Moschusbockkäfer gefährdet Gärten

von Redaktion

Quarantäne-Zone in der Region Rosenheim – Bislang 300 Bäume gefällt

Rosenheim – Ein kleiner Junge spielt im Garten. Er läuft immer wieder um den Pool. Plötzlich sieht er etwas auf der Wasseroberfläche treiben. Der Junge geht näher heran. Dann erkennt er einen schwarzen Käfer. Er zeigt seinen Eltern das Tier. Diese alarmieren sofort das zuständige Landratsamt. Wenige Tage später ist ihr Grundstück ein Quarantäne-Gebiet.

Denn bei dem Tier handelte es sich um den Asiatischen Moschusbockkäfer. „Er ist ein Quarantäne-Schädling und gehört ausgerottet“, sagt Felix Garban, Forstingenieur und Pflanzengesundheitsinspektor beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein (AELF). Er ist seit einem Jahr für die Prüfung und Kontrolle des Käfers zuständig – auch in der Region Rosenheim. Denn das kleine Tier richtet einen wirtschaftlichen Schaden an Bäumen an und breitet sich auch in privaten Gärten aus.

Arbeiten mitten
im Hotspot

Der Hotspot liegt in Kolbermoor. Aber auch in den Wäldern Rosenheims gibt es inzwischen Fälle. Mittlerweile erstreckt sich die Quarantäne-Zone von Großkarolinenfeld bis nach Bad Aibling. Dort fühlt sich der zwei bis drei Zentimeter große Käfer nun heimisch. Erkennen kann man ihn an seiner schwarzglänzenden Farbe, dem roten Nackenschild und seinen langen Fühlern. „Die männlichen Käfer haben längere Fühler als die weiblichen“, sagt Garban.

Gefährlich sind vor allem die Larven. Diese fressen sich bis ins Kernholz durch und zerstören Steinobstgehölze in Wäldern und Gärten. „Durch die porösen Stellen im Gehölz können Äste abbrechen und eine Gefahr für den Menschen darstellen“, sagt der Forstingenieur. Zwei bis drei Jahre dauert die Entwicklung von der Larve zum Käfer. Sind sie ausgewachsen, schlüpft die Larve aus der Puppe und fliegt davon, um sich zu vermehren. Dafür hat sie bis zu drei Wochen Zeit, ehe sie stirbt. Felix Garban und sein Team sind dafür zuständig, die Larven zu finden und zu entfernen. Zusammen mit Martin Bonetsmüller und Sebastian Krawtkowski trifft er sich jeden Morgen um 7.30 Uhr für die Vorbesprechung. Ihr Container-Büro am neuen Friedhof in Kolbermoor steht mitten in der Befall-Zone. Von dort gehen sie mit ihren E-Bikes auf Beobachtungstour. Immer mit dabei sind Stemmmesser, Pinzetten, Fernglas und eine Aufbewahrungsdose, um die Larven oder Käfer aus dem Holz zu ziehen.

Die Käfer finden sie mithilfe der App „FieldMaps“ auf ihrem Tablet. Dort ist die gesamte Quarantäne-Zone eingetragen. „Unsere Arbeit besteht vor allem aus dem Monitoring. Wir kontrollieren das Steinobstgehölz an öffentlichen Flächen und privaten Gärten“, sagt Garban. Denn der Käfer konzentriert sich nur auf die Pflanzengattung Prunus. Hierzu gehören zum Beispiel Kirsche, Zwetschge, Mirabelle, Aprikose, Traubenkirsche, Schlehen und Pflaumen. Aber auch Zierformen, wie Kirschlorbeer oder Blutpflaumen sind potenzielle „Opfer“ des Käfers.

Stellt das Team einen Befall fest, benötigen sie eine Einwilligungserklärung und ein Anhörungsschreiben von dem Gartenbesitzer. Dann wird ein Termin mit einer externen Firma ausgemacht, um das Gehölz zu entfernen. „Und dabei werden auch die Wurzeln vollständig entfernt“, sagt der Forstingenieur. Zum Schluss kommt das gesamte Gehölz in eine Verbrennungsanlage. „Damit sämtliche Eier, Larven und Puppen in dem Gehölz abgetötet werden“, sagt er.

Wenn ein Wirtsbaum verbrannt wird, wird ein Radius von 100 Metern um ihn gezogen. „Diese 100 Meter sind die sogenannte Befallzone. Und hier gilt nach der Allgemeinverfügung ein Anpflanz-Verbot für Steinobstgehölze und deren Zierformen“, sagt Garban. Für Privatpersonen sei das oftmals ärgerlich. Denn die Allgemeinverfügung gilt immer bis zu vier Jahren. Wird ein Wirtsbaum in diesem Jahr entdeckt, gilt das Anpflanz-Verbot bis 2028.

Steinobstbäume werden immer beliebter und hergeben wollen sie nur die wenigsten. Doch auch Baumschulen und Gartencenter haben im Quarantäne-Gebiet mit Verlusten zu kämpfen. „Sie dürfen ihr Steinobstgehölze während der Flugzeit des Käfers nicht mehr verkaufen“, sagt der Forstingenieur.

Das seien meist die unangenehmsten Gespräche in seinem Beruf. „Wir müssen die Einkaufslisten durchgehen und die verkauften Bäume kontrollieren. Auch die Bestandswaren werden überprüft und dürfen erst nach Ablauf der Allgemeinverfügung verkauft werden“, sagt Garban.

Das Gartencenter Nickl in Rosenheim muss sich ebenfalls an die Vorschriften halten. „Wir dürfen während der Flugzeit keine Steinobstgehölze verkaufen“, sagt Florian Nickl, Geschäftsführer des Gartencenters. Das habe Auswirkungen auf den Umsatz. Daher hofft Nickl, dass es diese Vorschrift irgendwann nicht mehr gibt. „Wir waren bislang noch nicht von dem Asiatischen Moschusbockkäfer betroffen. Die Verordnung ist für uns sinnvoll und wichtig“, sagt der Geschäftsführer.

2012 wurde das Tier erstmals in Kolbermoor nachgewiesen. Wie es hierherkam, wisse man nicht zu 100 Prozent. „Man geht von der Globalisierung aus. Die Tiere können von der Palettenindustrie oder über Pflanzenwaren von Asien oder Italien hierher importiert worden sein“, sagt Garban. Denn auch in Italien machen sich die gefährlichen Schädlinge breit.

Vergangenes Jahr gab es acht Fällungen in der Region. „Und insgesamt wurden über den kompletten Zeitraum schon 300 Bäume entnommen“, sagt Garban. Die Bekämpfung des Schädlings sei aufwendig, denn die Tiere vermehren sich schnell. „Zwischen 200 und 600 Eier werden abgelegt und die Larven schlüpfen schon nach zehn Tagen“, sagt Felix Garban. Sie müssen schnell handeln, um den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Deshalb greift das Team auch auf andere Methoden zurück. In der gesamten Quarantäne-Zone hängte das Team 50 Pheromonfallen auf. Die weiblichen Käfer werden von dem Sexualduftstoff angezogen. An der Außenwand der Falle bleiben sie nicht haften. Die Insekten rutschen in ein Fanggefäß am Ende der Falle. Zur weiteren Identifizierung schickt Garban die Tiere ans Landwirtschaftliche Technologiezentrum.

Wälder werden
kontrolliert

Neben dem Team um Felix Garban kontrollieren Margarita Leka und Barbara Blaschke die Wälder in der gesamten Quarantäne-Zone rund um Rosenheim und Kolbermoor. „Die vielen kleinen Wälder stellen eine besondere Herausforderung dar“, sagt Leka. In den drei Jahren ihrer Arbeit haben sie bislang 35000 Bäume mehrmals kontrolliert und zwei wurden gefällt. Entdecken die beiden dort Spuren von Larven, veranlassen sie die Baumfällung.

„Jeweils ab Juni startet zusätzlich ein Baumkronen-Monitoring“, sagt Leka. Um den Schädling weiter einzudämmen, fehle es allerdings an Personal. Deshalb seien die Teams auch auf die Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen.

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