Rosenheim – Wenn aus einem Jugendstreich plötzlich Ernst wird: An der Johann-Rieder-Realschule kam es am gestrigen Donnerstag um kurz nach 12 Uhr zu einem Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften. Hintergrund war ein vermeintlicher Scherzartikel, dessen Gebrauch schließlich Polizei, Feuerwehr und Rettungssanitäter auf den Plan rief. Die Rettungskräfte wurden alarmiert, da mehrere Schüler über Augenreizungen, Übelkeit und Bauchschmerzen klagten.
Ersten Polizeiangaben zufolge versprühte ein Schüler auf einer Toilette den Inhalt einer Spraydose – auch in Richtung der Mitschüler. Bei dem Spray handelte es sich Polizeiangaben zufolge um eine Art „Pups-Spray“, basierend auf Chili und anderen Wirkstoffen. „Der versprühte Inhalt der Dose erzeugte aufgrund chemischer Wirkung auch einen stark übel riechenden Geruch“, erklärt Robert Maurer, Polizeihauptkommissar bei der Polizeiinspektion Rosenheim.
Eingesetztes Spray
teils „ab sechs Jahren“
frei verkäuflich
Um welches Spray genau es sich handelt, ist nicht bekannt. Jedoch ist es laut Angaben der Polizei frei verkäuflich. Im Internet sowie in Drogeriemärkten sind verschiedene solche Sprays zu finden. Manche dieser Produkte werden sogar für Kinder ab sechs Jahren beworben. Bei anderen heißt es in der Produktbeschreibung: „Laufen Sie nach dem Aufsprühen unseres flüssigen Furzsprays sofort weg.“ Außerdem: „Sie können es zu Hause, in der Schule, im Klassenzimmer, im Aufzug oder sogar in Besprechungen verwenden“ – diesen Hinweis hat der Schüler offenbar für bare Münze genommen.
„Der Verursacher ist bekannt“, erklärt Maurer. Dabei handelt es sich um einen Schüler der zehnten Klasse. Gegen ihn laufen nun Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung. „Etwa zehn Schüler klagten vor Ort über Beschwerden“, sagt Maurer. Auch ein Rettungshubschrauber wurde angefordert. Dieser landete zwar kurz auf dem Sportplatz, konnte dann allerdings wieder abdrehen. Wer den Einsatz des Hubschraubers bezahlen muss, ist noch nicht geklärt. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann hierzu noch keine Einschätzung abgegeben werden“, erklärt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt Rosenheim.
Unbekannte
Gefahrenlage löst
Rettungskette aus
Aber warum löste ein vermeintlich harmloses „Pups-Spray“ einen so großen Einsatz aus? „Das ist die normale Rettungskette“, erklärt Maurer. Die sieht für bestimmte Gefahrenlagen auch den Einsatz von Hubschraubern vor. Schließlich könne man vorab nicht wissen, wie groß die Schwere der Verletzungen ist. In diesem Fall hielt sich der Schaden glücklicherweise in Grenzen. Die betroffenen Schüler konnten allesamt vor Ort wieder entlassen werden. Eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus war nicht nötig.
Den „beißenden, teils unangenehm riechenden“ Geruch beseitigte die Feuerwehr – einfach, indem sie die Fenster öffnete. Ins Freie durften dann bald auch die Schüler: Die Eltern konnten sie von der Schule abholen, nachdem sie von der Schulleitung informiert worden waren. Patricia Huber