Rosenheim – 23 E-Autos kommen in Rosenheim auf eine öffentliche Ladesäule. Das geht aus dem Ladenetz-Ranking des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor. Damit landet Rosenheim im bundesweiten Vergleich auf dem 251. Platz. Zum Vergleich: Die Stadt Passau – mit ähnlicher Größe – liegt auf Platz 24. Hier kommen knapp elf E-Autos auf eine Ladesäule. Dort wurden bereits 2021 durch den Beschluss eines Klimaschutz-Konzepts konkrete Maßnahmen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur definiert, wie ein Sprecher der Stadt erklärt. Beim Ranglisten-Spitzenreiter Ingolstadt müssen sich sogar nur gut vier Autos einen Elektroauto-Ladepunkt teilen.
Ausbaubedarf
nicht erkennbar
Doch Rosenheims schlechtes Abschneiden scheint auf den ersten Blick niemanden zu stören. Denn „die den Stadtwerken Rosenheim (SWRO) vorliegenden Zahlen deuten aktuell nicht auf einen Ausbaubedarf hin“, erklärt Christian Schwalm, Pressesprecher der Stadt Rosenheim. Im Durchschnitt sind die SWRO-Ladepunkte zeitlich nur zu 15 Prozent ausgelastet.
Dennoch: Es gibt auch Branchen, die alles andere als glücklich über die Ladeinfrastruktur in der Stadt sind. Das zeigen die Ergebnisse der IHK-Standortumfrage 2023. Hier erhält die Stadt in der Kategorie „Angebot öffentlicher Infrastruktur“ lediglich die Note 3,6. Aber: Auch die Bedeutung des Angebots wurde in der Umfrage erhoben. Und hieraus geht hervor, dass das Thema für die 2400 befragten Rosenheimer Betriebe aus Industrie, Einzelhandel, Großhandel, Gastgewerbe, Verkehr, Logistik und Dienstleistungen eine eher untergeordnete Rolle spielt.
„Im Regelfall wird die Wirtschaft mit eigenen Ladesäulen am Standort arbeiten, um eine unterbrechungsfreie Mobilität zu gewährleisten“, erklärt Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim. Die öffentlichen Ladebereiche seien zu wenige und oft in Benutzung. Abgesehen davon seien sie auch selten an den Standorten, an denen die Mitarbeiter, wenn sie mit Elektromobilität unterwegs sind, sie benötigen würden. Aus diesem Grund spielt das öffentliche Ladenetz für die Betriebe vor Ort eine eher untergeordnete Rolle. Laut Bensegger benötigt die Wirtschaft allerdings etwas anderes äußerst dringend: „Eine flächendeckende Ladeinfrastruktur im Bereich der Fernstraßen.“
Auch Herbert Borrmann, CSU-Fraktionsvorsitzender und Stadtrat, sieht die Probleme nicht bei der Menge an Ladesäulen. „Es hat sich inzwischen verbessert“, erklärt Borrmann, der selbst fast ausschließlich mit dem Elektroauto in Rosenheim unterwegs ist. Inzwischen gebe es in der Stadt jede Menge Ladesäulen.
Doch es fehlt etwas Spezielles: „Es gibt keine einzige Schnellladesäule in der Innenstadt“, sagt Borrmann auf OVB-Anfrage. Dabei wäre dies bei einer Tourismusstadt wie Rosenheim enorm wichtig. Nur so könnten Einzelhandelskunden, Theaterbesucher und Co. ihr Auto während ihrer Erledigungen in ein bis zwei Stunden volltanken. Gerade im Winter sei dies laut Borrmann noch wichtiger, da die Reichweite durch die Kälte deutlich sinkt. „Selbst Bad Aibling oder Prien sind da besser ausgestattet – die haben eine super Struktur. Aber hier stellen sich die Stadtwerke quer.“
Der CSU-Politiker hatte die Schnellladesäulen bereits bei den Stadtwerken eingefordert – wurde allerdings mit dem Argument des Brandschutzes abgewiesen. Hintergrund ist, dass es in der Vergangenheit bereits zu E-Auto-Bränden in Parkhäusern gekommen ist. Das Problem hierbei ist, dass die Batterie nur sehr schwer löschbar und der Zugang für die Feuerwehr im Parkhaus enorm schwer sei.
Allerdings ist der Mangel an Schnellladesäulen nicht das einzige Problem, das Borrmann sieht. Denn in Wohnquartieren fehlen grundsätzlich Ladeeinrichtungen. „Wer in einem Wohnblock lebt, hat keine Möglichkeit, sein E-Auto nahe der Wohnung zu laden.“ Hier hatte seine Fraktion bereits einen Antrag gestellt. Doch die Zuständigkeit wurde von den Stadtwerken Rosenheim an die Privatwirtschaft abgeschoben.
Standortpartner
werden benötigt
Vonseiten des Unternehmens EWE Go heißt es hierzu auf OVB-Anfrage: „Grundsätzlich sind wir immer daran interessiert, noch mehr öffentliche Schnelllademöglichkeiten bereitzustellen.“ Dafür benötigt es aber auch entsprechende Flächen und Standortpartner, die Interesse an einer Ladesäule auf ihrer Fläche haben. Derzeit betreibt EWE Go eine einzige Ladestation am Parkplatz der McDonald’s Filiale in der Klepperstraße. Diese wird einer Sprecherin zufolge sehr gut genutzt.
Auch der Ladesäulen-Betreiber EnBW wäre daran interessiert, zusätzliche Schnellladestandorte in Rosenheim zur Verfügung zu stellen, wie EnBW-Pressesprecher Heiko Willrett sagt. Bisher betreibt EnBW eine Schnellladesäule – allerdings nicht zentral in der Stadt, sondern im Renkenweg nahe des Schwaiger Kreisels. Zwei weitere Standorte hat das Unternehmen bereits im Blick. Genaueres kann Willrett allerdings noch nicht nennen, da sich die Gespräche noch in einer frühen Phase befinden. Aber auch er weiß: Schnellladesäulen werden nicht nur an Autobahnen benötigt, sondern auch in Stadtzentren. Er nennt hier dieselben Gründe wie Borrmann. Außerdem hätten die Schnellladesäulen noch einen entscheidenden Vorteil: Sie benötigen weniger Platz. „Denn ein Schnellladepunkt versorgt in etwa zehnmal so viele E-Autos wie ein Normalladepunkt mit wesentlich geringerer Leistung. Das ist insbesondere in hoch verdichteten Städten wichtig“, sagt Willrett.