Wirbel um geschlossene Zahnarztpraxis

von Redaktion

Es war eines der größten Gesprächsthemen dieser Tage in Rosenheim: Die Zahnarztpraxis „Rosenmund“, die sich im „Medical Cube“ befindet, hat zugemacht. Und das von heute auf morgen. Weder Mitarbeiter noch Patienten sollen darüber informiert worden sein. Eine Spurensuche führt ins irische Dublin.

Rosenheim – Kurz knackt es in der Leitung, dann springt der Anrufbeantworter an. Es ertönt die Stimme von Dr. Thorsten Lange. Gemeinsam mit Dr. Fotini Lange hat er die Zahnarztpraxis „Rosenmund“ im Ärztehaus „Medical Cube“ an der Luitpoldstraße betrieben. „Liebe Patienten, wir schließen unfreiwillig und dauerhaft die Praxis“, heißt es und weiter: „Bitte suchen Sie sich zur weiteren Behandlung eine andere Praxis. Wir danken Ihnen für ihr Vertrauen.“ Nur wenige Sekunden später ist die Ansage beendet.

Noch ein paar weitere Informationen stehen auf einem Blatt Papier, das irgendjemand vor einigen Tagen an der Tür der Praxis angebracht hat. „Die Praxis kann von uns leider nicht weiter betrieben werden“, steht dort. Man entschuldige sich für die Umstände und bittet darum, keine Post abzulegen, da „die Praxis nicht mehr existiert“.

Aufregung in den Sozialen Medien

Die Nachricht hat zahlreiche Patienten unvorbereitet getroffen. Das jedenfalls zeigt ein Blick in die Sozialen Medien. „Meine Mutter stand dort letztens vor verschlossener Tür, hatte einen Termin, den auch niemand abgesagt hat“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. Eine andere fügt hinzu: „Soweit ich weiß, wurde die Praxis von heute auf morgen geschlossen und allen Mitarbeitern gekündigt. Es wurde keinem Patienten mitgeteilt. Uns auch nicht.“

Auch zahlreiche OVB-Leser scheinen von der Schließung betroffen. So erreichten etliche Zuschriften die Redaktion. „Ich wurde per SMS informiert, dass die Praxis ab sofort geschlossen ist und ich mir einen neuen Zahnarzt suchen soll“, heißt es in einer E-Mail und weiter: „Wahnsinn, so was habe ich noch nicht erlebt, eine Arztpraxis schließt so kurzfristig, ohne die Patienten zu informieren. Sehr dubios.“

Wurden Mitarbeiter einfach entlassen?

Die Empörung ist groß, wohl auch bei den Mitarbeitern. Sie sollen – so heißt es aus gut informierten Kreisen – ein Kündigungsschreiben erhalten haben und standen einen Tag später vor verschlossenen Türen. Ihre persönlichen Sachen seien in einer Tüte gewesen, die jemand vor die Tür der Praxis gestellt hatte.

Was genau an den Gerüchten dran ist, lässt sich nicht verifizieren. Die E-Mail-Adresse der Praxis existiert nicht mehr, Gleiches gilt für die Homepage der Praxis. Über Dritte lassen die beiden Zahnärzte ausrichten, dass sie an einer Berichterstattung nicht interessiert sind.

Etwas Licht ins Dunkel bringt eine OVB-Anfrage beim Zahnärztlichen Bezirksverband Oberbayern (ZBV). „Nach unseren Informationen sind die Inhaber der Praxis Rosenmund nach Dublin verzogen“, sagt ZBV-Vorsitzender Dr. Christopher Höglmüller. Er selbst habe hiervon „nur sehr kurzfristig Kenntnis erlangt“. Weitere Informationen über die Hintergründe würden auch ihm nicht vorliegen.

Amtsgericht ist keine Insolvenz bekannt

Auch einen Insolvenzantrag scheinen Dr. Fotini und Thorsten Lange nicht gestellt zu haben. Das geht aus einer Anfrage beim Amtsgericht Rosenheim hervor. „Insolvenzverfahren bezüglich dieser Personen sind hier nicht bekannt“, sagt Pressesprecher Stefan Tillmann.

Nach wie vor gibt es also zahlreiche offene Fragen. Fragen, auf die wohl nur Dr. Thorsten Lange und Dr. Fotini Lange die Antworten kennen. Fest steht, dass sich die zahlreichen Patienten einen neuen Zahnarzt suchen müssen. Informationen darüber, was aus den Praxisräumen im „Medical Cube“ wird, gibt es ebenfalls noch nicht. Sowohl schriftliche als auch telefonische Anfragen bei dem neuen Besitzer, der Hamburger Investmentgesellschaft „Captiva“, blieben unbeantwortet.

Artikel 7 von 11