Mit der Kamera zu den „bunten Bergen“

von Redaktion

Der Iran gilt als politisch instabil und gefährlich. Ernst Steiner (77) aus Rosenheim ist trotzdem dorthin gereist und hellauf begeistert zurückgekehrt. Was ihn an dem Land fasziniert und welche Gesprächsthemen man dort aber besser vermeiden sollte.

Rosenheim/Iran – Das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen in den Iran ab. Wer sich aktuell dort aufhält, soll baldmöglichst ausreisen. Die politische Lage ist instabil. Ernst Steiner aus Rosenheim ließ sich davon aber nicht abhalten. Der 77-Jährige war im vergangenen Jahr schon zum dritten Mal im Iran.

„Die wunderbaren Landschaften und die Menschen faszinieren mich“, sagt Steiner. Auch die jahrtausendealte Kultur sei sehenswert. Im September 2024 machte er sich deshalb erneut auf den Weg in die iranische Hauptstadt Teheran. „Ich habe ein Zeitfenster ausgenutzt, in dem es politisch ruhiger war“, sagt er. Flug und Einreise gestalteten sich für den Rosenheimer unproblematisch. Zwei Wochen hatte er dann Zeit, um in den Norden Irans zu reisen und sich dort seinen großen Traum zu erfüllen.

Reisehöhepunkt war
ein Lebenstraum

„Der Höhepunkt der Reise waren die sogenannten ‚Colorful Mountains‘, die ich schon immer einmal sehen wollte“, so Steiner. Diese Bergketten erstrecken sich seinen Erzählungen zufolge einige hundert Kilometer durch das Land. „Formationen dieser Art gibt es nur in Südamerika, Iran und China. Dort wurden Sandstein und Mineralien über Millionen von Jahren zusammengepresst. Je nach Tages- oder Jahreszeit leuchten deren Farben jetzt in den unterschiedlichsten Tönen“, erklärt er.

Ganz einfach gestaltet sich so eine Reise dann aber doch nicht. Von Teheran in den Norden führt noch eine vierspurige Autobahn. „Das ist alles gut ausgebaut, es gibt auch Raststätten. Da kann man nicht meckern“, sagt Steiner. Sobald man diese Straße aber verlässt und sich in die Seitentäler begibt, sieht es schon anders aus. „Dort gibt es so gut wie nichts zu kaufen. Eigentlich überhaupt nichts“, betont der Rosenheimer. Deshalb müsse man auch sein ganzes Equipment dabeihaben. Geschlafen wird größtenteils im Zelt.

Steiner wurde von dem Iraner Mehrdad begleitet, den er als seinen „Fahrer, Koch, Reiseführer, alles in einem“ bezeichnet. Ihn hat er über das Internet kennengelernt. Ohne Mehrdad hätte wohl nicht alles so reibungslos funktioniert. „Man sollte auf jeden Fall jemanden dabeihaben, der die Sprache spricht“, sagt Steiner. Außerdem kennt sich der Rosenheimer im Iran nicht aus. Sein Reiseführer hingegen weiß genau, welche Seitenstraßen er nehmen muss, um zu den schönsten Orten zu gelangen. „Allein sind diese Wege nicht zu finden“, betont Steiner.

Probleme gab es auf der Reise keine, wie Steiner sagt. „Wir waren sehr gut durchorganisiert“, betont er. Auch mit Polizei, Militär oder Milizen habe es keine Zusammenstöße gegeben. Einzig die Verkehrspolizei sei ihnen gelegentlich auf der Autobahn begegnet. „Das war wirklich easy“, erinnert sich Steiner. Angst hatte der Rosenheimer nicht. Und das, obwohl die Lage im Iran unberechenbar ist. „Man muss natürlich nicht unbedingt eine Drohne dabeihaben, die man dann irgendwo fliegen lässt. Auch politische Diskussionen und Situationen habe ich vermieden“, sagt Steiner. Schließlich wisse man nie, wem man gegenübersteht.

Grundsätzlich sei er dennoch von den Menschen im Iran begeistert und könne nur das Beste berichten. „Sie waren sehr freundlich und hilfsbereit“, erzählt der 77-Jährige. Entgegen den Erwartungen sehe man außerdem nicht nur verschleierte Frauen. „In der Hauptstadt Teheran ist das relativ offen. Manche sind auch mit High Heels unterwegs, teilweise ohne Kopftuch“, sagt er.

Deshalb ist Steiner überzeugt, dass man auch als Frau in den Iran reisen kann. „Wenn ein Reisebegleiter dabei ist, gibt es wahrscheinlich keine Probleme“, vermutet er. Die Iraner seien durchaus daran interessiert, mit westlichen Menschen zu sprechen. Die Begleitung setzt Steiner aber immer voraus, auch Kopftuch solle man besser tragen. Sich eben anpassen.

Eine Reise in das asiatische Land kann er nur weiterempfehlen. „Das ist einfach eine ganz neue Erfahrung“, betont er. Allein wegen der Landschaft, die so anders ist, als alles, was man in Deutschland kennt, sei der Iran einen Besuch wert. „Einmal durch die Wüste, die Ruhe genießen“, das fasziniert ihn besonders bei seinen Touren. Allerdings müsse man auch die Entbehrungen mögen, mit denen man auf einer solchen Reise konfrontiert wird.

Der Trip in den Iran ist für Ernst Steiner allerdings nicht die erste große Reise – ganz im Gegenteil. Der heute 77-Jährige war schon überall auf der Welt unterwegs. „In jüngeren Jahren war ich viel in Südostasien, habe Trekkingtouren im Himalaya und Karakorum unternommen“, erinnert er sich. Vor der Pandemie sei er durch die Wüsten Afrikas und schließlich auch in den Iran gereist. „Das liegt mir einfach in den Genen“, sagt Steiner und lacht. Er will die Länder kennenlernen und sehen, wie die Menschen dort leben. Das Reisen verbindet er mit einer weiteren Leidenschaft, dem Fotografieren. Mittlerweile ist Steiner zwar in Pension, doch davor arbeitete er für verschiedene Reiseunternehmen.

„Viel Geld kann man damit nicht verdienen“, weiß Steiner. Aber es gehe ihm nicht nur darum, sondern vielmehr um die Erfahrungen. Für die nächsten Jahre hat der Weltenbummler bisher nichts geplant. „Meine neuen Ziele kenne ich noch nicht“, sagt er. Vielleicht reist er noch einmal in den Iran. Vielleicht aber auch in ein anderes Land.

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