Lebendige Römer bringen Rosenheim zum Summen

von Redaktion

Museumsleiterin Andrea Krammer erweckt sie zum Leben – Vortrag des Historischen Vereins und eine kleine „Interimsausstellung“

Rosenheim – In Städten wie Augsburg oder Regensburg, so heißt es, dröhnt der Boden geradezu vor Geschichte, nicht zuletzt auch römischer Geschichte. In Rosenheim und der Region ist es vielleicht nicht gerade dieses machtvolle Dröhnen, aber ein leises beständiges Summen ist es durchaus, zumindest für den, der es hören will. Dieses Summen vernehmlicher zu machen, ist ein Anliegen des Städtischen Museums und insbesondere von Andrea Krammer, die das Museum seit Herbst 2023 leitet.

Auch deshalb gibt es seit Oktober vergangenen Jahres eine kleine Interimsausstellung im „Römerraum“, in dem lange nichts zu sehen war. Eigentlich wollte Andrea Krammer zu Beginn ihrer Leitungstätigkeit in Rosenheim keine Ausstellung über die Römer präsentieren. „Schließlich bin ich von der Ausbildung her Archäologin mit dem Spezialgebiet der römischen Provinzialarchäologie. Und ich fürchtete, wenn ich meine Arbeit hier ausgerechnet mit den Römern begänne, würde es heißen: ‚Klar, sie reitet hier halt einfach ihr wissenschaftliches Steckenpferd.‘“

Bald stellte sie jedoch fest, dass viele Besucher nach den Römern fragten und ein Bedarf bestand, mehr darüber zu wissen. Andrea Krammer beschloss, an ein Ausstellungskonzept von 2017 anzuknüpfen, das damals vom damaligen Leiter Walter Leicht gestoppt werden musste. Das Städtische Museum stand seinerzeit auf wackeligen Füßen, die bauliche Zukunft war ungewiss.

Die aktuelle Ausstellung zeigt bewusst nur Elemente des damaligen Konzeptes, das maßgeblich von Andrea Krammer, damals noch als freie Mitarbeiterin, mitgestaltet worden war. „Wir wollten uns in der Ausstellung jetzt auf die Aspekte konzentrieren, in denen Rosenheim ein Alleinstellungsmerkmal hat.“ Welche dies sind, wird Andrea Krammer am Donnerstag bei einem Vortrag des Historischen Vereins erläutern. Da der Vortrag in den Räumen des Städtischen Museums stattfindet, wird sich daran auch ein Besuch der Ausstellung anschließen. Besuchen kann man aber nur jemanden, der einem gewissermaßen als mit Leben erfüllte Person gegenübertritt. Mit Gestalten, die bloßes Papiergeraschel bleiben, wie viele sie aus dem Geschichtsunterricht noch in übler Erinnerung haben, ist das schwierig. Von daher ist die Richtung des Vortrags von Andrea Krammer, ist eigentlich die Zielrichtung ihrer ganzen Arbeit vorgegeben: Sie möchte die Römer als unsere Vorfahren, als lebendige Menschen wie du und ich zeigen, in ihren alltäglichen Lebensumständen und wie sie diese bewältigten. „In vielem“, so sagt sie, „hat sich der Mensch in seinem Denken und Erleben in den vergangenen knapp zwei Jahrtausenden nicht verändert. In manchem aber doch. Und es ist immer wieder spannend, wann man auf eindeutige Parallelen, aber auch auf Bruchstellen stößt.“ Günstig ist, dass Andrea Krammer auch das Leaderprojekt „Römerregion Chiemsee“ mitbetreute und mit ihrem Vortrag das römische Netzwerk einer ganzen Region zum Leben erwecken kann. Schon jetzt lässt sich verraten, dass das Wissen, das die Besucher am kommenden Donnerstag erwerben können, ihnen Hintergründe und Zusammenhänge aufzeigt, die bis heute fortwirken und dabei manchmal sogar ganz unmittelbar einen konkreten Alltagsnutzen haben: Wie etwa die Antwort auf die fast menschheitsalte Frage, ob es nun korrekt „der Butter“ oder „die Butter“ heißen sollte. Auch darüber, warum die Breze Breze heißt, wird es so ganz nebenbei Aufklärung geben.

Kurz: Man darf davon ausgehen, dass die Römer in unserer Region nach dem Vortrag nicht länger eingestaubte Geschichtsgestalten sein werden, sondern Menschen, denen man sich auch heute noch in vielem ganz nahe fühlen kann. Donnerstag, 19 Uhr, Städtisches Museum, Eintritt für alle Nichtmitglieder des Historischen Vereins: fünf Euro.

Johannes Thomae

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