Rosenheim – Spezialeinsatz an der Kirchenkuppel: Die Renovierung der Rundkirche Sankt Johann Baptist und Heilig Kreuz im Rosenheimer Stadtteil Westerndorf am Wasen hat jetzt eine symbolische Hürde genommen. Nach seiner Erneuerung erstrahlt das Kreuz auf der großen Zwiebelhaube des Gotteshauses wieder in goldenem Glanz. Ein Arbeitskran hat das sogenannte ungarische Doppelkreuz, auch Patriarchenkreuz genannt, an seine Stelle gehoben, nachdem es eine Spenglerei fachmännisch aufgearbeitet hatte.
Tonnenschwerer
Kran vor Ort
Selim Memic ist rundum zufrieden. „Es ist alles sehr gut gelaufen“, sagt der Fachmann des technischen Außendienstes vom Rosenheimer Standort der Firma BKL Baukran Logistik GmbH mit Sitz in Schechen am Tag nach dem Einsatz gegenüber unserer Zeitung am Telefon. Die Spezialfirma hob mit einem fünfachsigen 270-Tonnen-Arbeitskran das Objekt samt Turmkugel auf rund 20 Meter Höhe. Dazu waren höchste Konzentration, Präzision und Schwindelfreiheit aller Beteiligten erforderlich. Und eine Vollsperrung der benachbarten Straße von 8 Uhr früh bis in den Nachmittag hinein. Eine der Herausforderungen war laut Memic das Einrichten eines geeigneten Standplatzes für das Fahrzeug.
Das Kreuz und die Kapsel in den Rosenheimer Süden hatte die zuvor damit beschäftigte Spenglerei Maier und Sohn GbR Metallbau aus dem Rotter Ortsteil Meiling angeliefert. Sie war in den vergangenen Monaten mit der Restaurierung beschäftigt gewesen. Doch nicht nur ganz oben an der Spitze der Kuppel hat sich etwas verändert. „Es tut sich zurzeit einiges“, sagt Franz Unterlinner aus Westerndorf. Beim Schreinermeister laufen alle Fäden der Renovierung zusammen. Er ist Mitglied der Kirchenverwaltung und wohnt in unmittelbarer Nähe der Kirche. So hat eine Gerüstbaufirma in den vergangenen Wochen die oberste Reihe des Spezialgerüsts bereits wieder entfernt. Denn am Dach sind, anders als noch bis vor Kurzem gedacht, keine flächendeckenden Auswechslungen der Schieferschindeln notwendig. Das, was eine Spezialfirma mit einer Seilbahn im vergangenen Jahr dort geleistet hat (wir berichteten), reicht nach neuesten Erkenntnissen derzeit aus. Zusätzlich wird die riesige Dachkuppel künftig regelmäßig und prophylaktisch mit einer Drohne beflogen, um Schäden schneller feststellen zu können. Jetzt geht es weiter mit dem Mauerwerk. Verputzer und Maler sind bereits verständigt und sollen in den kommenden Tagen loslegen, wenn es die Witterung zulässt. Das Wetter war ohnehin ein Faktor, der die gesamte Bauzeit über die Abläufe der Arbeiten in den vergangenen Jahren stark beeinflusst hat und immer mal wieder kurzfristige Änderungen erforderlich machte. Ein anderer war und ist die extrem seltene graue Langohrfledermaus. Zumindest jetzt, wenn der Schwerpunkt der Arbeiten sich wieder etwas nach unten verlagert, dürfte es dadurch vorübergehend keine Einschränkungen geben.
Daneben stehen auch im Inneren der Kirche noch Malerarbeiten an, bevor die Empore wieder genutzt werden kann. Der Zugang dorthin ist noch immer nur dem Organisten vorbehalten. Im Sommer folgen Maßnahmen am Friedhof. Ein neuer Wassertrog an der Ostseite – der Anschluss ist bereits fertiggestellt – soll folgen. Ebenso spielt das Thema Barrierefreiheit eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund entsteht laut Unterlinner ein gepflasterter Weg. Er soll mobilitätseingeschränkten Menschen den Zugang zur Barockkirche erleichtern.
Vollsperrung
erneut möglich
Doch bis alles abgeschlossen werden kann und das allerletzte Werkzeug wieder im Schrank aufgeräumt ist, wird es wohl noch eine Weile dauern. „Jahresende“ lautet die Prognose der Fachleute. Je nach Baufortschritt kann es zudem sein, dass aus Gründen der Arbeitssicherheit noch einmal eine Vollsperrung von Kirche und Friedhof erforderlich ist, wie Architekt Anton Huber mitgeteilt hat. Die Stadtkirche informiert deshalb regelmäßig über Änderungen und Einschränkungen, die im Internet unter www. kirchenamwasen.de nachzulesen sind.