Rosenheim – „So ein langwieriges Projekt würde ich heutzutage nicht mehr anfangen“, sagt Siegfried Huber, Geschäftsleiter der Baufirma Grossmann. Hinter ihm stehen drei jeweils fünfstöckige Häuser – allerdings sind diese noch nicht ganz fertig.
„Die Wirtschaftslage ist heute viel instabiler als noch in den vorigen Jahren“, sagt Huber. Damals, vor zwei Jahren, haben er und seine Mitarbeiter angefangen, das Projekt „Herdergärten“ in der Herderstraße 4, 6 und 8 zu bauen. Nun sind die Rohbauten fertig. Ein Meilenstein in der Entstehung der neuen Haussiedlung in Rosenheim.
Fertigstellung
Anfang 2026
Anfang 2026 sollen die 95 Wohnungen bewohnbar sein. Durchschnittlich 160 Menschen könnten dort ihr Zuhause finden. „Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn man sich den Wohnungsmangel in Rosenheim ansieht“, sagt Maximilian Werndl, Gesellschafter der Geschäftsführung der Immobilienfirma Werndl & Partner. Er hofft trotzdem, dass die drei Gebäude dazu beitragen, die Wohnraumlage zu entschärfen. Etwa die Hälfte der Wohnungen soll zum Verkauf stehen, die andere zur Miete. „Leider haben sich die Baukosten in der Zwischenzeit verdoppelt“, sagt Werndl. Die Wohnungen sollen für 600000 bis 800000 Euro verkauft werden. Die vermieteten Wohnräume werden 14 bis 17 Euro pro Quadratmeter kosten. „Diese Wohnungen werden keine Sozialwohnungen sein“, sagt Werndl. Die Häuser sollen vielmehr eine soziale Brücke zwischen dem angrenzendem Villenviertel und den naheliegenden Sozialbauten sein. Daher richte sich das Wohnungsangebot auch an viele Menschen: Familien, Rentner und Studenten. „Arm und Reich sollen hier zusammen wohnen können, genauso wie Jung und Alt“, sagt Werndl. Auch die Zimmergrößen sind unterschiedlich: Es soll sowohl Familienwohnungen mit bis zu fünf Zimmern geben als auch kleine Ein-Zimmer-Wohnungen.
Die Planung der Häuser habe 2019, kurz vor Corona, begonnen. Laut Siegfried Huber hat sich die Bauindustrie seit der Pandemie erheblich verschlechtert. Der Ukraine-Krieg bereitet Probleme bei den Lieferketten. „Wohnungsprojekte werden angefangen und aus finanziellen Gründen nach einer Woche wieder gestoppt.“
Er spricht sogar von einer Baukrise. Dabei sei der Bedarf an Wohnungen sehr hoch. Hubers Firma sei aktuell vor allem mit langwierigen Projekten aus den vergangenen Jahren sowie mit dem Straßenbau beschäftigt. „Es müsste viel mehr gebaut werden, dann gebe es ein größeres Wohnungsangebot, und die Wohnungen würden billiger werden“, sagt er.
Bürgermeister dankt
regionalen Firmen
„Jede Wohnung, die in Rosenheim gebaut wird, ist wichtig“, sagt Oberbürgermeister Andreas März auf OVB-Anfrage. Er ist froh, dass regionale Firmen trotz steigender Baukosten in Rosenheim investieren. „Die Bautätigkeiten privater Investoren, der städtischen Wohnbaugesellschaft GRWS sowie der Stadt Rosenheim selbst sorgen für einen guten Mix auf dem Wohnungsmarkt, der Gentrifizierung unterbinden soll“, sagt der Oberbürgermeister. Die 95 Wohnungen in der Herderstraße seien dafür ein gutes Beispiel. Cordula Wildauer