Mit welchen Vorurteilen die Männer von Sixx Paxx konfrontiert werden

von Redaktion

Interview David Farell, Kopf der Showgruppe, über das tägliche Training, eifersüchtige Partnerinnen und besondere Erlebnisse

Rosenheim – Männer, die tanzen und sich ausziehen. Das klingt für die meisten nach Prosecco, Junggesellinnenabschied und Schmuddel-Show. Doch von diesen Vorurteilen wollen die Sixx Paxx nichts wissen. Sie sehen sich als Unterhalter, als eine Gruppe Männer, die ihrem Publikum ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Doch ganz so einfach wird es ihnen oft nicht gemacht. Mit welchen Vorurteilen die Sixx Paxx immer wieder zu kämpfen haben, und wie der Beruf mit Familie und Partnerschaft vereinbar ist, erzählt der Kopf der Gruppe, David Farell, im exklusiven OVB-Interview.

Wenn man eure Plakate so sieht, denkt man erst mal an Stripper. Ist denn das überhaupt noch der richtige Begriff oder mittlerweile veraltet?

Sogar sehr veraltet. Deswegen geben wir uns auf den Plakaten auch Mühe, dass wir mit der Ästhetik glänzen. Im Prinzip hören wir das Wort auch gar nicht gerne, weil wir uns da nicht sehen. Bei Stripper hat man ja immer sofort diesen Typen im Kopf, der sich im Wohnzimmer einölt, durch die Gegend hüpft und eine Banane in der Hand hat. Das findet man bei uns eben nicht. Was wir viel mehr sein wollen, ist eine Entertainment-Show, bei der sie oder er zwei Stunden abschalten, Spaß haben und eine ästhetische, unterhaltsame und ansehnliche Show sehen kann.

Du hast gesagt „sie oder er“. Also sind auch Männer willkommen?

Ja klar. Da machen wir keine Unterschiede. Wenn er mitkommen möchte, dann kann er das gerne tun. Das ist natürlich im einstelligen Prozentbereich, wenn man das über das Jahr betrachtet, aber wir merken, dass sich hier und da doch immer ein, zwei, drei Männer mehr unter das Publikum mischen. Wir freuen uns dann auch, von denen mal ein „Von-Mann-zu-Mann-Feedback“ zu bekommen.

Sind das dann eher die Männer, die von ihren Frauen mitgeschleppt werden?

Auch. Wir haben natürlich auch manchmal vereinzelte, die neben ihrer Dame in der ersten Reihe sitzen und denen du dann im Gesichtsausdruck ansiehst: „Was mache ich eigentlich hier?“ Aber vielleicht manchmal auch der schwule Freund, der mitkommt, oder einfach nur der Freund, der in der Mädchengruppe dabei ist. Schön ist immer zu sehen, dass die das auch feiern und ihren Spaß haben.

Hinter eurem Aussehen steckt sicher eine Menge Arbeit. Wie oft trainiert ihr?

Wenn man das auf die Woche runter bricht, hält sich das von der Zeit her in Grenzen. Das heißt, wir trainieren in der Regel zwischen 30 Minuten bis eine Stunde, mehr ist es nicht. Und das fünfmal die Woche. Man darf aber nicht vergessen: Wir stehen zwei Stunden auf der Bühne. In den zwei Stunden verbraucht man Unmengen an Kalorien, und generell gehört ein gesunder Lebensstil und ein Auf-sich-Achten dazu, wenn man diesen Job macht und auf der Bühne steht.

Allerdings kann man das ja auch nicht ewig machen. Irgendwann ist man ja einfach zu alt, oder?

Ja, die Halbwertszeit ist relativ kurz. Wir sind quasi die coole Bundeswehr. Es macht zehn, 15 Jahre Spaß, und dann sollte man sich auch Gedanken machen, was man danach macht. Ich kann auch die Hand für alle Jungs ins Feuer legen, die haben wirklich alle was im Kopf. Die meisten haben etwas studiert oder studieren nebenbei. Viele haben einen Job, den sie mal gelernt haben, in den sie jederzeit zurückgehen können. Man darf natürlich auch nicht vergessen: In der Zeit, in der die Jungs bei uns sind, auf Tour sind und auf der Bühne stehen, verdienen sie nicht schlecht.

Also verdient man besser als in einem „durchschnittlichen“ Job?

Das klingt vielleicht hart, aber ich kann jedem jungen Menschen nur raten: Wenn du die Chance hast, mal zehn Jahre etwas Außergewöhnliches zu machen, dann mach das. Man hat nur ein Leben. Also warum soll sich jeder bei REWE an die Kasse setzen, dort 40 Stunden die Woche runterkloppen und sich dann am Wochenende keinen Spaß leisten können, wenn ich in der gleichen Zeit bei uns in einem Jahr verdienen kann, was ich dort wahrscheinlich in drei, vier Jahren verdiene? Und dann gilt es natürlich für jeden, sich dort aus dem Erarbeiteten etwas aufzubauen.

Du hast schon mit dem ein oder anderen Vorurteil aufgeräumt. Werdet ihr damit häufig konfrontiert?

Ja, leider, und zwar leider recht weitgreifend auf öffentlicher oder Verwaltungsebene. Es ist einfach unfassbar, mit wie vielen Vorurteilen wir da seitens Behörden jeglicher Art konfrontiert werden, die uns teilweise in der Altersbeschränkung begrenzen wollen. Wir hatten schon den Jugendschutzbeauftragten in München, der sich die Show angeguckt hat, um zu sehen, was wir da machen. Er hat festgestellt, alles in Ordnung, macht Spaß, ist launig, kann ab 16 Jahren besucht werden. Das haben wir uns auch schriftlich zukommen lassen. Dann muss ich aber trotzdem einmal die Woche mit einem alteingesessenen Büro-Fuzzi diskutieren.

Weswegen?

Da heißt es dann immer: „Die Stripper kommen, so einen Schmuddelkram wollen wir hier nicht“ Und das macht uns das Leben einfach unfassbar schwer und ist auch so der nervigste Punkt in dieser ganzen Geschichte. In manchen Kommunen zahlen wir Steuern, die eigentlich für Table-Dance-Läden und Spielcasinos ins Leben gerufen wurden. Und wir werden als Showproduktion, die sich in Aufwand, Form und Farbe von keiner Theateraufführung unterscheidet, immer in diese Schiene gedrängt. Dabei haben wir nur Profis auf der Bühne. Vom Musicaldarsteller bis zum Akrobaten. Da wird ganz eindeutig teilweise mit zweierlei Maß gemessen.

Klingt nach einer Menge Bürokratie…

Ja. Ich sitze fünf Tage die Woche im Büro und verbringe die Hälfte meiner Zeit damit, irgendwelche dämlichen Fragen zu beantworten. Dabei wollen wir einfach nur Spaß und Freude in die Welt bringen. Und unsere Shows zeigen ja, dass das super klappt. Wir haben ein Publikum im Alter von 16 bis 80 Jahren. Wir hatten wirklich mal vier Generationen in einer Show sitzen. Das war total schön, da war die Oma, die Mutter, die Tochter und die Enkelin. Ich habe die Oma auf die Bühne geholt, die Halle stand, die Oma hat gelacht und gesagt: „So einen schönen Abend habe ich seit 20 Jahren nicht mehr.“

Wie läuft das eigentlich bei euch privat? Dieser Job ist bestimmt nicht leicht mit Familie und Partnerin zu vereinbaren. Ist Eifersucht ein Thema?

Eifersucht ist schon ein schwieriges Thema. Aber auch die Partnerinnen der Jungs sind jederzeit eingeladen, kommen teilweise auch am Wochenende zu Besuch und reisen mit im Bus. Öffentlich suggerieren wir den Gästen natürlich, das sind hier alles Solo-Jungs. Aber unser täglicher Arbeitsablauf hat sich auch verändert. Als wir angefangen haben, waren wir schon eine junge Chaotentruppe. Mit den Jahren ist es professioneller geworden.

Gibt es ein Erlebnis bei einer Show, welches dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe viele Höhepunkte. Aber wir haben einen Moment in der Show, wo ich als Moderator auf die Bühne gehe und frage, wer Herzschmerz hat. Jemanden, der es verdient hat, ein Lächeln auf die Lippen gezaubert zu bekommen. Und dann habe ich eine Dame ausgewählt, die da relativ alleine saß. Unser Sänger hat ihr dann auf der Bühne eine romantische Ballade gesungen. Dann hat sie danach berichtet, dass sie gerade ihren Mann verloren hat. Im Nachgang hat sie mir noch geschrieben, dass sie mit dem Verlust ihren Lebensmut verloren hat, ihr aber der Abend so viel gegeben hat und sie so viel Spaß hatte wie lange nicht. Das war wirklich ergreifend.

Interview: Patricia Huber

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