Rosenheim – Digitalisierung und ältere Menschen: Viele fühlen sich überfordert. Um zu helfen, gibt es eine Reihe Beratungsangebote. Das zeigte sich beim „Digitaltag“ im Rosenheimer AWO-Mehrgenerationenhaus. Eines wurde dabei auch klar: Es braucht wohl auch in Zukunft Menschen, die anderen die Technik erklären.
Der Rosenheimer Günther Schaffer ist 85 Jahre alt. Mit 60 Jahren bekam er sein erstes Smartphone. „Ich schaue mir hauptsächlich alte Filme an, die man im Fernsehen kaum noch zu sehen bekommt“, erzählt der rüstige Senior. Am Anfang habe er sich mit der Handhabung der kleinen technischen Gerätschaft schon schwergetan. Aber mittlerweile funktioniere es ganz gut, nicht zuletzt deshalb, weil er bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) mit der Digitalen Mediensprechstunde für Senioren eine Anlaufstelle gefunden habe, die er immer dann aufsuche, wenn er alleine nicht weiterkommt.
So einen Fall gab es für den Senior jetzt auch wieder beim Digitaltag. „Ich will endlich auch mal bei Amazon shoppen“, sagte Schaffer. Wie das funktioniert, erklärte ihm die ehrenamtliche Medienberaterin Eva Eckhardt.
Ihrer Meinung nach ist es vor allem wichtig, älteren Menschen die Angst vor den digitalen Geräten zu nehmen. Gelinge dies, könnten gerade auch die Älteren von der zunehmenden Digitalisierung profitieren. „Auf diese Weise kann man sich beispielsweise mit anderen auch dann austauschen, wenn man alleine daheim ist. Da fühlt man sich gleich weniger einsam.“
Ein Ticket für die Bahn kaufen, Formulare für Bank und Versicherung ausfüllen, Termine bei Arzt oder Behörde buchen – immer mehr ist nur noch online möglich und diese Entwicklung schreitet immer rasanter voran. Eckhardt glaubt dennoch nicht, dass dadurch ältere Semester irgendwann komplett vom alltäglichen Leben abgehängt werden: „Die Funktionen werden ja nicht schwieriger, sondern immer einfacher. Da wird dauernd nachgebessert“.
Eines steht für die ehrenamtliche Medienberaterin aber fest: Es braucht wohl immer Menschen, die jenen, die Probleme mit der Handhabung von Smartphone und Co. haben, zeigen, wie man richtig damit umgeht.
Oft geht’s bei der Digitalen Mediensprechstunde um banale Fragen. Das sieht auch Michaela Schletzbaum so, die für die Koordination der Sprechstunde im AWO-Mehrgenerationenhaus zuständig ist. Überwiegend werde dieses Angebot von Menschen über 80 Jahren genutzt. „Die meisten kommen mit ihrem Smartphone vorbei, wenige mit einem Tablet“, berichtet sie. Beispielsweise geht es darum, wie man Fotos an seine Freunde und Bekannten weitersenden könne. Wer dabei Hilfe von Kindern und Enkelkindern bekomme, habe es da gut. Schwieriger werde es, wenn Senioren allein sind.
Wohin sich diese Personen wenden können, zeigte der „Digitaltag“. Die Veranstaltung fand zum dritten Mal statt, gemeinsam organisiert vom AWO-Kreisverband Rosenheim, vom Bildungswerk, von der Caritas-Seniorenbegegnungsstätte und von der Diakonie. Vor Ort waren auch Info-Stände der Polizei, des kommunalen Telekommunikations-Unternehmens „Komro“, des Technischen Hilfswerkes, der Bürgerstiftung und der Fachstelle Wohnberatung des Landratsamtes.
AWO-Projektleiterin Tina Matousek zeigte sich mit der Veranstaltung sehr zufrieden. Ihrer Meinung nach betrifft das Thema nicht nur ältere Menschen. Für alle brauche es gute Beratungsangebote. wu