Rosenheim – Daniel Mino (15) kommt aus Italien und hat bereits rassistische Sprüche erlebt. „Beim Fußball werde ich manchmal wegen meiner Herkunft beleidigt. Das ist nicht cool“, sagt er. Mittlerweile habe er gelernt, wegzuhören und versucht, sich davon nicht herunterziehen zu lassen. Immer gelinge ihm das aber nicht. „Für rassistische Sprüche sollte es eine Rote Karte geben“, sagt er. Er wünscht sich, dass die Menschen über ausländerfeindliche Beleidigungen besser aufgeklärt werden. Deswegen halten Mino und seine Klassenkameraden der Johann-Rieder-Realschule nun selbst Vorträge über Rassismus, Demokratie und Diversität.
Fakten gegen Fakenews
Über drei Tage hinweg beschäftigen sich die Schüler mit Fragen wie: Was ist der Unterschied zwischen einer präsidentieller und einer parlamentarischen Demokratie? Wie sollen wir miteinander umgehen? Wie entdecke ich Falschnachrichten? In mehreren 20-minütigen Schülervorträgen vermitteln die Jugendlichen Wissen über Politik im Alltag, Demokratie in der Schule und der gemeinsamen Gestaltung von Schulregeln. Auch Projekte wie „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden vorgestellt.
Dabei hören ihnen nicht nur Mitschüler zu, sondern auch Vertreter aus Politik und Wirtschaft aus der Region. Am ersten Tag ist auch Oberbürgermeister Andreas März unter den Zuschauern. In einer Bürgermeister-Sprechstunde konnte er sich mit den Schülern austauschen. „Wir alle – auch ihr jungen Leute – haben in unserem Zusammenleben ein Mitspracherecht und können uns einbringen“, sagt Andreas März den Jugendlichen laut einer Pressemitteilung der Schule.
Jedes Jahr findet in den achten Klassen eine Vortragsreihe der achten Klassen statt. Dabei wechselt das Thema jedes Jahr. Als die Schüler im Oktober mit den Vorbereitungen der Präsentation begannen, habe Schulleiterin Sibylle Daxlberger nicht gewusst, wie präsent das Thema Demokratie drei Monate später werden würde. „Die Demokratie war noch nie so zerbrechlich wie jetzt gerade“, sagt sie. In ihrer Einführungsrede erinnerte sie an den 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und ermutigte die Zuhörer, die Demokratie zu schützen und aktiv zu gestalten. „Ich möchte, dass ihr nicht schweigt und wegschaut – engagiert euch und bringt euch ein“, sagt sie. Auch die Schüler sehen die aktuellen politischen Entwicklungen mit Sorge. „Seit Trump in Amerika gewählt wurde, bricht alles zusammen“, sagt Schüler Anton Wimmer (15). Er finde es kritisch, dass die Parteien untereinander gegeneinander hetzen. „Auf Social Media sieht man oft, wie die Parteien einander als „böse“ bezeichnen“, sagt er. Er wünsche sich mehr Sachlichkeit in der politischen Debatte. „Man soll sich seine eigene Meinung bilden können, ohne dass eine Partei die Meinung vorgeben will“, sagt er. Wimmer hofft, dass sich die Situation nach der Wahl in Deutschland stabilisiert.
Lucius Schumacher (15) wünscht sich ebenfalls, dass die Stimmung sich beruhigen sollte. „Egal ob links oder rechts, die Stimmung wird immer extremer“, sagt er. Er wünscht sich, dass die Menschen wieder aufeinander zugehen und sich unterstützen, anstatt sich anzufeinden.
Einander zu unterstützen, das ist auch ein Thema der Vorträge. Die Schüler gestalten dazu Filme, kleine Theaterstücke und Infotafeln „Wir wollen dadurch erreichen, dass die Jugendlichen den Wert der Demokratie schätzen und sich dafür einsetzen“, sagt Daxlberger.