Nicht immer wahr, aber wahrhaftig

von Redaktion

Portrait Das Rosenheimer Autorenpaar Lehmann über seine Bücher und das Schreiben

Rosenheim – Geschichten, die nicht immer wahr, aber immer wahrhaftig sind. Dafür sind die Rosenheimer Autoren Sonja und Rüdiger Lehmann bekannt. Nach ihrem 2021 erschienenen ersten Buch „Das Hochzeitszimmer“ ist „Die Aisbergh-Akte“ bereits ihr zweiter gemeinsamer Roman als Autorenpaar. Im April erschien „Der Trommelwächter“ – der letzte Teil der Trilogie.

Feste Schreibzeiten
im Kinderzimmer

Während viele Menschen erst in den vergangenen drei Jahren erfuhren, was die Arbeit im Homeoffice bedeutet, haben Sonja und Rüdiger Lehmann ihren Berufsalltag als Schriftsteller schon seit über zehn Jahren bestens strukturiert und organisiert. Zu festen Zeiten gehen sie in ihr Büro – das ehemalige Kinderzimmer in ihrem Haus in Rosenheim – und haben auch beim Schreiben selbst Struktur und eine professionelle Arbeitsweise.

Bereits am Anfang eines Buchprojektes steht ein roter Faden der Geschichte. Jeder der beiden kann so immer seine „eigene“ Recherchearbeit absolvieren und die eigene Kreativität fließen lassen. Immer wieder werden Abschnitte zusammengefügt oder auch Figuren überarbeitet. So entsteht ein Gesamtwerk, bei dem auch der Leser nicht mehr zwei verschiedene Schreibstile findet, sondern eine harmonische, leicht zu lesende Geschichte genießen kann.

Schreibblockaden kennen beide nicht. Vielleicht rührt das aber auch daher, dass sowohl Sonja als auch Rüdiger Lehmann sich Pausen gönnen. Pausen im Alltag, Zeit, durchzuatmen. „Es gibt durchaus auch Tage, da schreibt es sich schwerer, und andere Tage, da bin ich im Flow, schreibe und schreibe und beim Durchlesen am Ende bin ich fast selbst ganz verblüfft, dass das wirklich alles aus meiner Feder kommt“, sagt Sonja Lehmann.

Und Rüdiger Lehmann ergänzt: „Es gibt auch Tage, zum Beispiel Sonntagmorgen, da wollten wir eigentlich gemütlich frühstücken, sitzen aber doch dann am PC und schreiben, weil wir einfach gerade mitten in der Story sind. Also so ganz strikt an Zeiten halten wir uns dann doch nicht immer.“

Sonja Lehmann ist die Frau, die Geschichten schreibt und spürbar macht. Sie ist gebürtige Rosenheimerin und Tochter eines Schriftenmalers, heute sagt man dazu Werbetechniker. Ihre Liebe zum Schreiben hat sie erst spät entdeckt. „Ändern sich die Umstände und Abläufe im Leben, muss manchmal auch die Richtung darin variiert oder angepasst werden“, sagt sie und fügt hinzu: „Da Emotionen dem Verstand stets einen Schritt vorauseilen, sind es die individuellen persönlichen Geschichten der Menschen, deren Botschaften mich am nachhaltigsten faszinieren.“ Es ist eine ihrer Leidenschaften als Autorin, diese Geschichten aufzuschreiben und damit zum Leben zu erwecken.

Rüdiger Lehmann stammt ursprünglich aus Mainz, hat 30 Jahre lang als Journalist gearbeitet, war Inhaber einer großen Werbeagentur und schrieb Promi-Biografien als Ghostwriter. Vor der Entführung der Leser in die faszinierenden Welten seiner Romane steht deren exakte dramaturgische Entwicklungsplanung. Mit Bedacht gewählte Schauplätze, Figuren und Handlungen sowie aktuelle und genau recherchierte geschichtliche Hintergründe sorgen in spannungsgeladenen Abläufen für tiefe emotionale Verbindungen zur Leserschaft. Das kreative Schreiben ist für Rüdiger Lehmann nicht nur eine nüchterne Kunstform, sondern die Möglichkeit, Gedanken, Visionen und Fantasien so auszudrücken, dass Traum und Realität eins werden.

Und so scheint es nachvollziehbar, dass Romane, wie „Das Hochzeitszimmer“ nur entstehen können, wenn die Autoren immer und zu jeder Zeit ihren Content-Container, wie sie es nennen, den Schwamm zum Aufsaugen, dabei haben. Denn die Idee für ihren ersten Roman hatten die beiden während der Leipziger Buchmesse. Sie bekamen weit draußen auf dem Dorf in einem Hotel nur noch das Hochzeitszimmer und fragten sich selbst, was wohl alles an Gutem und Bösem in diesem Zimmer vorgefallen sein könnte. Von dem, woran man zuerst denkt, über mögliche Tragödien oder Trennungen. Und so entstand für die beiden die Kernidee zu ihrem ersten gemeinsamen Roman. 2023 bereits veröffentlichten Sonja und Rüdiger Lehmann dann Teil zwei mit „Die Aisbergh-Akte“.

Erzählung über
Gewalt und Hoffnung

Und nun, im April, vervollständigt das Autorenpaar ihre Trilogie mit dem „Trommelwächter“. Die nun dreiteilige Geschichte um die Londoner Journalistin Sally Wheeler ist eine Erzählung über Gewalt, Liebe und Hoffnung. In einem Jahrhundert brutaler Ausbeutung, versteckt hinter glitzernden Scheinwelten. Präzise recherchiert und mitreißend erzählt. Nicht immer wahr, aber stets wahrhaftig.

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