Weiße und silberne Christbäume

von Redaktion

Blick in die städtischen Sammlungen – Weihnachtsschmuck im Gillitzerblock

Rosenheim – Der Häuserblock zwischen der Münchener Straße, der Prinzregentenstraße und der heutigen Gillitzerstraße – nach dem Bauherrn „Gillitzerblock“ genannt – umfasste ursprünglich rund 20 Läden, einige Werkstätten und Gewerberäume, ein Gasthaus, das Hotel „Deutscher Kaiser“ mit Theater- und Konzertsaal, zahlreiche Innenhöfe und etwa 90 Wohnungen. Noch in den 1950er- Jahren ähnelte das Zusammenleben der circa 300 Bewohner, für Rosenheim eher untypisch, dem in einer Großstadt.

In einer der Wohnungen lebte das Ehepaar Brand, das unter anderem in der Weihnachtszeit im Hof der nahegelegenen Stoll-Schule Christbäume verkaufte. Eine Tochter der Familie erinnert sich, dass ihre Mutter auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag einen kleinen Weihnachtsmarkt in der Prinzregentenstraße, auf dem es vor allem Weihnachtsschmuck zu kaufen gab, nach schönen Christbaumkugeln durchstöberte.

Der Christbaum der Familie Brand, ganz in Silber und Weiß gehalten, war im ganzen Block berühmt. Die Nachbarskinder durften zu Besuch kommen und den bis unter die Decke reichenden Baum bestaunen. Eine Tochter der Familie Brand erinnert sich: „Die Tanne nur mit weißem Schmuck und Lametta, das die Mutter Faden für Faden aufgehängt hat. Es sah aus wie ein Wasserfall, mit echten Kerzen bestückt, die ein wunderschönes warmes Licht verbreiteten. Plätzchen- und Glühweinduft erfüllte das Zimmer. Das war Weihnachten!“

Große Teile des von Frau Brand gesammelten Christbaumschmuckes wurden nun von ihr dem Städtischen Museum übergeben und sind zurzeit im Schaufenster im Mittertor zu bewundern.

Neben dem größeren Baum mit Schmuck der Familie Brand steht dort noch ein zweiter, kleinerer Baum mit dem Christbaumschmuck der ebenfalls im Gillitzerblock wohnenden Familie Schauer. Etwas weniger vielfältig und üppig als der Schmuck der Familie Brand, zeigt auch dieser Baum den Geschmack der 1950er-Jahre. Wichtig war vor allem viel Lametta. Damals noch aus Stanniol, gehörte es an jeden Christbaum. Die silbernen Fäden sollten das Glänzen von Eiszapfen nachahmen und wurden von den Hausfrauen nach Gebrauch oft liebevoll wieder glattgebügelt.

Vom gesamten Gillitzerblock ist heute nur mehr ein Gebäude, das Haus Münchener Straße 4, erhalten. In den Köpfen der noch lebenden, ehemaligen Bewohner ist das Leben dort aber immer noch präsent.

Lydia Zellner,

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