Rosenheim – Mit der Einführung des Fassadenpreises reagierte die Stadt Rosenheim in den frühen 1970er-Jahren – laut dem Rosenheimer Stadtarchiv – auf die Unzufriedenheit vieler Bürger über die starken Veränderungen im Stadtbild seit dem Zweiten Weltkrieg. Seitdem wird die Auszeichnung jährlich verliehen. Die Gewinner bekommen eine Urkunde und eine Kachel für die Hauswand. Mittlerweile wurden bereits über 150 Gebäude in der Stadt ausgezeichnet.
Sie eint, dass sie allesamt aus der Zeit des Jugendstils stammen, dieser hatte seine Blütezeit zwischen 1890 und 1910. Beim Gebäude an der Dr.-Geiger-Straße 1 ist das der Fall. Erbaut wurde es im Jahr 1909 zusammen mit dem Eckgebäude an der Königstraße 9. Nun wurde es aufwendig von der Firma Aicher renoviert. Für die Planung zuständig war das Architekturbüro Robert Ketterer.
Originalzustand des
Erscheinungsjahres
Peter Rein vom Bauordnungsamt kam bei der Vorstellung des Gebäudes an der Dr.-Geiger-Straße 1 in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses ins Schwärmen, als er den Stadträten schilderte, welche Anstrengungen der Bauherr unternahm, um das Haus wieder vom Aussehen her in den Originalzustand seines Entstehungsjahrs zu versetzen.
Die Farbgebung, einschließlich der farbig abgesetzten Nischen und Loggien, entspricht jetzt, dank restauratorischen Befunduntersuchungen, wieder dem ursprünglichen Erscheinungsbild. Die Kunststofffenster wurden durch handgefertigte Holzfenster ersetzt, ebenso die Rollos. Das Dach wurde historisch korrekt mit Biberschwanzziegeln neu eingedeckt.
„Das Anwesen ist durch die Maßnahme wieder ein echter Blickfang im Straßenbild der Dr.-Geiger-Straße geworden“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage. Diesem Urteil schlossen sich auch die Stadträte quer durch alle Fraktionen an. Somit stand der erste Gewinner für 2024 fest.
Außerdem sollten für 2024 ursprünglich zwei Anerkennungspreise vergeben werden. Zum einen für das Gebäude 25 bis 27 an der Innstraße. Bauherr ist das Unternehmen Wurm. Für die Planungen zuständig war das Architekturbüro Enxing, Kurfer und Partner. Bei der Beurteilung des typischen Wohn- und Gewerbeblocks aus den 1960er- und 1970er-Jahren wurde vor allem die neue Außenwandverkleidung hervorgehoben, die dem mehrgeschossigen Gebäude ein freundliches, heiteres Aussehen verleihe.
Für den zweiten Anerkennungspreis vorgeschlagen wurde der Gebäudekomplex an der Ruedorfferstraße 1 und 3. Bauherr ist die Firma Josef Kerschbaumer. Für die Planung zuständig war die Architektur Petzenhammer und Stadtplanung GmbH. Besonderes Augenmerk wurde bei dieser Baumaßnahme auf die Beibehaltung der historischen Gestaltung des Gebäudes und des traditionellen Erscheinungsbildes gelegt. Dazu zählt auch die Wiedereröffnung der „Kerschbaumer-Passage“.
Bei dieser Maßnahme zeigten sich die Stadträte so begeistert, dass ihnen eine Anerkennung zu wenig erschien. Sie sahen darin mehrheitlich einen weiteren klaren Fassadenpreisträger. Das Problem: Geht es nach der derzeitigen Satzung, ist das Gebäude zu jung, um mit dem Fassadenpreis ausgezeichnet zu werden.
Insgesamt wurden
drei Preise vergeben
CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann schlug deshalb vor, die Satzung umzuändern. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Abuzar Erdogan sprach sich für eine Satzungsänderung aus und dachte dabei auch an den Fassadenpreis an sich: „Ansonsten stellt sich die Frage, was wir tun, wenn wir alle Objekte auszeichnen, die den jetzigen engen Kriterien entsprechen. Sollten wir den Preis dann abschaffen oder jetzt lieber die Satzung überarbeiten?“
Einstimmig sprachen sich die Stadträte schließlich dafür aus, dass die Satzung überarbeitet werden soll. Damit werden nun für 2024 zwei Fassadenpreise und ein Anerkennungspreis vergeben.