Rosenheim – In der Hamburger Kita Mobi wird es in diesem Jahr keinen Christbaum geben. „Wir haben uns im Team dagegen entschieden, da wir kein Kind und seinen Glauben ausschließen wollen.“ Dieser Satz in einem Schreiben an die Eltern von Hamburger Kita-Kindern sorgte in den vergangenen Tagen für große Aufregung. Hintergrund ist die Entscheidung gegen einen Christbaum in der Einrichtung. Selbst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kritisierte auf der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) diesen Schritt und schrieb: „Das ist absurd. Haben wir denn keine anderen Probleme?“
Viel Zorn – Lage aber
gar nicht dramatisch
Dabei ist die Lage gar nicht so dramatisch, wie es die aufgebrachten Reaktionen vermuten lassen. Auf der Website der Kita heißt es: „Wie bei uns seit über 47 Jahren üblich, entscheiden die Teams (gemeinsam mit den Kindern), wie sie die Einrichtung schmücken wollen. In der Kita Mobi, die seit zehn Jahren besteht, gab es seither circa dreimal einen Weihnachtsbaum.“ Der Baum war also auch in den Jahren zuvor nicht selbstverständlich. Doch wie ist die Lage in Rosenheimer Kitas? Im Kinderhaus Aising gehört der Christbaum zur Vorweihnachtszeit dazu. „Wir haben einen Christbaum“, sagt Einrichtungsleitung Mercedes Simml auf OVB-Anfrage. „Das ganze Haus ist weihnachtlich geschmückt, da macht es auch keinen Unterschied, ob da ein Christbaum steht oder nicht.“ Das Kinderhaus in Aising ist konfessionslos. Es wird also nicht die Kirche besucht und auch nicht vor dem Essen gebetet. „Aber wir sind immer noch in Bayern und feiern die Feste, die es hier gibt“, sagt Simml. Auch der Nikolaus war in diesem Jahr vor Ort und hat an jedes Kind ein Säckchen verteilt. Von den Eltern gab es diesbezüglich nie Probleme, erklärt die Leiterin.
„Kleine Helden“
feiern kulturell bunt
Auch bei den „Kleinen Helden“ in Pang gehört der Christbaum einfach dazu. Dieser wird jedes Jahr gemeinsam mit den Kindern geschmückt. Zudem wird die gesamte Einrichtung in der Vorweihnachtszeit entsprechend dekoriert, erklärt Veronika Rott, stellvertretende Kita-Leiterin. Der Christbaum sei einfach eine Tradition, die dazugehöre. „Am letzten Kindergartentag kommt dann immer das Christkind und legt etwas unter den Christbaum“, erzählt Rott. Aber es sind nicht nur die Geschenke unterm Baum, die die Kinder begeistern. Bereits die Dekoration und die schönen Lichterketten sorgen für leuchtende Augen.
„Da freuen sich wirklich alle drauf“, weiß Rott. Die Religion rückt hierbei eher in den Hintergrund. Natürlich seien die Kita und der Hort in Pang durch den Träger Caritas eher christlich geprägt, allerdings lernen die Kinder auch viel über andere Religionen und Kulturen. „Wir greifen das auf und feiern auch andere Feste“, erklärt Rott. So wurde beispielsweise bereits ein Sommerfest ganz im Zeichen des indischen Holi-Festes gefeiert.
„Das Thema wurde
noch nie diskutiert“
In der Kinderkrippe Studentenflöhe in Rosenheim herrscht eine ähnliche Einstellung. „Das Thema, ob wir Weihnachten feiern, wurde bei uns noch nie diskutiert“, erklärt Kita-Leitung Beate Richter im OVB-Gespräch. Bei ihr in der Einrichtung werde ohnehin versucht, verschiedenste Kulturen und Religionen aufzufangen. Auch von Trägerseite sei es gewünscht, bestimmte Feste zu thematisieren und möglichst kindgerecht zu erklären.
Beim Thema Christbaum gibt es in diesem Jahr sogar eine Besonderheit bei den Studentenflöhen. In den vergangenen Jahren wurde in der Einrichtung ein Holzchristbaum aufgestellt. „Der ist aber nicht wirklich als Christbaum zu erkennen“, sagt Richter. In diesem Jahr gibt es das erste Mal einen echten Baum – und das funktioniert super, wie die Leiterin berichtet. Auch von den Eltern wird der Baum ganz unabhängig von der Religion gerne bewundert.