„Grassierende Seuche mit schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken“

von Redaktion

Peter Moser, Leiter der Nachbarschaftshilfe Rosenheim, über Einsamkeit bei Senioren und Tipps, was im Ernstfall zu tun ist

Rosenheim – Viele Senioren sind einsam. Das weiß auch Peter Moser, Leiter der Nachbarschaftshilfe Rosenheim. „Das Thema ist bei uns wie bei allen anderen Pflegediensten leider omnipräsent. Vereinsamung im Alter ist eine grassierende Seuche mit schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken“, sagt er.

Zwar liegen ihm keine Zahlen vor, er vermutet jedoch, dass ein Drittel des Klientel „aufgrund subjektiv empfundener Vereinsamung Leidensdruck ausgesetzt ist“. „Leider ist im derzeitigen System die Anforderung einer umfassenden Prävention nicht angelegt“, sagt Moser. Insofern sind die lokalen Angebote seiner Überzeugung nach bei weitem nicht bedarfsdeckend.

Ähnlich wie Irmgard Oppenrieder, Vorsitzende des Rosenheimer Seniorenbeirats, weist auch Moser auf das Café „Zammakemma“ hin, einen Seniorentreff mit Fahrdienst. Zudem gibt es einen ehrenamtlichen Seniorenbesuchdienst. „Der ist momentan leider sehr ausgedünnt“, sagt Moser. In akuten Katastrophenfällen springt zudem eine seiner Kolleginnen ins Auto und sucht die Leute auf.

„Diese Bereiche sind nur zu einem geringen Teil öffentlich bezuschusst. Die Nachbarschaftshilfe muss die Finanzierung größtenteils über private Spenden sichern“, sagt der Leiter.

Er erinnert im gleichen Atemzug auch an dass Pflegeleitbild. „Unsere ambulanten Pflegekräfte sind angehalten, sich auch während kürzerer Einsätze gesprächsbereit zu zeigen, notfalls auf Kosten der Wirtschaftlichkeit.“ Das sei deshalb sinnvoll, da die Pflegekräfte ohnehin bereits vor Ort seien. „Wir sind ein sozialer Kontakt, der keines zusätzlichen Aufwands bedarf“, sagt Moser. Oft würden schon ein paar Minuten Freundlichkeit ausreichen, um dem Tag ein „positiveres Gepräge zu geben“. Auch in diesem Fall sei man hinsichtlich der Refinanzierung auf Spenden angewiesen.

Betroffenen Senioren mit Mobilitätseinschränkungen raten Moser und seine Kollegen zu einem Umzug in barrierefreie Wohnangebote. Beispielsweise ins Altenheim. „Dort rührt sich was und es ist leichter, soziale Kontakte zu knüpfen“, sagt der Leiter der Nachbarschaftshilfe. Bei Menschen mit Pflegegrad empfehle sich das Tagespflegeangebot der Nachbarschaftshilfe oder aber das Angebot der Seniorentagesstätte „SenTa“ an der Heilig-Geist-Straße in Rosenheim. „Diese werden über die Pflegeversicherung finanziell einigermaßen komfortabel ausgepolstert und der Fahrdienst ist mit im Angebot“, erklärt Moser.

Senioren, die nach wie vor mobil sind, rät er dazu, die Wohnung zu verlassen, zum Wirt zu gehen oder öffentliche Treffpunkte aufzusuchen. „Häufig hängen von Einsamkeit betroffene Menschen in einer gefühlsüberfrachteten Erwartungshaltung gegenüber nahen Verwandten fest“, sagt er. hei

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