Rosenheim – In der deutschen Gesellschaft spielt das Ehrenamt eine große Rolle, viele Millionen Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit für das Gemeinwohl. Ob auf dem Sportplatz oder im Seniorenheim – das Ehrenamt bereichert das Zusammenleben unserer Gesellschaft und bietet Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen Hilfe und Unterstützung.
Auch die Integrationslotsen und Ehrenamtskoordination des Fachdienstes Asyl und Migration der Caritas Rosenheim setzen auf die Unterstützung durch freiwillig Helfende, ohne deren Engagement viele Aufgaben nicht zu bewältigen wären. Stellvertretend für viele Ehrenamtliche erzählen heute Hildegund Weiß und Felix Haller von ihren Engagements. Beide verbringen drei bis vier Stunden wöchentlich mit ihren Ehrenämtern.
Welches Ehrenamt machen Sie wie lange schon?
Hildegund Weiß: Bei mir sind es Ehrenämter! Ich bin Wanderleiterin beim DAV Rosenheim, Fahrradbücherbotin für die Stadtbibliothek und ich gebe Nachhilfe in der deutschen Sprache, das mache ich schon seit 2015. Angefangen habe ich dabei als Hilfslehrkraft im Alphabetisierungskurs. Spaß macht mir vor allem die Unterstützung bei der Vorbereitung auf eine berufliche Prüfung, zum Beispiel Busfahrer oder Zahnmedizinische Fachangestellte; dabei geht es vor allem um das Erklären von fachlichen Inhalten und um das Verstehen von Prüfungsfragen, bei Einzelunterricht auch meist um das Bestehen einer Prüfung.
Felix Haller: Ich bin schon seit meiner Jugend ehrenamtlich tätig, angefangen habe ich bei der Wasserwacht des BRK. Seit zehn Jahren engagiere ich mich in der Asylhilfe in Bruckmühl, je nach Bedarf und Dringlichkeit und wie ich es zeitlich neben dem Beruf schaffe, Flexibilität ist mir wichtig. 2014/2015 war es eine bewusste Entscheidung. Ich wollte mich nicht nur informieren und Meinungen hören, sondern aktiv werden und mir ein eigenes Bild über die Lage der hier ankommenden Menschen machen. Und vor allem wollte und will ich helfen und die Menschen und deren Geschichten kennenlernen. Aktuell bin ich im Organisations-Team und im Deutsch-Team. Einmal im Monat veranstalten wir ein Café International.
Empfinden Sie Ihr Ehrenamt manchmal auch als anstrengend?
Felix Haller: Es ist natürlich anstrengend, regelmäßig neben dem Beruf die Zeit aufzubringen. Die Arbeit jedoch macht Freude, man lernt viel und erfährt auch viel Dankbarkeit. Die gute Stimmung im Team und die netten Leute tun ihr Übriges. Und auch die Haltung des Partners ist wichtig! Hier braucht es auch Unterstützung, Verständnis und Geduld.
Hildegund Weiß: Ich erkläre und helfe sehr gerne! Vom eigenen Erlernen von Fremdsprachen weiß ich: Übung, Übung, Übung. Wenn mein Gegenüber motiviert ist, verschwindet jeglicher Anflug von Anstrengung.
Was sagen Sie denen, die sich für ein Ehrenamt interessieren, aber noch unentschlossen sind?
Hildegard Weiß und Felix Haller: Einfach machen! Wenn die erste Tätigkeit nicht so das Richtige ist, dann etwas anderes versuchen. Es macht grundsätzlich Spaß neue Leute kennenzulernen. Meist sind diese Menschen sehr dankbar und man bekommt viel zurück, wie man so schön sagt.
Felix Haller: Wenn man ehrenamtlich handelt, muss nun wirklich nicht alles perfekt sein. Die wichtigste Qualifikation ist meiner Meinung nach das Wollen!
Frau Weiß, wie würden Sie den diesen Satz ergänzen: Ein Leben ohne Ehrenamt ist zwar vorstellbar, aber …
Wenn jemand Zeit hat, so wie ich, sollte sich jeder etwas suchen. Unser Zusammenleben ist nur so gut, wie wir uns darum kümmern. Eine Gemeinschaft lebt vom Geben und Nehmen, auch wenn uns der Staat viel bietet, wir leben als Menschen zusammen und dazu müssen wir uns kennenlernen. Jede Horizonterweiterung tut gut und macht Spaß.
Und Herr Haller?
Ein Leben ohne Ehrenamt ist zwar vorstellbar, aber irgendetwas fehlt ja dann doch.
Bei Interesse an einem Ehrenamt im Bereich Asyl und Migration steht die Ehrenamtskoordination der Caritas Rosenheim für alle Fragen zur Verfügung. Kontakt unter 08031/3531121 oder per E-Mail an eak-ro@caritasmuenchen.org.