Rosenheimer sorgt für Energieschub

von Redaktion

„Bundesverband Beratung neue Mobilität“ will die E-Mobilität vorantreiben

Rosenheim – Rached Kaiser hat schon vieles in seinem Leben ausprobiert. In jungen Jahren kam der gebürtige Österreicher nach Rosenheim. Nach seinem Abitur machte er eine Ausbildung als Industriekaufmann und ging 2001 für seinen beruflichen Werdegang nach Hamburg und Berlin. Vor fünf Jahren kehrte der 45-Jährige zurück nach Rosenheim, wo er vor zwei Jahren seine Firma „Flottenwende“ aufbaute.

Antworten zur
Ladeinfrastruktur

Seine Firma ist im Bereich der Elektromobilität tätig. Kaiser berät mit seinen Mitarbeitern Hausverwaltungen und Unternehmen, ob ihre Immobilie ausreichend Stromkapazitäten für eine Ladesäule hat, wie die Ladeinfrastruktur bei ihnen aufgebaut werden sollte, und er hilft ihnen im Bereich der Abrechnung. In den vergangenen Jahren habe die Elektromobilität mehr an Bedeutung dazugewonnen. Für Kaiser war klar, „das ist ein Unternehmenssegment, das Zukunft hat“.

Komplexes Gebiet
einfach erklärt

Eigentümer von Immobilien seien verpflichtet, ihren Vermietern eine Ladeinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Bei Neubauten und Sanierungen sei dies mittlerweile sogar vorgeschrieben. Denn Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben haben eine große Bedeutung für klimafreundliche Mobilität. Kaiser weiß, dass dieses Gebiet sehr komplex ist. Daher ist ihm die bestmögliche Beratung seiner Kunden wichtig. Also absolvierten er und seine Mitarbeiter die Dekra-Zertifizierung, die ein besseres Wissen rund um Elektrofahrzeuge und Ladestruktur verspricht. Und mit dieser Zertifizierung begann ein neuer Abschnitt seiner Karriere.

Kaiser nahm wie weitere zertifizierte Berater aus ganz Deutschland an den jährlichen Beratertreffen für Elektromobilität teil. Bei der letzten Versammlung im Oktober 2022 kam die Idee auf, einen Verband zu gründen, um gemeinsam mehr bewegen zu können. Dieses Jahr am 30. September konnte die Idee dann verwirklicht werden. „Der Bundesverband Beratung neue Mobilität ist ein Zusammenschluss von Beratern, die Fördermitgliedern und Unternehmen einige Vorteile bringen“, sagt Kaiser.

„Wir sehen uns als zentrale Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“, sagt Lisa Bohm, die gemeinsam mit Andreas Varesi zum Geschäftsführenden Vorstand gewählt wurde. So sollen politische und wirtschaftliche Interessen von Unternehmen besser unterstützt und verwirklicht werden. Außerdem können „zukunftsorientierte und umweltfreundliche Lösungen erfolgreich umgesetzt werden.“ Mit dem Verband sollen einheitliche Standards in der Beratung entstehen, um Unternehmen über den nachhaltigen Verkehr besser informieren zu können.

Mehr als 100 Mitglieder hat der Verband bereits. Kaiser ist mit seiner Firma eines davon. Doch der Rosenheimer mischt auch im Vorstand mit. Als Relationship Manager ist er für die Vernetzung und das Zusammenwirken von Unternehmen, die im Bereich Elektromobilität tätig sind, verantwortlich. „Darunter zählt auch, das Verbandsnetzwerk auszubauen und mehr Fördermitglieder zu gewinnen“, sagt der 45-Jährige.

Der BBNM möchte aktiv den Übergang zur neuen und nachhaltigen Mobilität in Deutschland schaffen. Kaiser ist zuversichtlich, dass mithilfe der Einbindung von erneuerbaren Energien und der zertifizierten Berater das gelingen kann. „Ich bin sehr froh, dass wir diesen Verband gründen konnten“, sagt er. Denn auch in Rosenheim gebe es noch viel zu tun. „Die Stadt ist noch weit davon entfernt, eine effiziente und nutzerfreundliche Abdeckung zu gewährleisten“, sagt Kaiser.

In der Innenstadt gebe es nur zehn öffentlich zugängliche Ladeorte mit mindestens zwei Ladepunkten. Das sei deutlich zu wenig. Öffentliche Parkplätze, Einkaufszentren, Hotels und Mitarbeiterparkplätze seien nur einige Beispiele, wo es an Lademöglichkeiten fehle. Das Gleiche gelte auch für Stellplatzinhaber. In Bestandsimmobilien von Wohneigentümergemeinschaften gebe es bislang die wenigsten Parkplätze für Elektromobilität.

Nachholbedarf
in der Innenstadt

Für Kaiser ein großes Problem: „Je nach eigenem Aufenthaltsort stehen die Ladestationen einige hundert Meter von einem entfernt. Auch kann es vorkommen, dass die nächstgelegene Ladestation bereits belegt ist.“ Um die Elektromobilität attraktiver für die Rosenheimer zu machen, müssten mehr Standorte „elektrifiziert werden“. Das könne auch ein ausschlaggebender Punkt für Mieter oder Wohnungseigentümer sein, die überlegen, auf Elektroautos umzusteigen.

Drei Prozent
Elektroanteil

In Deutschland seien aktuell 1,4 Millionen rein elektrische Fahrzeuge unterwegs. „In Rosenheim beträgt der Marktanteil von Elektrofahrzeugen circa drei Prozent“, sagt Kaiser. Mit dem EU-weiten Verbrenner-Verbot ab 2035 sei die Elektromobilität die effektivste und kostengünstigste Lösung. Mehr Lademöglichkeiten seien daher unumgänglich. Kaisers Fazit: „Für die nächsten Jahre steht somit noch einiges an Arbeit an, auch in Rosenheim.“

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