Sicht der Dinge, die auch die Rosenheimer Geschichtswerkstatt teilt. Florian Müller, einer der Mitwirkenden, hat den KZ-Überlebenden als Schüler sogar einmal persönlich getroffen. Er hatte ihn um ein Gespräch für die Erstellung eines Referates über ihn gebeten und war von ihm nach München in seine Wohnung eingeladen worden. „Er war ein ganz und gar unprätentiöser, durch und durch freundlicher Mann und ehrlich interessiert an mir als seinem Gegenüber.“
Diese Neugier, dieses wache Interesse am anderen Menschen, nicht zuletzt am Denken von jungen Leuten, sei ein ganz wesentlicher Charakterzug von Löwenberg gewesen, sagen die Filmemacher. Wie auch die Bereitschaft, seine eigenen Positionen immer wieder zu hinterfragen, ob sie noch mit dem allen übergeordnetem Ziel, einer gerechten Gesellschaft in Einklang zu bringen seien.
So ist auch der Titel des Films nach einem Zitat von Löwenberg zu sehen: „Es kann legitim sein, was nicht legal ist“. Auf die Person Löwenbergs bezogen, verliert er etwas von seiner Spitze, denn bei ihm war er, so sagt Müller von der Geschichtswerkstatt, „untrennbar verbunden mit den Menschenrechten als oberste Richtschnur“Johannes Thomae