Aus wenigen Strichen wird eine ganze Welt

von Redaktion

Das Zeichnen ist Konrad Schalhorns Leidenschaft – Blick auf sein umfassendes Werk

Rosenheim – Es ist ein unscheinbares Gebäude in Rosenheim, von außen kaum auffällig. Einzig ein rotes Gartentor führt zu dem hinter Bäumen versteckten, gelben Haus mit offener Haustür. Hinter dieser verbirgt sich allerdings ein wahres Atelier. Keine Wand ist leer geblieben. In Konrad Schalhorns Haus lässt sich sofort erkennen: Hier wohnt ein Künstler. An den Wänden reiht sich ein Bild an das andere – alle von ihm selbst geschaffen. Von Lack-Malereien bis Kugelschreiber-Zeichnungen sind die verschiedensten Kunstwerke dabei.

Von der Welt
inspiriert

Hängen seine Bilder nicht an der Wand, dann sind sie entweder im ganzen Haus verstaut oder bereits in vielen Archiven Deutschlands ausgestellt. Von Berlin und Düsseldorf bis München. Zudem ergänzen etliche Vintage-Emaille-Schilder die Einrichtung. Das sind Blechschilder, die vor allem für Werbung genutzt wurden und bis zu den 1960er-Jahren im Einsatz waren.

Sein Haus hat mehrere Räume, die von ihm als Atelier genutzt werden. In einem davon sind Werke ausgestellt, auf die der Architekt besonders stolz ist – seine Panorama-Zeichnungen. Schon im Jahr 1957 habe er das erste Panorama gezeichnet. Vorlage war die Stadt Passau. Im Laufe der Jahre haben ihn dann die verschiedensten Orte auf der Welt zu seinen Zeichnungen inspiriert. Von New York über Mailand bis Rosenheim.

Das Besondere: Er hat alle Panoramen mit dem Kugelschreiber gezeichnet. „Mit dem Kugelschreiber kann man nichts mehr ausradieren“, sagt Schalhorn. Damit muss jeder Strich sitzen. Die Panorama-Zeichnungen habe er immer von links nach rechts gezeichnet. Pro Bild brauche er im Schnitt zwischen 30 und 45 Minuten.

Seine Bilder sind detailreich – worin sich auch Konrad Schalhorns Leidenschaft zum Zeichnen widerspiegelt. Beim Zeichnen hat er sich immer die Frage „Was will man festhalten?“ gestellt. Es ist eine „Art Bescherung“, sagt er. „Zu sehen, wie durch ein paar Striche auf Papier Räumlichkeiten entstehen“, mache das Zeichnen für ihn so besonders. Seine Vorlagen suche der 85-Jährige danach aus, was ihn fasziniere. Und das schon seit seiner Jugend.

Konrad Schalhorn stammt gebürtig aus Berlin. Ende der 1950er-Jahre begann er sein Architektur-Studium in Aachen. Schon sein Schwiegervater sei Architekt gewesen, seine Frau Bauzeichnerin. Während des Studiums kehrte er dann nach Berlin zurück, anschließend ging er wieder nach Aachen. Nach seinem Abschluss arbeitete er in den 1960er-Jahren bei Architekt Oswald Mathias Ungers. Danach war er Assistent am Lehrstuhl von Gottfried Böhm.

Professor
in Rosenheim

Ende der 1980er-Jahre bewarb sich der Architekt als Professor an verschiedenen Fachhochschulen. So kam er nach Rosenheim. Am Fachbereich Innenarchitektur der Fachhochschule Rosenheim unterrichtete er bis 2002 das Fach „Entwerfen“. Im Jahr 1991 entstand in Zusammenarbeit mit der FH seine Publikation „Linie ….Punkt“. Darin stellen verschiedene Architekten ihre Zeichnungen vor.

Zeichnen war nicht nur Bestandteil seines beruflichen Lebens, sondern auch seines privaten. Denn auch bei einigen Ausstellungen habe der Architekt schon teilgenommen. Dazu zählen eine Großausstellung in Berlin, aber auch eine Ausstellung bei Alfons Röckl in Rosenheim.

Neben dem Zeichnen ist Schalhorn zufolge auch das Fotografieren eines seiner liebsten Hobbys. Nicht nur auf Architektenexkursionen hat er viele Fotografien gemacht. Auch bekannte Orte in Rosenheim, die es heute so schon gar nicht mehr gibt, hatte er vor seiner Linse. Immer aus einem besonderen kreativen Blickwinkel. Diese Kreativität habe er auch vererbt. Zwei seiner vier Kinder haben einen kreativen Berufsweg eingeschlagen. Seine Tochter ist Künstlerin, einer seiner Söhne arbeitet im Kupferstichkabinett Berlin. Das ist das größte Museum der grafischen Künste in Deutschland und weltweit eine der vier wichtigsten Sammlungen dieser Art. Aber auch seine Enkel hätten sich schon einmal am Zeichnen versucht.

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