Rosenheim – Drei Chorleiter – nämlich: Michael Gartner (Chorkreis St. Quirinus), Johannes Meidert (Erlöserkirche) und Andreas Penninger (Innphilharmonie) – riefen und 25 Chöre mit 500 Sängern kamen und sangen an fünf Orten.
Rosenheim
„rührt sich“
Überall in Rosenheims Innenstadt wuselten Sänger mit Notenmappen herum und Zuhörer pilgerten von der Nikolauskirche zum Ballhaus, von der Heilig-Geist-Kirche zum Künstlerhof oder zur Erlöserkirche. Das entsprach dem, was sich Oberbürgermeister Andreas März in seiner Begrüßungsrede wünschte: dass „sich was rührt in Rosenheim“. Bläser der Musikkapelle Rosenheim, darunter Kulturreferent Wolfgang Hauck, spielten eine Intrada, der Kinderchor „Bella Bimba“ sang beherzt: „Lasst uns Freunde sein!“ und alle zusammen „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Iris Huber vom Kinderhilfswerk UNICEF wünschte sich eine Welt, in der Kinder spielen und singen können, und bat um viele Spenden. „Genießt diesen Tag!“, rief der Oberbürgermeister, und alle genossen diesen randvoll mit Chormusik gefüllten Abend.
Man hatte die Qual der Wahl: Alle zwanzig Minuten sang ein anderer Chor an anderem Ort, und immer zwei gleichzeitig.
Brechend voll war die Nikolauskirche beim Auftritt der Innphilharmonie zusammen mit „Choriamo“ und dem Kirchenchor Am Wasen. Die sangen stimmgewaltig bombastische Film- und Popmusik, entführten mit „Skyfall“ in düstere James-Bond-Atmosphäre, jauchzten emphatisch samt wummerndem Schlagzeug und dröhnendem E-Bass die „Bohemian Rhapsody“ von Queen und am Ende tanzlustig „Dancing Queen“ von Abba und alle wippten und sangen freudig mit und applaudierten wie in einem Popkonzert mit Pfiffen und Indianergeheul: Kirchenmusik ganz anderer Art.
Kirchenmusik ganz traditionell hatten zum Beispiel der Kammerchor Rosenheim und die Capella Vocale Prien im Programm, ansonsten triumphierte die Popmusik. Aus dem Con-Brio-Chor heraus entstand das Doppelquartett „8oN“, das, teilweise mit Cajon-Unterstützung, Gospels und afrikanische Musik in der Heilig-Geist-Kirche darbot. Und wenn die Sänger sich einmal anfangs in den Harmonien verwirrten und neu beginnen mussten, quittierten die Zuhörer dies mit wohlwollendem Beifall. Auch mit viel Körperbewegung wünschten in der Erlöserkirche die „Aisinger“ (mit regenbogenfarbigen Schals) zusammen mit den „Sonetten“ (schwarzrot gekleidet) fröhlich „Unser Leben sei ein Fest“, besangen mitfühlend „Tears in Heaven“ und animierten die Zuhörer, beim hebräischen Kanon mitzusingen.
Aus Pfaffenhofen kommen die „Infinitones“ – zwölf Mädchen, die einfach gerne singen und am liebsten alles. Dies – im Künstlerhof – sauber und durchaus einnehmend, Gospel- und Pop-Songs, darunter auch ein anrührendes „Ave Maria“ von David Hamilton.
Aus Rimsting kommen die „RimSinger“ – zwölf schon bühnenerfahrene Sänger und Sängerinnen, die im Ballhaus bekannte Schlager und Songs in einer spaßigen perfekt durchchoreografierten und -moderierten Show präsentierten, darunter einen nicht den üblichen Schönheitsattributen entsprechenden Mann, der selbstbewusst krähte, er „breche die Herzen der stolzesten Frau‘n“, sowie die Ouvertüre zu Rossinis „Barbier von Sevilla“ als A-cappella-Chor samt einem durchgeknallten Dirigenten mit Pudelperücke.
Am Ende konnte man sich entscheiden zwischen dem Ballhaussaal, in dem die „Rosenkavaliere“ aus Wasserburg ihr Publikum mit Liedern der Comedian Harmonists, von Rio Reiser und den Wise Guys entzückten, oder der mit allen Toren weit offen stehenden Nikolauskirche. Dort schuf der Chorkreis St. Quirinus eine abendsanfte Atmosphäre mit Chören von Karl Jenkins („Ave verum“ und „Healing Light“), Ola Gjeilo (mit einem zauberhaften „Ubi caritas“) und von Morten Lauridsen (mit dem klangsinnlichen „Chanson des Roses“ auf einen Text von Rainer Maria Rilke): eine Art sakrale Serenade, die das andächtig lauschende Publikum tief beeindruckte.
Gemeinsam zum
guten Schluss
Ganz zum Schluss versammelten sich alle Chöre und Zuhörer auf dem Salzstadl und sangen gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“: Singen ist Frieden. Große Rührung allenthalben, großer Dank den Organisatoren und große Freude über das Sammelergebnis von 4082 Euro für UNICEF.