Rosenheim setzt auf „nette Toiletten“

von Redaktion

Wer in Rosenheim dringend auf die Toilette muss, hat ein Problem. Denn öffentliche WC-Anlagen in der Stadt sind Mangelware. Doch die Situation könnte sich deutlich verbessern. Denn Rosenheim bekommt „nette Toiletten“. Die sollen helfen und sogar Geld sparen.

Rosenheim – Mit den Toiletten in der Stadt ist das so eine Sache. Oft ist keine da, wenn man sie am dringendsten braucht. Judith Gebhart de Ginsberg, Leiterin des Stadtmarketings, hat sich deshalb eine Lösung überlegt. Ab dem 1. Januar 2024 wird Rosenheim Teil der bundesweiten Aktion „nette Toilette“. „Bei dieser Aktion stellen Rosenheimer Gastronomen und Einzelhändler ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung“, heißt es aus dem Rathaus. Im Gegenzug bekommen sie von der Stadt eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro pro Monat. Teilnehmer, die barrierefrei sind oder einen Wickeltisch haben, bekommen 25 Euro extra obendrauf.

Ausbau der sauberen
und sicheren Klos

„So soll das bestehende Angebot an sauberen, sicheren und frei zugänglichen Toilettenanlagen in der Innenstadt ausgebaut werden“, teilte die Verwaltung während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus mit. Bis es so weit ist, müssen noch Verträge mit Teilnehmern geschlossen und Aufkleber an den entsprechenden Schaufenstern angebracht werden.

Die Idee, Toiletten in Restaurants auch kostenlos öffentlich zu nutzen, wurde im Jahr 2000 in der Stadt Aalen entwickelt und mit einer öffentlichen Werbeagentur umgesetzt. Inzwischen machen 329 deutsche Städte und Gemeinden bei diesem Programm mit und zahlen eine Lizenzgebühr, um Logo, Aufkleber und Plakate nutzen zu können. Teilnehmende Unternehmen weisen mit einem roten Aufkleber im Eingangsbereich darauf hin, dass die Toiletten dort kostenlos benutzt werden können.

Dass das Konzept funktioniert, zeigt ein Blick nach Neuss. In der Stadt in Nordrhein-Westfalen gibt es insgesamt 15 „nette Toiletten“ – unter anderem in der Volkshochschule, der Stadtbibliothek sowie in der Sportsbar „Flotte Theke“. Einige davon sind barrierefrei, andere mit einem Wickeltisch ausgestattet. „Die Teilnahme an der ‚netten Toilette‘ ist für die Stadt Neuss ein gutes und kostengünstiges Mittel, im öffentlichen Raum zahlreiche kostenlose Möglichkeiten für eine Toilettennutzung zu schaffen“, sagt Nora Weichelt, Pressesprecherin der Stadt Neuss. Von der Kooperation würden nicht nur Bürger und Gäste profitieren, sondern auch die teilnehmenden Gastronomiebetriebe sowie die Stadtverwaltung.

„Die bisherige Erfahrung mit der ‚netten Toiletten‘ ist überwiegend positiv“, sagt die Pressesprecherin. Fast alle teilnehmenden städtischen Einrichtungen berichten ihr zufolge von einer etwas stärkeren Nutzung ihrer Toilettenanlagen. Lediglich die städtischen Friedhöfe hätten bisher keine Veränderungen festgestellt. Weil die Toiletten häufiger genutzt werden, sei auch eine häufigere Reinigung notwendig. Daran zu stören scheint sich jedoch keiner der Teilnehmer. So sei seit dem Start des Projekts lediglich ein Gastronomiebetrieb abgesprungen.

Welche 15 Betriebe in Rosenheim teilnehmen, wurde bisher nicht bekannt gegeben. Von der Idee überzeugt, ist Maria Peter, Betreiberin des Restaurants „essbar“ am Ludwigsplatz. „Ich finde die Idee sehr sympathisch“, sagt sie. Zwar könnte es durchaus passieren, dass die Kosten für Reinigung und Instandhaltung zunehmen würden, trotzdem will Maria Peter ihre Toiletten in Zukunft auch Nicht-Kunden zur Verfügung stellen.

Und auch Irmgard Oppenrieder, Vorsitzende des Seniorenbeirats, kann der Idee einiges abgewinnen. „Ich finde die Aktion super“, sagt sie auf OVB-Anfrage. Bereits in der Vergangenheit hatten sie und ihre Mitstreiter immer wieder kritisiert, dass es zu wenig öffentliche Toiletten gibt und die, die es gibt, zum Teil in einem schlechten Zustand sind. Dass jetzt 15 zusätzliche WC-Anlagen dazukommen, freue sie sehr. Zumal diese zum Teil auch an Sonn- und Feiertagen zugänglich und in einem „guten Zustand“ sind.

Massive
Kosteneinsparung

Hinzu kommt, dass die Stadt trotz der Lizenzgebühren sowie der monatlichen Aufwandsentschädigungen günstiger wegkommt, als wenn sie neue, öffentliche Toilettenanlagen bauen würde. Das beweist ein Beispiel aus Aalen. So würde der Bau einer öffentlichen Toilette rund 130000 Euro kosten, hinzu kämen jährliche Unterhaltskosten in Höhe von 30000 Euro. Mit der Aktion „nette Toilette“ liegen die jährlichen Zuschüsse für 30 Toiletten in den Gastronomiebetrieben laut der offiziellen Website bei rund 28800 Euro pro Jahr.

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