„Einer der besten Tage des Jahres“

von Redaktion

Rosenheim im Faschingsfieber: Hunderte Narren nahmen gestern am traditionellen Faschingstreiben auf dem Max-Josefs-Platz teil – mit teils kuriosen Verkleidungen. Über einen ausgelassenen Tag, an dem es auch nachdenkliche Momente gab.

Rosenheim – Kreativität ist Bea und Tom wichtig. Seit die beiden vor etwas mehr als 15 Jahren nach Rosenheim gezogen sind, ist ein Besuch auf dem Max-Josefs-Platz am Faschingsdienstag Pflicht. „Ich suche jedes Jahr nach einem kreativen Kostüm“, sagt Bea. Im vergangenen Jahr seien sie als Raben unterwegs gewesen, mit selbst gebastelten Gesichtsmasken, 2023 kamen sie verkleidet als Strichmännchen. Heuer sind die beiden als Kaktus gekommen.

„Wir haben das Kostüm an zwei Sonntagnachmittagen gebastelt“, sagt Bea. An ihr vorbei geht ein Sheriff, direkt daneben hat sich eine Gruppe Minions für ein Foto aufgestellt. „Wir treffen hier unsere Freunde und Menschen, die wir schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben“, sagt Tom. Ihnen gefalle die gute Stimmung, die Möglichkeit zu tanzen und den Alltag für einen kurzen Moment zu vergessen. Auch wenn das nicht immer klappt.

„Die Polizei ist
gut präsent“

Denn auch Bea und Tom haben die Nachrichten rund um die Amokfahrt in Mannheim verfolgt. „Natürlich haben wir das im Hinterkopf“, sagt Bea. Umso erleichterter sei sie gewesen, als sie die großen Betonpoller gesehen hat, die an allen Zugängen für die nötige Sicherheit sorgen sollen. „Die Polizei ist gut präsent“, sagt Tom und fügt hinzu: „Wir fühlen uns sicher.“

Über das Attentat nachdenken, tun Petra und Nicole an diesem Nachmittag nicht. „Die gute Laune steht für uns heute im Vordergrund“, sagen sie. Die beiden tragen Kleider aus dem 17. Jahrhundert – mit Petticoat, Schirm, Maske und einer Perücke. Bereits im vergangenen Jahr sei die Idee für das Kostüm entstanden, das dann kurzerhand im Internet bestellt wurde. Jahr um Jahr seien die beiden am Faschingsdienstag dabei. „Es ist einer der besten Tage des Jahres. Und die Sonne scheint“, ergänzt Nicole.

Direkt neben den beiden stehen Peter und Andrea. Andrea trägt ein Rockabilly-Kleid, inspiriert von den 60er-Jahren, Peter hat sich als Wikinger verkleidet – mit einer Kampfwunde an der Stirn. „Wir suchen uns jedes Jahr ein anderes Kostüm aus“, sagt Andrea. Auch sie sei am Faschingsdienstag immer auf dem Max-Josefs-Platz unterwegs.

Ebenfalls zum wiederholten Mal dabei sind Rita und Corinna aus Rosenheim. Während Corinna als Alice aus dem Wunderland verkleidet ist, geht Mama Rita als Cruella De Vil aus dem Film 101 Dalmatiner. „Wir haben überlegt, welche Disney-Figur zu mir passen würde“, sagt sie und lacht. Am Ende sei die Wahl auf Cruella gefallen. Die Teile, die sie für ihr Kostüm brauchte, habe sie fast alle in ihrem Kleiderschrank gefunden. Gürtel, Pelzjacke und Perücke hat sie gekauft.

Nicht weniger kreativ waren Tobias und Anna-Maria aus Rosenheim. Vor allem Tobias hat sich heuer ordentlich ins Zeug gelegt. „Ich bin ein Waldelf mit einem Vogelnest auf dem Kopf“, sagt er. An Hose und Pullover hat er in mühevoller Kleinarbeit Efeu befestigt. Auf dem Kopf trägt er einen Brotkorb – mit Vogeldesign. Der Brotkorb sei es letztendlich auch gewesen, der die Inspiration für das Kostüm lieferte. „Der hat super gepasst, daraus musste ich etwas machen“, sagt er. Er und seine Freunde seien an jedem Faschingsdienstag auf dem Max-Josefs-Platz. „Es macht einfach Spaß“, sagt er.

Etwas weniger Gedanken um ihr Kostüm haben sich Tobias und Marcel gemacht. „Das war alles recht spontan“, sagt Marcel. Er trägt ein pinkes Schweinchenkostüm und als Rucksack einen kleinen Affen. Tobias hat sich als Obelix versucht. „Ich komme ursprünglich aus Köln“, sagt Marcel. Vor drei Jahren sei er nach Rosenheim gezogen und habe sich jetzt zum ersten Mal ins Faschingsgetümmel am Max-Josefs-Platz gestürzt. „So richtig mithalten kann Rosenheim mit Köln noch nicht. Aber es ist trotzdem sehr schön. Ich fühle mich hier sehr geborgen“, sagt er. Ihre Mission an diesem Nachmittag: „Wir wollen Freundschaften schließen und für gute Stimmung sorgen.“

Auf gute Stimmung setzen auch Moni und Lydia. Die beiden Frauen ziehen schon seit 20 Jahren gemeinsam am Faschingsdienstag um die Häuser – immer als Kühe verkleidet. Das Kostüm haben sie selbst genäht, die Gesichter aufwendig geschminkt. „Wir sind eine Institution beim Faschingsdienstag“, sagt Lydia. Besonders gerne erinnert sie sich an das vergangene Jahr. Damals hatte sie sich eine Pumpe eingebaut. Jeder, der an den Zitzen gezogen hatte, die auf jedem T-Shirt angenäht sind, sei „voller Milch gewesen“. „Der Fasching ist für uns besonders. Wir lieben es, neue Leute kennenzulernen und Spaß zu haben“, sagt Moni.

Veranstalter zieht
positives Fazit

Neben dem Spaß kam auch das Showprogramm nicht zu kurz. Nach der Eröffnung durch die Kindergarden Bernau und Bad Endorf traten unter anderem die Faschingsgilden aus Rosenheim, Bad Endorf und Bernau auf. Auch die Showtanzgruppe Inntal und die Kastenauer Garde sorgten für gute Stimmung – und lauten Applaus. Von 16 bis 22 Uhr fand das XXL-Faschingsfinale mit DJ Nik Horner statt.

Ein erstes positives Zwischenfazit zog auch die Rosenheimer Polizei. So hat es laut Hauptkommissar Robert Maurer bis kurz nach 17 Uhr keinerlei Zwischenfälle gegeben.

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