Kleinen Patienten eine Freude machen

von Redaktion

35 000 Kuscheltiere für Kinder von Altötting an Krankenhäuser aus ganz Bayern

Rosenheim/Altötting – „Es hat sich den Arm gebrochen“, sagt ein sechsjähriger Bub zu seinem Krankenpfleger. Der Kleine zeigt auf sein Kuscheltier. „Kannst du es bitte versorgen?“

Es war während der Weihnachtszeit im Jahr 2019, als Kevin Hartung eine Ausbildung im Klinikum Altötting gemacht hat. Mittlerweile ist er nicht nur gelernter Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger und Rettungssanitäter, sondern auch Gründer und erster Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „PädCare“, der sich bayernweit für eine kinderfreundliche medizinische Versorgung einsetzt.

Mutmacher bei Klinikaufenthalten

Der kleine Bub war einer seiner ersten Patienten auf der Kinderstation. Wegen eines Zeckenbisses hatte das ängstliche und zurückhaltende Kind einen längeren Aufenthalt in der Klinik vor sich. „Er hat sich immer nur an seine Mama gehalten – und an seine Kuscheltiere“, erinnert sich Hartung.

Ohne zu zögern habe er dem Kleinen seinen Wunsch erfüllt. Mit Verband und Pflastern „verpflegten“ die beiden das Plüschtier. „Danach war ich sein ‚Best Buddy‘ (sein bester Freund, Anmerkung der Redaktion)“, sagt er mit einem Lachen. „Er war einfach wie ausgewechselt.“ Durch diese kleine Geste habe der kleine Patient ein tiefes Vertrauen zu Hartung entwickelt.

Ebenso wie dem kleinen Bub wollte Kevin Hartung auch allen anderen Kindern auf der Station eine Freude bereiten. Denn viele von ihnen mussten auch Heiligabend in der Klinik verbringen. „Ich wollte jedem Kind gerne ein Kuscheltier zu Weihnachten schenken, um ihnen den Klinikaufenthalt hoffentlich etwas zu verschönern“, sagt Hartung. Also startete er einen Spendenaufruf in den sozialen Medien. Dort stieß seine Aktion sofort auf breite Unterstützung, sodass er pünktlich zum 24. Dezember insgesamt 40 Kuscheltiere an die kleinen Patienten verteilen konnte.

Die Begeisterung der Kinder sei enorm gewesen. Schnell sei ihm bewusst geworden: Das darf keine einmalige Aktion bleiben. Der Beschluss, einen Verein zu gründen, um dieses und weitere Projekte auch in Zukunft durchführen zu können, war gefasst.

Einzigartiger persönlicher Bezug

Seit dem Jahr 2020 betreibt Kevin Hartung nun den gemeinnützigen Verein PädCare – gemeinsam mit seiner Familie, seinen Freunden sowie Arbeitskollegen aus dem Rettungsdienst und aus der Klinik. Der Großteil der Mitglieder sei daher selber tagtäglich mit den teils herausfordernden Situationen in der Kinderpflege konfrontiert, bei denen sie im Rahmen der Vereinsarbeit konkrete Hilfe bieten wollen. Dieser persönliche Bezug macht PädCare in Hartungs Augen einzigartig. „Wir wollen Kindern in ihrer Zeit der Krankheit Mut machen, Trost spenden und Freude schenken. Das ist unser Leitsatz“, erklärt er.

Zu diesem Zweck spendete der Verein bereits mehr als 35 000 kuschelige Begleiter an Kinder aus ganz Bayern, die auf ärztliche Behandlung angewiesen sind. Finanziert wurde die bayernweite Kuscheltieraktion zunächst durch Unterstützung der Flüchtlingshilfe Erding, heute größtenteils durch Spenden aus der Bevölkerung.

Auch das Romed-Klinikum in Rosenheim wird seit der Gründung des Vereins regelmäßig von PädCare beliefert. Dort durften sich die kleinen Patienten Anfang März über rund 300 neue Kuscheltiere freuen. „Mittlerweile meldet sich das Personal aus Rosenheim einfach von alleine, wenn die Bestände zur Neige gehen. Da muss ich nicht einmal mehr nachfragen“, sagt Hartung und lacht. Vor drei Jahren entwarf PädCare sogar einen eigenen Teddybären: Zahlreiche Exemplare des „Teddy Paddys“ stelle der Verein sowohl Kinderkliniken als auch Rettungsdiensten zur Verfügung. Seit Kurzem stattet PädCare auch Intensivstationen mit sogenannten Tonieboxen aus. Dabei handelt es sich um bunte Würfel, über die verschiedene Hörbücher und Kindergeschichten abgespielt werden können. Das soll die Kinder ein wenig von den Monitorgeräuschen und ihren Schmerzen ablenken. „So können sie in die Welt der Märchen eintauchen und trotz stationärem Aufenthalt einfach mal ein Kind sein“, sagt Hartung.

Neben diesen Spendenaktionen organisiert PädCare zudem kindgerechte Erste-Hilfe-Kurse an öffentlichen Bildungseinrichtungen, zum Beispiel an Kindergärten. Ziel sei es, Kindern die – oftmals als beängstigend wahrgenommene – medizinische Versorgung auf spielerische Weise näherzubringen.

Die Präventionsarbeit läge Hartung und den anderen Vereinsmitgliedern nämlich sehr am Herzen. „Die Kleinen haben dabei die Möglichkeit, medizinische Gerätschaften an sich gegenseitig oder an ihrem Kuscheltier auszuprobieren und gemeinsam zu üben“, erklärt Hartung.

„Das nimmt ihnen vielleicht die Angst beim nächsten Arztbesuch oder Klinikaufenthalt – und davor, irgendwann selbst Hilfe zu leisten.“

Noch individueller auf Patienten eingehen

Für die Zukunft von PädCare wünscht sich Kevin Hartung, die bestehenden Projekte – vor allem die Kuscheltieraktion und die Präventionsarbeit – noch weiter ausbauen zu können. Auch für eine gemütlichere Einrichtung der Patientenzimmer möchte sich der Verein einsetzen.

„Die Wünsche oder Anregungen der Patienten und Kliniken sind natürlich ganz unterschiedlich. Deswegen wollen wir noch individueller auf sie eingehen“, sagt er. Zwar stellen der mangelnde Lagerplatz und die Abhängigkeit von Spenden das Team von PädCare nicht selten vor Herausforderungen.

„Aber zu sehen, wie viel Spaß und Freude die Kinder an unseren Aktionen haben, und die ständige Unterstützung aus der Bevölkerung ist unglaublich aufbauend“, sagt Hartung.

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