„Die Menschen haben heute kaum mehr Zeit“

von Redaktion

Oberbürgermeister Andreas März gratuliert Ingeborg Reimer zum 101. Geburtstag

Rosenheim – Was war das für eine Freude, als Oberbürgermeister Andreas März seine Aufwartung bei Ingeborg Reimer in Westerndorf St. Peter machte. Guter Grund, um gebührend zu gratulieren, schließlich wird man wie Reimer nicht alle Tage 101 Jahre alt. Sie weiß den hohen Besuch des Geburtstagsgastes sehr zu schätzen, denn „heutzutage haben die Menschen kaum mehr Zeit“, lacht sie freundlich und ist gleich in einem regen Gedankenaustausch mit ihm. Schließlich gibt es nach so einem langen Leben so vieles zu erzählen.

„Heute dürfen sie eine ganze Weile bei mir dableiben“, sagt sie, nachdem der Rathauschef keinen weiteren Termin an diesem Wochenendtag mehr hatte. Ingeborg Reimer ist in Breslau geboren und hat dort ihre Kindheit verbracht. Sie erinnert sich genau noch an die Zeit während des Zweiten Weltkriegs, als sie im Alter von 14 bis 16 Jahren in den Arbeits- und Kriegshilfsdienst eingezogen wurde und Feldarbeit verrichten musste.

„Bei einer Busfahrt zum Einkaufen in die Stadt habe ich damals meinen Mann kennengelernt, der im Lazarett war und aus dem Sudetenland stammte.“ Ins Schwärmen kommt sie, wenn sie an ihre Hochzeit 1944 in Breslau zurückdenkt: „Mit einer Hochzeitskutsche, gezogen von weißen Pferden.“ Sein Lebensweg hat das junge Paar 1946 nach Wasserburg geführt. Beruflich war die Jubilarin sehr vielseitig. Ihr erlernter Beruf war Näherin. Als sie mit ihrem Mann nach Bayern auswanderte, griffen beide zu Kamm und Schere und bestritten ihren Lebensunterhalt als Friseure in einem Bauernhof. „Am Sonntag in der Früh kamen hin und wieder Männer zu mir, um sich vor dem Kirchgang noch schnell die Haare schneiden zu lassen“, erzählt sie aus den Anfangsjahren in Wasserburg.

In ihrem Wohnzimmer fällt auch eine an der Wand hängende Gitarre auf. Darauf angesprochen kann sie nette Geschichten erzählen, denn das Ehepaar war auch sehr musikalisch und trat bei diversen Veranstaltungen und Bällen auf. „Mein Mann spielte unter anderem Klavier, der Schwager Akkordeon und ich war Schlagzeugerin“, erinnert sie sich gerne an diese musikalischen Auftritte, die vorwiegend in Wasserburger Gasthäusern stattfanden. Aber auch in Rosenheim waren sie mit ihrer kleinen Band unterwegs, um Tanzmusik zu machen, damals auch im Gasthof Kefer im Egarten. Nach Wasserburg hat es die beiden nach Rosenheim-Egarten verschlagen, wo sie sich ein schlichtes und einfaches Holzhaus gebaut hatten. Einige Jahre später haben sie sich nach einem anderen Zuhause umgeschaut, „und mein Mann ist mit dem Fahrrad in der Gegend umhergefahren, um nach einem Grundstück zu fragen.“ Fündig ist er in Westerndorf St. Peter geworden, wo sie jetzt noch im eigenen Haus wohnt. Ihr großes Hobby war die Gartenarbeit, der sie von früh bis spät nachging, solange es ihr Alter zuließ.

Dabei und bei vielen anderen Erledigungen im und um das Haus sowie Einkaufen oder Arztbesuchen ist Martin Loideller ihr Vertrauensmann, an den sie sich mit allen anfallenden Aufgaben wenden kann. Ihre Tochter und die zwei Enkel leben nicht in der näheren Umgebung und gratulierten der Jubilarin natürlich auch auf das Allerherzlichste. Von der evangelischen Pfarrei bekam sie ein Glückwunschschreiben.

Franz Ruprecht

Artikel 11 von 11