Klassenstreichung schlägt hohe Wellen

von Redaktion

Elternbeirat der Grundschule Fürstätt wendet sich erneut an das Kultusministerium

Rosenheim – Eigentlich beschäftigt sich Benedikt Jancso in seinem Ehrenamt überwiegend mit schönen Dingen. Er organisiert Veranstaltungen, plant Sommerfeste oder ein einwöchiges Zirkusprojekt. Doch seit Anfang des Schuljahres gibt es ein weiteres Thema, das den Vorsitzenden des Elternbeirats an der Grundschule Fürstätt umtreibt: die Streichung einer kompletten ersten Klasse.

Etwa Klassenstärke von 23,2 Schülern

Noch gut erinnert sich Jancso an den ersten Schultag. Am 12. September wurden die Kinder in vier Klassen eingeschult. Keine Klasse hatte mehr als 20 Kinder, Eltern und Lehrer waren zufrieden. Doch einen Tag später wurden die Eltern darüber informiert, dass eine komplette Klasse gestrichen werden soll. Statt je 20 werden jetzt je 26 Kinder gemeinsam unterrichtet. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Stärke der ersten Klassen in der Stadt Rosenheim liegt in diesem Schuljahr bei 23,2 Schülern.

„Zum Ende des vergangenen Schuljahres standen wir in Fürstätt bei 86 Anmeldungen für die ersten Klassen. Dies lag knapp über der Teilungsgrenze von 85 Schülern für vier Klassen“, erklärte Schulleiter Kai Hunklinger bereits Anfang des Schuljahrs. Während der Ferien seien jedoch einige Schüler umgezogen, dadurch lag die Zahl der Schüler am ersten Schultag bei 78. Die Bildung einer vierten Klasse ist jedoch erst ab 85 Schülern möglich. Statt der geplanten vier ersten Klassen gibt es jetzt also nur drei. Für die Eltern ein Unding – auch mit Blick auf den hohen Migrationsanteil an der Schule. „Wir als Elternbeirat sind damals davon ausgegangen, dass bei einem Migrationsanteil von über 50 Prozent eine dauerhafte Teilung bei mehr als 25 Kindern, insbesondere in der so wichtigen ersten Jahrgangsstufe, weiterhin möglich ist. So stand das damals auch auf der Homepage der Kultusministerkonferenz“, sagt Benedikt Jancso.

Weil das aber eben nicht der Fall zu sein schien, wandte er sich gemeinsam mit der Elternbeiratsvorsitzenden Ricarda Näther in einem Schreiben an das Kultusministerium, Schulamtsdirektor Markus Kinzelmann sowie Oberbürgermeister Andreas März. Ihr Hauptanliegen: die Beibehaltung der Klassenaufteilung.

Statt der Beibehaltung sicherte das Kultusministerium der Schule stattdessen zwölf zusätzliche Lehrerstunden zu – sechs Lehrerstunden für zeitweise Teilungen, sechs weitere zur Einrichtung von Sprachförderangeboten. Soweit jedenfalls die Theorie. In der Praxis fehlte von den Versprechen jedoch lange Zeit jede Spur.

„Bis Januar standen nach unserem Informationsstand tatsächlich weitgehend nur circa vier von den zwölf Lehrerstunden pro Woche für die Teilung in den ersten Klassen zur Verfügung“, sagt Jancso. Er ist enttäuscht über die Rahmenbedingungen, die der Schule zur Verfügung gestellt werden.

Dass die vorgesehene Planung aufgrund von Personalausfällen nicht wie geplant umgesetzt werden konnte, bedauert auch Schulamtsdirektorin Angelika Elsner. Die ursprünglich für die Zusatzstunden vorgesehene Lehrkraft musste ihr zufolge Ende Oktober wegen des längeren Ausfalls einer Kollegin weitgehend für die Unterrichtsversorgung einer Klasse herangezogen werden, was höchste Priorität hat. Momentan sei sie noch mit vier Stunden in den drei ersten Klassen der ersten Jahrgangsstufe eingesetzt.

„Zur Unterstützung der ersten Klassen wurde daher ein Gesamtpaket an Unterstützungsmaßnahmen geplant, das neben Stunden zur Differenzierung unter anderem auch fünf zusätzliche Deutschförderstunden sowie drei Stunden, die durch eine Förderlehrkraft erteilt werden, vorsieht“, erklärt sie.

Des Weiteren wurde an der Schule eine Deutschklasse eingerichtet, in der die Erstklässler mit dem höchsten Sprachförderbedarf separat beschult werden. Durch eine externe Zusatzkraft können seit Februar zudem fünf weitere Stunden zur individuellen Förderung angeboten werden.

„Trotz aller Zusatzstunden geht nichts über kleine Klassen, besonders, wenn man den steigenden Anspruch an die Lehrkräfte hinsichtlich des Erziehungsauftrages bedenkt“, sagt Schulleiter Kai Hunklinger auf OVB-Anfrage. Dass kleine Klassen auch den besonderen Herausforderungen der Sprachförderung bei einem hohen Migrationsanteil entgegenkommen, sei laut ihm klar.

Aus diesem Grund fordert der Elternbeirat erneut eine Rückkehr zur vollständigen und dauerhaften Klassenteilung bei einer Schülerzahl von mehr als 25 und einem Migrationsanteil von mehr als 50 Prozent ab dem kommenden Schuljahr. „Das ist für uns ein Mindestmaß, um Bildung und Integration zu ermöglichen, das nicht unterschritten werden sollte“, sagt Benedikt Jancso.

Für ähnliche Bedingungen

Wie wahrscheinlich eine Umsetzung dieser Forderung für das kommende Schuljahr ist, ist im Moment noch offen. „Diese sogenannten Migrationsteilungen bedeuten nicht zwangsläufig, dass hier Klassenteilungen vorgenommen werden“, erklärt Schulamtsdirektorin Angelika Elsner.

So könnten bei einer geringen Überschreitung beispielsweise zusätzliche Teilungen in einzelnen Fächern eingerichtet werden. „Ziel dieser Festlegungen ist es, alle Schulen in der Stadt und dem Landkreis Rosenheim vergleichbar zu versorgen“, sagt sie. Eine Bevorzugung von Standorten würde zulasten anderer Schulen gehen.

Diese Aussage unterstreicht auch eine Sprecherin des Kultusministeriums. So könne man durchaus nachvollziehen, dass sich die Eltern möglichst kleine Klassen wünschen, gleichzeitig sei es die zentrale Aufgabe der Schulverwaltung, „vergleichbare Rahmenbedingungen für einen geregelten Unterrichtsbetrieb im ganzen Freistaat sicherzustellen.“

Aus diesem Grund würden jährlich Richtlinien zur Klassenbildung vom Staatsministerium festgelegt werden. Demnach liegt die Schülerzahl – wie bereits in den Vorjahren – bei 28. Damit zufriedengeben wollen sich Benedikt Jancso und Ricarda Näther nicht. Sie kämpfen weiter.

Das sagt der Schulleiter

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