Umdenken der Eltern gefordert

von Redaktion

Der Fachkräftemangel in handwerklichen Berufen ist immer wieder Thema. Auch Schreinermeister Helmut Frohwieser vom Bildungswerk Rosenheim ist täglich mit dem Thema konfrontiert. Und er weiß ganz genau, woran das liegt: Die Eltern sollen schuld sein. Warum das so ist.

Rosenheim – Helmut Frohwieser reicht es. „Wenn jetzt nicht ein paar Schreiner werden, dann wird es bald keine Möbel mehr geben“, sagt der Ausbildungsmeister vom Bildungswerk Rosenheim. Schon seit der vierten Klasse wusste Frohwieser, dass er Schreiner werden möchte. Dass es nun einen Nachwuchsmangel in handwerklichen Berufen gibt, könne er nicht verstehen. Denn die Menschen seien darauf angewiesen. Für Frohwieser ist klar, woran das liegt.

„Nicht nur das
Studium zählt“

„Es sind die Eltern. Man muss sie von dem Gedanken abbringen, dass nur das Studium zählt“, sagt der Schreinermeister. Viele Eltern würden ihre Kinder lieber im Studium sehen. Damit würde „nichts für das Handwerk übrig bleiben“. Schlagen Jugendliche doch den Weg der Lehre ein, würden sie nicht lange bleiben. „Mehr als 50 Prozent machen nur einen Abschluss und gehen dann ins Studium. Und das ist das Problem“, sagt Frohwieser.

Viele Betriebe seien deswegen nicht mehr bereit, junge Leute auszubilden. „Sie bilden momentan wie Wahnsinnige aus, aber es möchte keiner dableiben“, sagt der Schreinermeister. Und an der Bezahlung liegt das nicht.

Als Schreiner würde man nicht viel in der Ausbildung verdienen, aber danach könne man frei verhandeln. Denn die Betriebe brauchen Mitarbeiter, wie Frohwieser weiß. „Wer will, der kann gar nicht arbeitslos werden“, sagt er. Das Problem liege darin, dass keiner mehr Verantwortung übernehmen möchte. Und das muss man in diesem Beruf schon in der Ausbildung.

Helmut Frohwieser kann die Probleme nicht verstehen. Für ihn ist das Besondere an seinem Beruf, dass man etwas mit den eigenen Händen erschafft. „Man hat etwas zum Anfassen und sieht seine Ergebnisse immer am Ende des Tages“, sagt er. Seine Begeisterung für den Beruf möchte er nun auch der jungen Generation beim „Tag des Handwerks“ vermitteln – und damit junge Leute wieder für den Beruf gewinnen.

Die Handwerkskammer für München und Oberbayern organisiert diese Veranstaltung im Bildungswerk Rosenheim. Schüler aus der Mittelschule, Realschule und Gymnasium erhalten dabei Einblicke in handwerkliche Berufe und können sich über Ausbildungsmöglichkeiten informieren. Elektriker, Raumausstatter, Zimmerer, Schreiner, Kfz-Mechaniker, Friseure, Maurer und Kaufmann für Büromanagement geben dabei den diesjährigen 350 Schülern einen Einblick in ihre Arbeit.

Bei Helmut Frohwieser machen die Schüler Furnierarbeiten für ein Schachbrett. Damit entstehen die typischen quadratischen Holzmuster. Einen Schüler konnte Frohwieser für den Beruf begeistern.

„Ich fand die Arbeit super in der Schreinerei“, sagt Mathias von der Walter-Mohr-Realschule Traunreut. In der Schule hatte der 15-Jährige bereits Werken als Fach. Auch das habe ihn besonders viel Spaß gemacht.

„Ich könnte mir sehr gut vorstellen, in einen Handwerksberuf zu gehen“, sagt sein Mitschüler Lukas. In der Schule mag er vor allem Physik. Er mag es, Dinge auszuprobieren und etwas mit den Händen zu machen. Das habe er von seinem Vater. Er arbeitet beim Unternehmen Bosch und brachte seinen Sohn ab und zu mit zur Arbeit. Dort entwickelte Lukas die Begeisterung fürs Handwerk.

Auch Valentino ist von dem „Tag des Handwerks“ begeistert. „Ich finde Informatik und Schweißen ganz interessant“, sagt der 15-Jährige. Er glaubt nicht, dass der Beruf ausstirbt. „Ich glaube, das Handwerk verschwindet nicht, weil wir es einfach immer benötigen“, sagt Valentino.

Das sieht Maurer Martin Christlhuber genauso. „Der Fachkräftemangel ist ein Auf und Ab. Aber es wird immer weitergehen“, sagt er. Es sei vor allem das schlechte Image in der Bevölkerung, warum immer weniger Nachwuchs komme. Auch für ihn ist das Besondere an seinem Beruf, dass man etwas erschaffen kann.

„Es ist beeindruckend, wenn man an etwas vorbeifährt, was man selbst gebaut hat“, sagt der Maurer. Um mehr Nachwuchs zu gewinnen, müsste es in der Industrie bessere Konditionen geben.

„Dann stürzt die
Welt zusammen“

„Es ist immer selbstverständlich, dass alles da ist. Wenn das Handwerk aber wegfallen würde, dann würde die Welt zusammenstürzen“, sagt Jennifer Brosche, stellvertretende Leitung des Bildungszentrums Rosenheim. Deshalb erhalten die Schüler in kleinen Gruppen jeweils für zwei Stunden Einblicke in die verschiedenen Berufe.

„Die Ausbilder versuchen, den theoretischen Teil so kurz wie möglich zu halten, damit die Schüler selbst etwas ausprobieren können“, sagt Brosche.

Auch wenn nicht alle Schüler für das Handwerk zu begeistern sind, hoffe sie, mit einem „Tag des Handwerks“ wenigstens ein paar Leute erreichen zu können.

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