Ein ungebetener nächtlicher Gast

von Redaktion

Unbekannter bricht in geparktes Wohnmobil ein, übernachtet und hinterlässt Spuren

Rosenheim – Mittlerweile kann Anna Maria H. über den Vorfall schon wieder lachen. Am vergangenen Samstag war es dennoch ein Schock, als die 76-jährige Rosenheimerin zu ihrem in der Klepperstraße geparkten Wohnmobil kam. „Als ich die Tür aufgesperrt habe, habe ich gleich gesehen, dass etwas nicht stimmt“, sagt H., die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, am Telefon.

Einbruchsspuren sofort erkennbar

Normalerweise schließe sie die Schiebetür zwischen Wohnkabine und Fahrerhaus immer komplett, diesmal stand diese jedoch einen Spalt offen. Als sie dann einen Blick hinter die Tür warf, traute sie ihren Augen nicht. „Es war alles durchwühlt und man hat sofort gesehen, dass jemand im Bett geschlafen hat“, sagt die Rosenheimerin. Damit aber noch nicht genug: Auch die Toilette des Wohnmobils war benutzt.

Durchs Seitenfenster „hineingewurschtelt“

Da außer ihr niemand Zugang zu dem Wohnmobil hat, sei schnell klar gewesen, dass jemand eingebrochen sein musste. Wenig später entdeckte die 76-Jährige, dass ein Fenster auf der Seite des Fahrzeugs aufgehebelt wurde. „Das ist gar nicht so leicht, da hochzuklettern und sich durch das Fenster hineinzuwurschteln“, sagt die Rosenheimerin. Beim Aufbrechen ist die Verriegelung des Fensters kaputtgegangen. „Die muss ich halt jetzt ersetzen“, sagt Anna Maria H. Wie die Rosenheimer Polizei mitteilt, gehe man von einem Schaden von rund 500 Euro aus. Ansonsten sei nichts am und im Wohnmobil zerstört worden. Auch gestohlen habe der Unbekannte nichts. Die Rosenheimerin lasse aber ohnehin nie Wertgegenstände im Fahrzeug zurück. Schließlich stelle sie das Wohnmobil manchmal auch für mehrere Tage an dem Parkplatz ab. Mehr gewundert habe die 76-Jährige aber etwas anderes: „Selbst eine halbe Flasche Whisky und ein paar Weinflaschen sowie meine volle Hausapotheke waren unberührt“. Deshalb ist sie sich sicher, dass der Täter vermutlich nur nach einer Übernachtungsmöglichkeit gesucht hat. Und zwar irgendwann zwischen Donnerstagnachmittag, 20. Juni, und Samstagmorgen, 22. Juni. Denn am Donnerstag habe H. – wie sie es immer alle zwei Tage macht – noch nachgeschaut, ob am Wohnmobil alles in Ordnung ist.

Besitzerin findet zwei Hinterlassenschaften

Ob der Unbekannte länger als eine Nacht in ihrem Fahrzeug verbrachte, könne die Rosenheimerin nicht sagen. Allerdings habe er ihr zwei „Hinterlassenschaften“ dagelassen. „Ich habe ein Paar dreckige Socken und ein Gerät zum Aufladen von einem Handy gefunden“, sagt die Frau. Obwohl sonst nichts „Schlimmeres“ passiert sei, bleibe bei der 76-Jährigen ein „komisches Gefühl“. „Das ist schon gruslig“, sagt Anna Maria H. Vor allem, da ihr Bett und das Klo von einem Fremden benutzt wurden. Diese beiden Sachen gehörten zur „absoluten Privatsphäre“.

Zudem ihr das Wohnmobil, das extra aus einem alten Lieferwagen für sie umgebaut wurde, sehr wichtig ist. „Im Winter bin ich damit drei Monate in Marokko unterwegs“, sagt die Rosenheimerin. Und auch beruflich sei sie auf das Fahrzeug angewiesen, da sie nach wie vor für eine Autovermietung viel auf der Straße unterwegs sei und dabei oft eine spontane Schlafgelegenheit brauche. Daher sei Anna Maria H. froh, dass auch nicht mehr kaputtgegangen ist. Denn sie wolle ihr Wohnmobil auch trotz des Vorfalls ganz normal weiter nutzen. Inzwischen habe die 76-Jährige alles geputzt und das Bettzeug weggeschmissen. „Zum Glück habe ich mir zufällig vor zwei Wochen eine neue Matratzenauflage gekauft“, sagt die Frau. Auch die Toilette werde sie in den kommenden Tagen gegen eine neue ersetzen lassen. Mittlerweile sei sie auch gar nicht mehr so verärgert über den ungebetenen Gast. „Meine Freunde ziehen mich sowieso schon auf, dass das bestimmt mein jugendlicher Liebhaber war“, sagt Anna Maria H. Die Rosenheimer Polizei hat dennoch die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen und sucht den Täter, wie Hauptkommissar Robert Maurer auf OVB-Anfrage bestätigt.

Spuren deuten auf männlichen Täter hin

Mehr könne die Polizei allerdings bisher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Anna Maria H. vermutet jedenfalls, dass es sich bei dem Unbekannten um einen Mann gehandelt hat. Zumindest seien die „Spuren“ eindeutig. „Er wird halt im Stehen aufs Klo gegangen sein“, sagt die Rosenheimerin und lacht.

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