Rosenheim – Seit über zwei Jahrzehnten verfassen die Autoren des „Historischen und Heimatvereins Pang“ die Wasener Heimathefte, die verschiedene historische Ereignisse im Gebiet des Wasen (bei Pang) beleuchten und historisches Wissen über die Region vermitteln. Als Vorsitzender und leitender Redakteur trägt Hans Demberger maßgeblich dazu bei. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen wirft der 75-Jährige einen Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft des Vereins.
Wieso wurde der HHP gegründet?
Im Jahr 2002 hatte Pang seine 1250-Jahr-Feier. Mein Freund Peter Dinzenhofer und ich waren der Meinung, dass das nicht einfach so vorbeigehen darf. Zu diesem Anlass musste etwas Besonderes geschehen. Daraufhin haben wir die Vereinsvorstände und die Panger Stadträte eingeladen und uns mit ihnen getroffen. Da eine juristische Person notwendig war, die die Veranstaltungen für das Fest durchführt, wurde dieser Verein im Jahr 2000 gegründet. Ursprünglich hatten wir vor, unseren Verein nach dem Fest wieder aufzulösen. Uns wurde aber schnell bewusst, dass es noch so viel zu tun gibt – und es gibt immer noch viel.
Bis heute haben wir jedes Jahr ein volles Programm mit unterschiedlichen Veranstaltungen: Von Wanderungen, Ausstellungen und Vorträgen – bis hin zu unseren Heimatheften.
Die Wasener Heimathefte dokumentieren verschiedene historische Ereignisse unserer Region. Wie werden die Themen ausgewählt?
Da steckt keine große Planung dahinter. Anfangs haben wir vor allem Hofgeschichten über unsere Dörfer, Aising, Pang und Happing geschrieben. Wir nahmen uns Sachen vor, die wir in den Archiven gefunden oder Erzählungen entnommen haben. Inzwischen ist es so, dass unsere Autoren uns einfach interessante Themen vorschlagen. Vor Kurzem hatte ein guter Bekannter die Idee, über die Geschichte von Kalender-, Tages- und Monatsnamen zu schreiben. Und dann sagte ich einfach: „Freilich, mach es.“
Was finden Sie als Autor, bei Ihrer Recherche und Verfassung der Wasener Heimathefte besonders interessant?
Mich interessiert vor allem, wie die normalen Leute – Bauern, Mägde und Handwerker – bei uns am Dorf gelebt haben und welche Rechte sie besaßen. Über die Umstände der Adeligen ist sehr viel dokumentiert, aber von der normalen Bevölkerung weiß man vergleichsweise wenig. Ein Beispiel ist das im 19. Jahrhundert geltende Heimatrecht. Das war nicht wie heute, wo man sich seinen Wohnort einfach aussuchen darf. Um dieses Recht von der Gemeinde verliehen zu bekommen, musste man bestimmte Leistungen erbringen. Ich setze mich zudem gerne mit unseren Kirchenbüchern auseinander. Ein Punkt, der mir dabei oft auffällt, ist die hohe Anzahl an ledigen Kindern im 19. Jahrhundert. Aufgrund der eingeschränkten Lebensumstände war das Kinderkriegen außerhalb einer wirtschaftlich gesicherten Ehe sehr verteufelt, da das in manchen Familien zu katastrophalen Nöten führte. Das sind Beispiele, die ich spannend finde und über die ich möglichst viel erfahren möchte.
Was denken Sie, ist den meisten nicht über die Geschichte unserer Region bekannt?
Bei meinen Kirchenführungen habe ich festgestellt, dass die meisten Menschen davon ausgehen, dass sich die Kirchen in unserer Region damals größtenteils durch Spenden finanzierten. In Wirklichkeit trugen diese aber nur minimal dazu bei. Auf dem Land war es beispielsweise üblich, dass ein Bauer einen Betrag in Gulden an einen Pfarrer stiftete. Im Gegenzug wurde jährlich eine „ewige Messe“ im Gedenken an seine Verstorbenen abgehalten. Die Kirche verlieh das Geld wieder an die Leute, fungierte also auch wie eine Art Bank. In der Regel gab es auf dem Land nämlich keine Banken. So hat sich das Vermögen der Kirche unter anderem aufgebaut.
Was wollen Sie durch die Schriftenreihe bewirken?
Wenn ich etwas erfahren habe, möchte ich es einfach weitererzählen (lacht). Es steckt aber auch wirklich ein Anliegen dahinter: Ich möchte, dass man die Vergangenheit aus der Vergangenheit sieht, und nicht aus dem heutigen Blickwinkel. Wir haben nicht in den damaligen Häusern gelebt, wir haben die damalige Arbeit nicht gemacht. Wir urteilen nur von außen. Die Wasenhefte sollen dazu anregen, sich in diese Lebenswelten hineinzudenken. Außerdem bin ich überzeugt, dass die Leute damals nicht dümmer und auch nicht unglücklicher waren als wir. Ich habe höchste Achtung vor den Menschen von früher und auf welche Weise sie mit ihrer Lebenswirklichkeit, die von Krankheit und Kindersterben geprägt war, fertig geworden sind. Vor 150 Jahren ist bei uns jedes dritte Kind gestorben, bevor es zwölf Jahre alt war. Und trotzdem haben die Menschen ihr Leben geführt – auch wenn es schwierig war. Diesen Respekt möchte ich auch den Lesern vermitteln.
Was erhoffen Sie sich für die Zukunft des HHP?
Mein Wunsch wäre, dass wir immer wieder etwas Interessantes bieten können, und dass das auch so von den Leuten empfunden wird. Wir kriegen zwar nicht viel Rückmeldung, aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass uns das durchaus gelingt. Unsere wachsende Mitgliederzahl sehe ich auch als Bestätigung dafür. Insgesamt bin ich also zufrieden und hoffe, dass es im Verein so gut weitergeht, da ich aus Altersgründen nicht mehr lange Vorsitzender sein werde.
Interview: Qiana Eisenreich