Rosenheim – Dieter Friedel, der Schulleiter des Ignaz-Günther-Gymnasiums (IGG), sprach in seiner Begrüßung davon, dass das alljährliche Abiturkonzert der Beginn des Abschieds der Abiturienten von der Schule sei. Eine Woche vor den praktischen Musikprüfungen spielen die Abiturienten, die Musik als Abitur-Prüfungsfach gewählt haben, ihre Stücke vor Publikum, um noch mehr Sicherheit zu gewinnen.
Ein Mini-Orchester,
viele Instrumente
Dass nicht alle Einser-Schüler sind, ist klar, so waren die präsentierten Musikstücke unterschiedlich in der Ausführung. Aber für die Zuhörer war nicht nur die Zahl der Musiker und Musikerinnen eindrucksvoll, sondern auch die Abfolge der Instrumente und der ausgewählten Stücke und damit auch der Musik-Stile.
Die Begleitung lag meist in den Händen der Musiklehrer. Ein ganzes Mini-Orchester aus Geigen (Elisabeth und Bernadette Pihusch), Viola (Mayumi Hanusch) und Cello (Rafael Hanusch) hatte sich Julia Schachinger für ihr trillerreiches Rondo aus Mozarts Klavierkonzert KV 414 engagiert und duettierte sich dabei schön mit der ersten Geige. Ganz alleine und manierlich spielte Carla Schmidhuber die Nr. 1 aus „Lyrica Nova“ des ukrainisch-österreichischen Komponisten Sergej Bortkiewicz. Ebenfalls ganz alleine und auch auswendig spielte Lasse Lund das Prélude op. 32/10 von Sergej Rachmaninoff, fein abgestuft im Anschlag und sich tief in die Melancholie versenkend. Heidi Zintl hatte als Instrument die Gitarre und dafür das griffschwierige Prélude Nr. 1 von Heitor Villa-Lobos gewählt, in dem die Melodie vom Bass in den Diskant und wieder zurück wandert, begleitet von kompliziert zerlegten Akkorden.
Heiter-frohsinnig war das Spiel von Johanna Brandl im Finale des Es-Dur-Klarinettenkonzertes von Antonio Rosetti und strahlend-locker und sehr agil war das Spiel der Trompete von Ludwig Müller im Konzert des armenischen Komponisten Alexander Arutjunjan. Die Flöte blies quirlig Alina Bourges in „Nigthtclub 1960“ von Astor Piazolla.
Sehr ausdrucksstark, variabel im Ansatz und auftrumpfend im Finale blies Adrian Spaeth die Posaune im Finale des Konzerts des dänischen Komponisten Launy Gröndahl. Der Kontrabass war das Instrument von Serafina Thalhauser, die es souverän schaffte, dieses große Streichinstrument zum sonoren Singen zu bringen in einem Konzert-Satz von Giovanni Bottesini.
Harfe und auch
Violine sehr beliebt
Zweimal war die Harfe dran: Zart und rauschend und mit viel Pedalarbeit spielte Johanna Sedlmeier zwei Préludes von Marcel Tournier, mit leicht exotisch angehauchten Klängen; mit Gespür für dynamische Entwicklungen zeigte Elisabeth Sinhart, wie eine Pistazie klingt in „Pistache“ von Bernard Andrès.
Viktoria Reichert hatte als Instrument ihre eigene sehr helle Stimme gewählt in zwei stimmungsmäßig gegensätzlichen Liedern: „Fremd bin ich eingezogen“ aus Schuberts „Winterreise“ und „Wouldn’t it be loverly“ aus dem Musical „My Fair Lady“. Mit sorgfältig dosiertem Vibrato und klangvollen Kantilenen besang Rafael Hanusch auf seinem Cello „Le Larmes (also die Tränen) de Jacqueline“ von Jacques Offenbach, der ja eigentlich als Cellist angefangen hatte, bevor er Operetten komponierte. Am häufigsten war die Violine gewählt – und es waren mit die reifsten Darbietungen. In schön aufrechter Haltung spielte Magdalena Trifellner seelen- und machtvoll den 1. Satz aus dem Violinkonzert von Max Bruch. Feurig und zugleich mit feinem Schmelz spielte Isa Mithani die technisch sehr anspruchsvollen „Zigeunerweisen“ von Pablo de Sarasate.
Alles überstrahlte Elisabeth Pihusch mit dem Rondeau aus Mozarts A-Dur-Violinkonzert KV 219: Technisch völlig mühelos kostete sie mit immer leuchtendem Ton alle kompositorischen Feinheiten aus bis hin zu dem energisch ausgespielten „alla-turca“-Teil. Am Ende versammelten sich fast alle für den verdienten Applaus auf der Bühne.