Rosenheim – Im Alter von 17 Jahren hat sich Tanja Gaida ihr erstes Tattoo stechen lassen: Blumen, die seitlich am Bauch entlangranken. Mittlerweile zieren mehr als 25 Stück ihren Körper. Die 29-Jährige weiß von den gesundheitlichen Risiken, die ein Tattoo birgt. „Mir wurde immer regelkonform erklärt, dass es zum Beispiel zu Hautunverträglichkeiten kommen kann“, sagt Gaida. Auch über Krebsrisiken sei sie aufgeklärt worden.
Dennoch entschied sie sich immer wieder für Tattoos und nahm dabei mögliche gesundheitliche Folgen in Kauf.
Problematische Tattoo-Farben
Dass die Risiken beim Tätowieren groß sind, weiß auch Doktor Christoph Liebich. Er ist Hautarzt in München und ihm zufolge können Tattoos sogar sehr gefährlich sein. „Tattoo-Farben haben grundsätzlich kein richtiges Zulassungsverfahren wie andere Medikamente, die man sich zum Beispiel in die Haut spritzen lässt“, sagt er auf OVB-Anfrage. Es gebe zwar eine Verordnung, die besonders gefährliche Farben verbiete, das bedeute aber nicht, dass andere ungefährlich seien.
„In der Vergangenheit wurden Tattoo-Farben verwendet, die aus der Lackindustrie stammen und Schwermetalle sowie andere Stoffe enthalten haben“, erklärt Liebich. Die Farben, die wirklich giftig sind, seien zum Großteil schon verboten worden. Allerdings bergen auch andere Farben Gefahren. Denn nicht immer wisse man, was genau darin enthalten sei.
„Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass durch das Tätowieren eine Infektion entsteht“, betont Liebich. Deshalb sei es auch extrem wichtig, dass hygienisch gearbeitet werde. „Tattoo-Farben können außerdem Allergien auslösen“, so der Hautarzt. Außerdem gibt es ihm zufolge wissenschaftliche Publikationen, die zeigen, dass sich aus der Tattoo-Farbe ein Krebsgeschwür entwickeln kann. „Das ist nicht ausgeschlossen“, sagt Liebich.
Dass bestimmte Hauttypen besonders gefährdet sind, kann er nicht bestätigen. Allerdings rät er prinzipiell von Tätowierungen ab. Die Risiken seien einfach zu groß. „Ich würde mir niemals ein Tattoo stechen lassen“, betont der Hautarzt.
Tanja Gaida sagt aber: „Ich lebe nur einmal.“ Tätowierungen gehören für sie dazu, mit ihnen fühle sie sich wohl. Sie lebte lange in Amerang im Landkreis Rosenheim, zog dann aber nach Bad Tölz. Auch in Rosenheim war sie für ihre Tattoos bekannt: 2019 gewann sie die Wahl zur örtlichen Miss Tattoo.
„Werde immer weitermachen“
Gaida verlor vor einigen Jahren ihre Schwester an Krebs, wie sie erzählt. „Ich habe erfahren, wie es ist, wenn man sich da durchkämpfen muss“, betont sie. So etwas wünsche sie keinem. „Ich denke aber, man kann nicht selbst beeinflussen, ob man Krebs bekommt, oder nicht“, so Gaida. Natürlich helfe ein gesundes Leben und Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst. „Für mich ist es aber am wichtigsten, dass man sich gut fühlt und sein inneres Kind glücklich macht.“
Für die 29-Jährige sind Tattoos Geschichten und Erinnerungen an Kämpfe, wie sie selbst sagt. „Narben erzählen Geschichte, Tattoos schreiben Kapitel“, betont sie. Jede Linie und jeder Strich sei ein Teil ihres Weges. „Deshalb werde ich immer weitermachen“, betont Gaida.