Rosenheim – Im Jahr 2020 wurde der „Radentscheid Rosenheim“ beschlossen. Hin zur fahrradfreundlichen Stadt hat sich seitdem aber viel zu wenig getan, meinen die Initiatoren des Bürgerbegehrens. Deshalb riefen sie am vergangenen Samstag zu einer Fahrrad-Demo auf. Weit über 1000 Teilnehmer machten mit.
Mit dabei waren auch viele Familien mit Kindern. „Als wir vor zehn Jahren von der Schweiz nach Rosenheim gezogen sind, ernteten wir für unser Lastenrad noch oft schiefe Blicke. Heute sind Lastenfahrräder schon ein alltägliches Bild. Da hat sich schon was getan“, erzählte ein Rosenheimer Ehepaar, das mitsamt Hund an der Radl-Demo teilnahm. Im Gegensatz dazu habe sich aber an der Verkehrssituation in der Stadt in den vergangenen Jahren noch viel zu wenig getan. Problemstellen sehen die beiden viele, als erstes muss sich ihrer Meinung nach aber jetzt erst mal eines ändern: „Es braucht den politischen Willen für eine Veränderung hin zur fahrradfreundlichen Stadt“.
Ein anderer Teilnehmer gibt offen zu, dass er auch auf sein Auto nicht verzichten will. „Ich radle oft und gerne. Aber bei weiten Strecken oder wenn das Wetter zu schlecht ist, fahre ich nach wie vor gerne mal mit dem Auto“, erzählt der 57-Jährige. Seiner Meinung nach braucht es wieder ein größeres Miteinander im Straßenverkehr: „Jeder gegen jeden, bringt uns alle nicht weiter“.
Generell sieht aber auch er noch großes Verbesserungspotenzial bei der Gestaltung der Radwege. „In der Prinzregentenstraße endet der Fahrradweg beispielsweise plötzlich im Nichts. Das ist enorm gefährlich, insbesondere für Kinder“, sagt er.
Für Armin Stiegler, einer der Initiatoren des Rosenheimer Radentscheids, steht fest, dass das Auto nach wie vor das Bild der Stadt bestimmt und nicht nur das: „Das Auto beherrscht auch nach wie vor unser Denken“, sagte er zum Auftakt der Fahrrad-Demonstration auf dem Ludwigsplatz.
Von dort aus ging es dann für die Teilnehmer der Demonstration mittels Fahrrad auf eine rund 8,5 Kilometer lange Tour durch die Rosenheimer Innenstadt, vorbei an Punkten, die aus Sicht der Initiatoren besonders gefährlich für Radfahrer sind oder bei denen die Umsetzung bereits geplanter Maßnahmen sich zu lange in die Länge zieht.
Karin Wunsam