Rosenheim – 599,43 Euro pro Megawattstunde. Diesen Spitzenwert erreichte der Strompreis im Sieben-Tage-Durchschnitt an der Strombörse Epex am 28. August 2022. Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt. Am 2. Januar 2024 lag der Durchschnitt bei nur 28,15 Euro. Das dürfte die Verbraucher freuen, müsste man meinen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Preise bleiben auch
im neuen Jahr hoch
„Das Preisniveau ist höher als vor dem russischen Angriffskrieg. Daran wird sich so schnell nichts ändern“, sagte Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller der Rheinischen Post. Schuld daran ist auch der Anstieg der Netzentgelte, welcher durch den Wegfall der Subventionen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds in Höhe von 5,5 Milliarden Euro entsteht. Eigentlich hätten die Gelder aus diesem Fonds die Steigerung der Netzentgelte abfedern sollen – nun allerdings landet die Last auf den oftmals bereits gebeugten Schultern der Verbraucher. Hinzu kommen der Anstieg der CO2-Steuer sowie das Auslaufen der Strompreisbremse.
Überprüfung des
Vertrags lohnt sich
In vielen Fällen lohnt es sich daher, den derzeitigen Stromvertrag noch einmal zu überprüfen. Denn war zwar die Grundversorgung in Zeiten hoher Strompreise lange eine günstige Option, so gibt es inzwischen auch wieder deutlich billigere Angebote. Besonders bei einem Wechsel können Verbraucher jetzt sparen, erklärt Gebäudeenergieberater Alexander Beer von der Verbraucherzentrale Bayern.
Kündigungsrecht
bei Preiserhöhung
„Grundsätzlich haben Sie in dem neuen Tarif eine Mindestlaufzeit. Wenn der Preis im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung innerhalb der Laufzeit erhöht werden sollte, haben Sie immer ein Sonderkündigungsrecht“, sagt Beer dem OVB. Die Zahlen aus Rosenheim zeigen, dass auch hier die Stadtwerke als Grundversorger noch deutlich teurer sind als andere Anbieter.
Bei den Stadtwerken Rosenheim (SWRO) kostet die Kilowattstunde im Grund- und Ersatzversorgungstarif seit Januar 2024 34,22 Cent. Zum Vergleich: Beim derzeit günstigsten Anbieter LichtBlick kostet die Kilowattstunde nur 28,67 Cent. Allerdings muss auch beachtet werden, dass der monatliche Grundpreis bei den Stadtwerken mit 10,97 Euro recht niedrig liegt. Beim Anbieter Lichtblick zahlt man hier 3,99 Euro mehr – pro Monat. Wichtig ist allerdings auch zu erwähnen, dass die Stadtwerke im Notfall auch Kunden anderer Versorger aufnehmen müssen, da sie in Rosenheim der Grundversorger sind.
Gerade als die Preise an den Strombörsen rasant gestiegen sind, haben besonders günstige Stromanbieter mit Problemen zu kämpfen gehabt. Das lag daran, dass diese Anbieter den Strom häufig nur kurzfristig einkaufen. So sichern sie sich zwar oftmals günstigere Preise, doch bei einem längerfristigen Preisanstieg kann dies zum Problem werden. Die Grundversorger hingegen setzen in der Regel auf eine andere Beschaffungsstrategie mit langfristigen Lieferverträgen.
Achtung: Boni gelten
nur für das erste Jahr
Auffällig ist, dass die günstigsten Anbieter besonders durch Boni im ersten Jahr bestechen, die schließlich den Preis drücken. „Bei einem Tarif mit Bonus sollte man sich darauf einstellen, nach einem Jahr erneut zu wechseln“, erklärt Beer. Das zweite Vertragsjahr sei in den Bonus-Tarifen in der Regel teurer. „Die ausgewiesene Ersparnis im ersten Jahr geht oft ausschließlich auf den Bonus zurück.“ Die Stadtwerke Rosenheim äußern sich auf Anfrage zum Preisvergleich folgendermaßen: „Die Beschaffungsstrategie der Stadtwerke Rosenheim ist langfristig und garantiert die sichere Versorgung. Die SWRO können so ihren Kunden jederzeit faire Konditionen anbieten.“ Um an ein möglichst kundenfreundliches Angebot zu gelangen, rät Beer, die Bewertungen und Erfahrungen anderer Kunden zu Rate zu ziehen, beispielsweise im Angebot von Vergleichsportalen. „Außerdem können Sie Veröffentlichungen von Urteilen und Abmahnungen der Verbraucherzentralen hinzuziehen.“ Ein weiterer wichtiger Indikator sei laut dem Energieexperten die Website des Stromanbieters: „Gewinnen Sie hier einen schlechten Eindruck, weil etwa keine klaren Produktbeschreibungen, Kontaktmöglichkeiten oder Hinweise zum Unternehmen zu finden sind, sollten Sie sich nicht auf einen Vertrag einlassen.“