Rosenheim – Adelbert Schömer liebt sportliche Herausforderungen. Je anspruchsvoller, desto besser. Das lernte er bereits in seinem Beruf als Kaminkehrer und bei der Bundeswehr. Nachdem er bei einer Explosion fast seine rechte Hand verlor, sind einige Sportarten für den 71-Jährigen nicht mehr möglich. „Es ist nicht schlimm, wenn man nichts mehr machen kann“, sagt er. Für ihn sei es ausreichend, jeden Tag seine Runden zu schwimmen. Zu seinen großen Leidenschaften gehören außerdem das Klettern und Fallschirmspringen.
Freundschaft
zwischen Ländern
Wie groß, das zeigt sich im Europäischen Militär-Fallschirmsprungverband (EMFV). Vor 25 Jahren gründete er den Verband mit der finanziellen Unterstützung durch Karl von Habsburg. Der EMFV ist ein Zusammenschluss von aktiven und ehemaligen Militär- und Polizei-Fallschirmspringern der Europäischen Nation. „Das Besondere daran ist die Freundschaft zwischen den verschiedenen Ländern“, sagt Schömer. Mittlerweile kenne er Leute in Indien, Thailand, Singapur, Japan und den Philippinen. Fallschirmspringer der unterschiedlichsten Nationen kommen regelmäßig zu Fortbildungen oder Sprüngen zusammen. Dass immer mehr Länder dazukommen, freue ihn sehr. „Es macht Spaß, wenn wir unpolitisch miteinander reden können“, sagt Schömer. Dass er den Besuchern die Schönheiten von Rosenheim und dem Umland zeigen kann, ist für ihn jedesmal etwas ganz Besonderes. Doch der Weg dorthin war für den 71-Jährigen nicht immer einfach. Schömers Eltern lebten in Böhmen, wo sie aus politischen Gründen während des Zweiten Weltkriegs vertrieben wurden. Zuflucht fanden sie auf einem Bauernhof in Großensees im Landkreis Tirschenreuth/Oberpfalz. 1952 wurde Schömer dort geboren. 1966 begann er mit gerade einmal 14 Jahren eine Lehre als Kaminkehrer in Regensburg.
Nach seiner dreijährigen Lehre ging Schömer nach Rosenheim. „Der Beruf hat damals viel Anerkennung erhalten“, sagt Schömer. Er habe gerne als Kaminkehrer gearbeitet. Half den Menschen, auch wenn sie seine Arbeit nicht bezahlen konnten. „Wir wurden dann zum Dank zur Brotzeit eingeladen“, sagt der 71-Jährige. Zeitgleich mit seiner Lehre fing Schömer bei der freiwilligen Feuerwehr an. So sei es damals üblich gewesen. „Die Kaminkehrer kannten sich in den Dörfern und im Brandschutz aus“, sagt er. Auch nach 54 Jahren ist er Teil der freiwilligen Feuerwehr in Rosenheim.
1971 ging es für Schömer zur Bundeswehr. In Brannenburg rückte er als Rekrut im Gebirgspionierbataillon aus. Das Klettern und Fallschirmspringen wurden zu seiner großen Leidenschaft. Auch nach seiner Zeit bei der Bundeswehr ist Schömer noch in der Bergwacht tätig.
An einige Einsätze kann er sich auch heute noch gut erinnern. „Wir hatten einen Einsatz bei der Lawinenbergung der Wendelstein-Zahnradbahn“, sagt Schömer. Das war 1975. Eine schwere Zeit für ihn. „Das war mit der schlimmste Einsatz für mich“, erinnert sich der Rosenheimer. An den Anblick von Schwerverletzten und Toten kann man sich nie gewöhnen, sagt er. Nicht anders ging es ihm bei seinem Erdbeben-Einsatz 1976 in Norditalien. Vier Wochen dauerte die Bergung der Menschen.
Nach zwölf Jahren Dienst bei der Bundeswehr war seine Zeit als Oberfeldwebel zu Ende. Im Rahmen einer Spreng-Ausbildung kam es zu einem Unfall. „Eine Spreng-Handgranate explodierte und verletzte meine rechte Hand“, sagt Schömer. Es folgten neun Operationen, die seine Hand retteten. Doch Einsätze konnte Schömer nicht mehr leisten. Auch in seinen alten Beruf als Kaminkehrer kehrte er nicht mehr zurück.
Präsident
kommt zur Feier
In der Bundeswehrfachschule holte Schömer die mittlere Reife nach und begann als Finanzanwärter im Finanzamt Rosenheim. Dort blieb der 71-Jährige bis zu seiner Pensionierung. Mehr Zeit, die er vor allem in seinen Verband investiert. Seit seiner Gründung 1998 kamen viele Länder dazu. Am Freitag, 15. September, findet im Technischen Museum BGS in Rosenheim die Feier statt. Die Freude darüber ist bei Schömer groß.
Auch der Präsident des EMFV, Hans-Friedrich Nawrozki, freut sich auf die Jubiläumsfeier. „Der EMFV ist eine Vereinigung aktiver und ehemaliger Soldaten und Polizisten aus der ganzen Welt, die in tiefer Kameradschaft ehemals militärische Aktivitäten jetzt als Hobby ausleben“, sagt Nawrozki. Für die Zukunft wünsche er sich für den Verband guten Zuwachs. Sowie den „Fortbestand von Kameradschaft, Disziplin, Menschlichkeit und sozialem Engagement.“