Rosenheim – Die Entscheidung hätte deutlicher nicht ausfallen können: Im Rahmen des Bürgerentscheids „Biotonne“ haben sich am Sonntag 72,3 Prozent der Rosenheimer für die Biogutsammlung an den Wertstoffinseln ausgesprochen. Gerade einmal 27,7 Prozent hätten eine eigene Biotonne vor der Haustür favorisiert. „Die Rosenheimer haben eindeutig entschieden, jetzt liegt es an uns, dieses Votum umzusetzen“, sagte Oberbürgermeister Andreas März bereits am Sonntagabend nach der Auszählung der Stimmen.
Wahlausschuss tagt
am heutigen Dienstag
Der Wahlausschuss wird am heutigen Dienstag im Rathaus zusammenkommen, um das amtliche Ergebnis der Abstimmung über den Bürgerentscheid „Biotonne“ zu ermitteln und festzustellen. Anschließend sollen die ersten Vorbereitungen getroffen werden. „Als nächste Schritte werden der Bedarf der Container ermittelt, die Beschaffung geeigneter Fahrzeuge zur Leerung vorbereitet, der Personalbedarf festgelegt sowie der Verwertungsweg der Bioabfälle geplant“, sagt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt Rosenheim. So soll sichergestellt werden, dass die Einführung der Sammlung von Bioabfall in dezentralen Sammelcontainern reibungslos erfolgt.
Fokus auf dezentrale
Sammelbehälter
Doch nicht überall stößt die Entscheidung auf Zustimmung. „Es steht zu befürchten, dass die dezentralen Sammelbehälter wenig angenommen werden“, sagt Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. Aus diesem Grund werde sich seine Fraktion auch nach der Kommunalwahl 2026 dafür einsetzen, dass Bio- und Restmüll getrennt gesammelt und wöchentlich abgeholt werden. „Voraussetzung für eine Änderung ist jedoch eine bessere Information und Beteiligung der Bürger“, ergänzt Erdogan. Beides hat ihm zufolge vor dem Bürgerentscheid nicht stattgefunden.
Deutlich zufriedener mit der Entscheidung ist Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU. „Die CSU begrüßt das Ergebnis des Bürgerentscheids ‚Biotonne‘ ausdrücklich. Mit dem vorläufigen Ergebnis von 72,3 Prozent haben sich die Rosenheimer gegen höhere Müllgebühren und eine 14-tägige Abholung des Restmülls ausgesprochen“, sagt Borrmann zufrieden. Damit werde das bisherige System der Wertstoffinseln gestärkt und weitergeführt. Der Fokus müsse jetzt auf einer schnellen Umsetzung liegen.
Davon, dass die Entscheidung, ein Bürgerbegehren durchzuführen, richtig war, ist auch Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP, überzeugt. Das habe die Wahlbeteiligung von fast 50 Prozent gezeigt. „Mit dem Bürgerentscheid hat die schwierige Suche nach dem richtigen Weg für die Entsorgung von Bioabfällen nun ein Ende gefunden“, sagt er auf OVB-Anfrage. Das eindeutige Abstimmungsergebnis müsse man akzeptieren. „Das ist gelebte und funktionierende Demokratie“, sagt er.
„Vertane Chance“ –
Kritik der Grünen
Deutlich kritischer bewerten die Rosenheimer Grünen die Entscheidung und sprechen sogar von einer „vertanen Chance“. „Die Möglichkeit, Bioabfälle sinnvoll und in ausreichender Menge zu sammeln und diese in einer Biovergärungsanlage in Kompost und Energie für die Bürger umzuwandeln, wurde zurückgewiesen. Zum Schaden für die Umwelt, zum Schaden für alle Bürger“, sagt Stadtrat Peter Weigel. Seine Fraktion hätte stattdessen die bequeme, kostenneutrale, abwechselnde Abholung von Bio- und Restmülltonnen favorisiert. „Es ist ein gutes Ergebnis für die Stadt. Genau das war unser Ziel“, sagt dagegen Andreas Kohlberger, Fraktionsvorsitzender der AfD.
Unveränderte
Restmüll-Abholung
Bis die Sammelcontainer aufgestellt sind und die zahlreichen offenen Fragen geklärt werden, können die Rosenheimer ihren Bioabfall weiterhin an den beiden Biogut-Presscontainern abgeben. Einer davon befindet sich an der Wertstoffinsel am Sportplatz des ESV an der Hochfellnstraße, der andere an der Ecke Traberhof-/
Kaltwiesstraße in Happing. „Der dazu benötige Chip ist beim Umwelt- und Grünflächenamt der Stadt Rosenheim kostenfrei erhältlich“, sagt Stadt-Pressesprecher Christian Baab. Zudem kann Biogut auch am Wertstoffhof in der Innlände abgegeben werden. Mit dem Bürgervotum ändert sich an der Abholung des Restmülls nichts – sie bleibt im wöchentlichen Rhythmus.