Rosenheim – Krista Marché hat vor Aufregung rote Wangen, als sie von der Preisverleihung erzählt. „Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass ich gewinnen werde“, sagt sie. Die Neuntklässlerin besucht das Karolinen-Gymnasium und hat im Internet von dem Ingenieurwettbewerb für Schüler erfahren. Sie sei sofort interessiert gewesen. „Mein Vater ist Ingenieur, also sind meine Schwester und ich mit dem Beruf aufgewachsen“, sagt Marché. Ihre Schwester Linda (21) studiert bereits Ingenieurwesen.
Krista beschäftigt sich in ihrer Freizeit gern damit, wie Häuser gebaut werden. Sie zeichnet Querschnitte von Hütten, Villen und Wohnungen, bastelt diese aus Papier nach. „Neben dem Zeichnen liebe ich auch alles Naturwissenschaftliche, vor allem Mathe“, sagt sie. Dort könne sie am meisten experimentieren, anstatt nur auswendig zu lernen.
Schüler sollen Ingenieurberuf kennenlernen
Experimentieren konnte sie auch bei dem Wettbewerb Junior.ING der Bayerischen Ingenieurekammer. Das Thema in diesem Jahr lautete „Achterbahnen“. Bereits während der Planung hatte Marché eine konkrete Idee für ihr Werk. „Normalerweise baut man eine Achterbahn auf Stäben auf“, sagt sie. Doch sie habe herausfinden wollen, ob es auch anders geht.
So entschied sie sich, ihr Achterbahnmodell „Terra Twist“ auf zwei Drahtkugeln aufzubauen. „Ich habe die Achterbahn mit Blättern und Steinen verziert, weil das zum Namen ‚Terra‘ also Erde passt“, sagt Marché. Die Blätter bestehen laut ihr aus Kunststoff, die Steine habe sie bereits als Dekoration zu Hause gehabt.
Die größte Herausforderung war laut Marché, dass sie große Teile des Modells nicht einfach zusammenkleben konnte. Der Heißkleber habe bei dem Metalldraht nicht funktioniert. Deshalb verwendete sie für manche Teile der Achterbahn einen in Kunststoff umhüllten Draht. Sobald die Schule zu Ende war, bastelte Marché an ihrem Projekt. Auch am Wochenende widmete sie ihre Zeit der Achterbahn. „Das Schönste war, zu sehen, wie mein Plan von der Achterbahn langsam Realität wurde“, sagt sie. Insgesamt habe sie 100 Stunden lang an dem Modell gebastelt. Ihre Schwester Linda hat sie dabei beobachtet. „Sie hat unfassbar viel Motivation und Feinarbeit hineingesteckt“, sagt sie. Krista Marché habe manche Arbeiten, wie etwa das Biegen von 60 Drahtschlaufen im Wohnzimmer erledigt, während nebenbei der Fernseher lief. Die Drahtschlaufen wurden dazu benutzt, um die Schienen der Achterbahn zu befestigen. Dass sie in ihrer Freizeit mit dem Modell beschäftigt war, anstatt sich mit Freunden zu treffen, sei für sie kein Problem gewesen. „Ich bin eher introvertiert und meine Freunde auch“, sagt sie. Die Achterbahn sei in der Zeit zu ihrem liebsten Hobby geworden. Ob sie ihre Leidenschaft ebenfalls zum Beruf machen will, wie ihr Vater und ihre Schwester, weiß sie aber noch nicht.
Die Begeisterung dafür hat sie jedenfalls. Und genau darum geht es laut Werner Weigl, Zweiter Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer: Der Wettbewerb soll Schüler aller Schulformen für den Ingenieurberuf begeistern. „Die Schüler kennen den Architektenberuf eher als den des Ingenieurs“, sagt Weigl. Um das zu ändern, haben sich laut Weigl 15 Ingenieurekammern in ganz Deutschland zusammengeschlossen, um Nachwuchsingenieure zu fördern.
Mit der Auszeichnung im Gepäck geht es nun nach Berlin
Dabei werden Preise für Schüler bis zur achten Klasse sowie der neunten bis zwölften Klasse vergeben. Die Schüler hatten ein halbes Jahr Zeit, um ihre Achterbahnen zu bauen. Dann wurden die eingereichten Modelle im Rahmen einer Veranstaltung aufgestellt und mit einer Murmel auf „Fahrtauglichkeit“ getestet. „Uns hat besonders gefallen, dass Krista nicht viel Material gebraucht hat. Das ganze Bauwerk besteht nur aus Draht“, sagt Ulrich Scholz, Vorsitzender der Wettbewerbsjury. Dadurch, dass Marché kaum Klebstoff verwendet hat, sei die Achterbahn viel flexibler, was die Fahrt der Murmel geschmeidiger mache. Auch die Dekoration, die aus wenigen Blättern besteht, habe Anklang in der Jury gefunden.
Damit gewinnt Marché 250 Euro Preisgeld und eine Fahrt nach Berlin, wo sie Mitte Juni gegen die Gewinner der anderen Bundesländer antreten wird. „Ich bin schon extrem aufgeregt“, sagt Marché. Was sie mit dem Preisgeld macht, wisse sie noch nicht. „Ich konzentriere mich erst mal auf den Wettbewerb in Berlin und spare mein Geld“, sagt sie.