Happing – Wirklich glauben kann es Franz Gössl immer noch nicht. Der Senior lebt seit 48 Jahren in der Eichfeldstraße in Happing. Vom Unwetter der vergangenen Tage ist auch er nicht verschont geblieben. „Bei uns stand das Wasser im Keller“, sagt Gössl am Telefon. Er habe sofort die Feuerwehr informiert und um Unterstützung gebeten. Das Problem: Weil das Wasser nur knapp bis über die Knöchel ging, konnten die Einsatzkräfte nicht viel tun.
Nach der Schicht noch
mal vorbeigeschaut
„Erst wenn das Wasser zwischen zehn und 20 Zentimeter hoch steht, kann unsere Pumpe zum Einsatz kommen“, sagt Christian Diepelt, stellvertretender Kommandant der Happinger Feuerwehr. Unverrichteter Dinge mussten seine Kollegen also wieder abziehen – nur um nach ihrer Schicht noch einmal bei Franz Gössl vorbeizuschauen. „Ich war total überrascht und konnte es gar nicht glauben“, sagt der Happinger.
Vier Einsatzkräfte halfen ihm bis kurz nach Mitternacht dabei, das Wasser aus seinem Keller zu entfernen und aufzuräumen. „Und dabei haben sie in der Nacht gerade einmal vier Stunden geschlafen“, sagt Gössl. Dass es für die Kameraden der Happinger Feuerwehr durchaus stressig war, bestätigt auch der stellvertretende Kommandant Christian Diepelt, der selbst im Einsatz war. Aber er macht auch kein Geheimnis daraus, dass die Situation in der Stadt, im Vergleich zu anderen Gemeinden, noch „relativ entspannt“ verlaufen ist
Mannschaft rund um die Uhr gefordert
Trotzdem seien er und seine Kollegen in den vergangenen Tagen rund um die Uhr im Einsatz gewesen. Keller mussten ausgepumpt und Sandsäcke gefüllt werden. „Wir mussten einen 30 Zentimeter hohen Damm um den Gittersbach bauen, um die umliegenden Gebäude zu schützen“, sagt der stellvertretende Kommandant.
Insgesamt seien 30 Einsatzkräfte im Dorfkern von Happing im Einsatz gewesen – zwei Drittel von der Happinger Feuerwehr, ein Drittel aus der Aisingerwies. „Hinzu kamen im Hintergrund Kameraden aus allen Stadteilwachen, welche neben weiteren Einsatzlagen die zentrale Befüllung von Sandsäcken und die Einsatzstellenverpflegung übernommen haben“, sagt Diepelt. Ihm zufolge hat die Zusammenarbeit gut funktioniert. So habe man darauf geachtet, dass jeder Kollege nach fünf Stunden eine kurze Pause machen konnte. Nach zehn Stunden konnten die Kameraden in der Regel abgelöst werden. „Wenn es die Situation zulässt, wird zudem darauf geachtet, dass die Ruhezeit eingehalten wird, bevor es zum nächsten Einsatz geht“, sagt Diepelt.
All das sei möglich, weil es in der Stadt über 450 Ehrenamtliche gibt, die bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv sind. „Das ist eine sehr gute Situation“, sagt Diepelt. Und das, obwohl die Tätigkeit durchaus Gefahren mit sich bringt. So kam erst am Sonntag, 2. Juni, ein Feuerwehrmann bei einem Hochwasser-Einsatz in Offingen ums Leben.
Gefahren „in der
Regel“ berechenbar
„In der Regel ist die Gefahr berechenbar“, sagt Christian Diepelt. So würden er und die anderen Kameraden jeden Montag für den Ernstfall üben. Zudem seien die wichtigsten Richtlinien in der Feuerwehr-Dienstvorschrift festgehalten. „Wenn man sich daran hält, gelingt es in der Regel, die gefährlichen Situationen in Zaum zu halten“, sagt der stellvertretende Kommandant. Trotzdem gebe es immer wieder Ausnahmen – jedoch nicht in den vergangenen Tagen.
Trotz der zahlreichen Einsätze sind Diepelt und sein Team zufrieden mit ihrer Arbeit. „Es gab schon Jahre, da sind innerhalb von anderthalb Stunden 20 Einsätze bei uns aufgeschlagen“, sagt er. Dann gehe es darum, zu priorisieren. Das wiederum führt dazu, dass die Hilfsfristen zum Teil deutlich länger werden. „Dieses Mal war das Unwetter vor allem im Rosenheimer Süden zu Gange“, sagt Diepelt.
Lob für große
Hilfsbereitschaft
Für Franz Gössl ein glücklicher Zufall, denn so hatten die Einsatzkräfte Zeit, ihm unter die Arme zu greifen. „Es wird immer davon geredet, dass die Leute seit der Pandemie nicht mehr zusammenkommen. Mein Erlebnis war das komplette Gegenteil davon“, sagt er.