Leserforum

Erinnerungskultur ist wichtig – Erhebung einzelner Gruppen jedoch ein Fehler

von Redaktion

Zum Leserbrief „Erinnerungskultur im Salingarten“ (Lokalseiten):

Der Vorschlag von Andreas Salomon, den im Frühjahr 1933 von den Nationalsozialisten verhafteten Kommunisten ein Denkmal mit Namen und Schicksal zu errichten, würde erinnerungspolitisch in eine Klassengesellschaft führen. Andere gleichfalls politisch Verfolgte würden dadurch ausgegrenzt, und der „Rosenheimer Weg“ somit eben nicht sinnvoll ergänzt.

Die gewaltsame Durchsetzung des nationalsozialistischen Unrechtssystems auch in Rosenheim im Frühjahr 1933 ist schon vor über dreißig Jahren erforscht und dokumentiert worden. Seither ist bekannt, dass zu den politisch verfolgten Gegnern der neuen Gewalthaber neben den Kommunisten auch Sozialdemokraten, Mitglieder der Bayerischen Volkspartei sowie Gewerkschafter gehörten. Auch diese Männer – und eine Frau – hatten Namen, Gesichter und Schicksale.

Eine bestimmte Gruppe genauer zu untersuchen ist verdienstvoll. Diese dann aber über andere, die das gleiche Schicksal teilten, zu erheben, ist nicht geeignet, einer angemessenen Erinnerungskultur zu dienen. Ein offizielles, öffentliches Gedenken, an welchem Ort auch immer, muss umfassender angelegt sein. Wenn man nun dem Gedanken näher treten wollte, der politisch Verfolgten als einer von vielen Opfergruppen im NS-Staat zu gedenken, so müsste ein solches Erinnerungs- und Mahnmal allen Betroffenen gewidmet sein, nicht nur den Kommunisten.

Walter Leicht

Rosenheim

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