Rosenheim – Die Subkultur in Rosenheim ausbauen und mehr als nur Bierkultur leben. Das ist das Ziel des Rosenheimer KulturKlubs. Mit an Bord ist Musikproduzent Michael Fakesch (49). Der gebürtige Rosenheimer hat zusammen mit dem KulturKlub und seinem DJ-Kollegen Vinko Vrasec (53) einen Vinyl-Flohmarkt organisiert. Der sogenannte „Supermarkt“ findet in der Alten Druckerei statt.
Fakesch selbst ist als erfolgreicher Musikproduzent durch die Welt getourt. Zusammen mit Chris De Luca, ebenfalls aus Rosenheim, hat er Ende der 90er ein Elektronikprojekt namens „Funkstörung“ gestartet. Das Duo sei sehr erfolgreich gewesen. „Mit den Remixen für beispielsweise Björk oder Wu-Tang Clan sind wir berühmt geworden“, berichtet Fakesch. „Wir haben einen sehr abgefahrenen Sound gemacht, der oft als Intelligent Dance Music oder Glitch Hop, also zerstörter Hip-Hop, beschrieben wurde.“
Was dann folgte, habe den Rosenheimer „umgehauen“. „Wir haben hunderte Gigs auf der ganzen Welt gespielt“, erzählt er. „Auch in Metropolen wie New York, Tokio, Sydney, Singapur und vielen europäischen Großstädten.“ Sein persönlicher Höhepunkt sei das erste Konzert in New York gewesen. „Wir haben in einem Plattenladen Autogrammstunden gegeben. Damals war ich Mitte 20, das war der Wahnsinn“, erinnert sich der heute 49-Jährige.
„Trotzdem bin ich immer gerne nach Rosenheim zurückgekommen“, erzählt Fakesch. Wenn man von einer großen Tour wiederkommt, denke man oft, man sei der Größte. „Hier ist mir dann immer schnell klargeworden, dass doch alles irgendwie normal ist“, erzählt er.
Einige Jahre hätten Fakesch und De Luca ihren Job sehr erfolgreich gemacht. Nach etwa zehn Jahren haben sie sich aber dann projektmäßig auseinandergelebt, wie Fakesch berichtet. Mittlerweile ist er als Sounddesigner und Werbemusiker tätig. Mit der Musik sei er immer noch sehr verbunden.
„Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen“, erklärt Fakesch. Auch in seiner Heimat ist der Rosenheimer noch musikalisch unterwegs. Zusammen mit Vinko Vrasec legt er regelmäßig im Le Pirate die „Supermusik“ auf. Hier würden sie vor allem Funk, Neo Soul, House und Hip-Hop spielen.
Allerdings seien er und Vrasec schon immer Vinylfans gewesen, Vrasec sogar noch mehr als er. Irgendwann sei dann die Idee aufgekommen, einen Plattenflohmarkt zu veranstalten. Den habe es früher in Rosenheim in der Inntalhalle auch immer gegeben. „Wir fanden die Idee einfach so toll“, erzählt Fakesch.
Der Vorschlag, einen Plattenflohmarkt zu organisieren, sei schnell auf Zustimmung gestoßen. „Die Bürgerstiftung hat sofort angeboten, dass wir den Flohmarkt in der Alten Druckerei veranstalten können“, so Fakesch. Das sei der perfekte Ort für ihr Vorhaben.
„Jeder kann vorbeikommen und Platten anhören, Platten kaufen oder einfach nur abhängen“, erklärt der Musikproduzent. Es gehe nicht darum, besonders viel Umsatz zu machen. Wichtig sei ihm und dem KulturKlub, dass es eine schöne Atmosphäre wird und die Besucher sich untereinander austauschen.
„Man denkt immer, dass so etwas nur ältere Menschen interessiert, weil Vinyl so ein altes Medium ist“, meint Fakesch. Dabei würden die Jungen genauso Platten sammeln. „Klar ist es bequemer, über das Handy Musik zu hören“, meint er. Eine Platte aufzulegen sei aber ein physischer Prozess. „Vinyl hat eine einzigartige Ästhetik und Haptik und ein tolles Design.“
Nach dem Flohmarkt geht es für Feierlustige im Le Pirate weiter. Dort legen Fakesch und Vrasec wieder ihre „Supermusik“ auf. Der Vinylflohmarkt soll in Zukunft einmal im Jahr stattfinden. Fakesch betont: „Wir wissen natürlich noch nicht, wie es ankommt. Es ist wirklich ein Experiment.“ Magdalena Aberle