Verwirrung um Sternchen und Striche

von Redaktion

Nicht nur die Rosenheimer Schulen wünschen sich eine einheitliche Linie

Rosenheim – Wie würde ein Gender-Verbot in Bayern aussehen? Im Dezember sprach Söder in einer Regierungserklärung davon, ein Gender-Verbot in Bayern durchzusetzen. Ob das so funktionieren soll wie in Sachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt, wo Großbuchstaben im Wort – sogenannte Binnen-Is – und Gendersternchen in Aufsätzen als falsch markiert werden, ist noch offen.

Stadt will Neutralität
oder den Schrägstrich

Aktuell gibt es eine einheitliche Regelung dafür, wie die Schulen und Behörden der Stadt Rosenheim mit der Gendersprache umgehen sollen. Laut dem stellvertretenden Pressesprecher der Stadt Rosenheim, Christian Baab, sollen in allen Anträgen, Vorlagen, Beschlüssen und Veröffentlichungen das männliche und weibliche Geschlecht in der Anrede verwendet werden.

Allerdings kommen in den Texten weder das Binnen-I vor noch der Genderstern. Stattdessen soll geschlechtsneutral formuliert werden, etwa „Studierende“ und „Personal“. Wo das nicht geht, soll ein Schrägstrich verwendet werden, wie in „Schüler/-innen“.

Polizisten haben
andere Vorgaben

Robert Maurer von der Polizei Rosenheim verweist auf einen Leitfaden für „Bürgernahe Sprache in der Verwaltung“, welcher vom Innenministerium herausgegeben wurde. „Verwenden Sie bitte keine Schrägstriche, Klammern, großes ,Binnen-I‘ oder Sternchen“, heißt es dort auf Seite 45. Besser sei die weibliche und männliche Formulierung in einem Satz, etwa „Schüler und Schülerinnen“.

Diese Form des geschlechtergerechten Schreibens benutzt der stellvertretende Leiter des Finsterwalder Gymnasiums, Georg Suttner, am liebsten. Sollte jemand im Aufsatz das Gendersternchen oder Binnen-I verwenden, werde das aber nicht zwingend als Fehler gewertet.

Lehrende ohne klare
Regelung unterwegs

„Bei uns gibt es keine einheitliche Regelung wegen der Aufsätze, aber es fällt keiner durch, weil gegendert wurde“, sagt Suttner. Wichtiger als die Sprache sei es ihm, im täglichen Verhalten alle Menschen gleichberechtigt zu behandeln.

Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen schreibt Anton Maier, Pressesprecher der Technischen Hochschule Rosenheim, dass es in den wissenschaftlichen Arbeiten und Prüfungen der Studierenden keine Gender-Pflicht gibt. In Texten, die von der Hochschule selbst verfasst werden, werde die geschlechtsneutrale Form bevorzugt. Zu Söders Gender-Verbots-Plänen könne man sich nicht äußern, da nicht bekannt ist, wie das konkret umgesetzt werden soll.

Was meint Söder mit
„Gender-Verbot“?

Das Karolinen-Gymnasium und das Ignaz-Günther- Gymnasium (IGG) möchten aus diesem Grund ebenfalls keine Stellung beziehen. Udo Segerer, stellvertretender Schulleiter des IGG, sagte, er wolle erst auf offizielle Aussagen der Regierung warten.

„Es ist ein schwieriges Thema, und vieles ist in der Schwebe“, sagt Suttner vom Finsterwalder-Gymnasium. Er wünsche sich eine einheitliche Linie in der Gesellschaft zu dem Thema. Sollte eine amtliche Regelung kommen, würde er sich gerne daran halten. „Die Frage ist nur, was genau kommt“, sagt er.

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