Rosenheim – Nach knapp drei Jahrzehnten stellt der Verein „Pro Arbeit Rosenheim“ zum 31. August seinen Betrieb ein. Wie der Verein mitteilt, folgt anschließend die Auflösung der 1997 gegründeten Organisation. Dennoch wird die Arbeit unter neuen Trägern fortgeführt und die Arbeitsplätze der rund 50 Mitarbeiter bleiben gesichert.
Der Fachkräftemangel ist laut Angaben des Vereins der ausschlaggebende Grund für diesen Schritt. Mit dem bevorstehenden Ruhestand der Geschäftsführerin Claudia Georgii sowie dem Ausscheiden der langjährigen Buchhalterin würden zentrale Positionen vakant, die nur schwer nachzubesetzen seien, erklärt Vereinsvorsitzender Harald Neu. Zudem sei die Personalabteilung krankheitsbedingt bereits seit längerer Zeit dezimiert.
Aktuell ist „Pro Arbeit“ im Rahmen der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) an insgesamt 29 Einrichtungen in der Stadt und im Landkreis Rosenheim tätig. Sozialpädagogische Fachkräfte kümmern sich dort um Kinder und Jugendliche, führen Einzelgespräche, stehen in Kontakt mit Eltern und organisieren Gruppenarbeiten. Hinzu kommen Vermittlungscoaching im Auftrag der Jobcenter sowie diverse Einzelprojekte, die jungen Menschen den Einstieg ins Arbeitsleben erleichtern oder ermöglichen sollen.
Jugendamt der Stadt
übernimmt Betreuung
„Uns liegt am Herzen, dass die jahrelange Erfahrung unserer Sozialpädagogen erhalten bleibt und dass vor allem an den Schulen die Kontinuität gewahrt wird“, betonen Claudia Georgii und Harald Neu. Die Jugendsozialarbeit an den Rosenheimer Schulen wird künftig beim Jugendamt der Stadt angesiedelt sein. Im Inntal und an den vier Berufsschulen übernimmt die Diakonie diesen Bereich, während die JaS im Mangfalltal bei der Arbeiterwohlfahrt verankert wird. „Für die Schulen ändert sich also nichts“, so Georgii und Neu. Der Verein habe großen Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter auch unter den neuen Trägern ihre bisherigen Arbeitsplätze behalten. „Ein Übergang ohne Probezeit, mit Anerkennung der Einstufung und der Dienstjahre war uns sehr wichtig“, erklären die Verantwortlichen.
Auch das Qualipaten-Projekt, bei dem rund 30 Ehrenamtliche an vier Rosenheimer Mittelschulen Jugendliche auf ihrem Weg zum Schulabschluss und bei der Suche nach Ausbildungsstellen unterstützen, soll durch einen neuen Träger in der Stadt Rosenheim gesichert werden. Für kleinere Projekte des Vereins laufen ebenfalls bereits vielversprechende Verhandlungen mit Trägern der freien Jugendhilfe. Dem städtischen Jugendamtsleiter Christian Meixner ist die Fortführung der weiteren Geschäftsbereiche unter anderer Trägerschaft ebenfalls ein Anliegen. Als Beispiel nennt er die „STaRK“-Klasse, eine Einrichtung mit sozialem Training zur aktiven Reintegration in Klassengemeinschaften, die mit Ressourcen der Schulen und städtischen Leistungen finanziert wird.
Trotz der positiven Perspektiven blickt der Verein mit Wehmut auf das nahende Ende. Harald Neu gehört seit der Gründung dem ehrenamtlichen Vorstand an, Claudia Georgii führte 26 Jahre lang engagiert die Geschäfte des Vereins. Beide sind sich jedoch einig: „Es ist richtig, dass wir jetzt aufhören. Und es ist wichtig, dass unsere gute Arbeit professionell weitergeführt wird.“
Jugendamtsleiter Christian Meixner sieht in der Angliederung der Jugendsozialarbeit an das Jugendamt der Stadt Rosenheim klare Vorteile. „Die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) ist entsprechend dem Sozialgesetzbuch VIII – Kinder und Jugendhilfe – eine Leistung der Jugendhilfe, die an der Schule erbracht wird. Die Richtlinie zur Förderung der Jugendsozialarbeit an Schulen verankert die Gesamtverantwortung dieses Arbeitsbereichs beim öffentlichen Träger der Jugendhilfe“, erklärt Meixner.
Ansprechpartner für
Schulen und Schüler
Durch die direkte Zuordnung der JaS beim Jugendamt könne künftig die Präsenz an den Schulen sichergestellt und das Jugendamt zum direkten Ansprechpartner für Schulleitungen, Lehrkräfte sowie Schüler werden. Bedarfe könnten somit ohne Umwege im Regionalen Sozialen Dienst (RSD) aufgegriffen werden. Die Organisation der JaS folge künftig dem Prinzip der Sozialräume in Nord, Ost und West, wobei die Dienst- und Fachaufsicht den jeweiligen Regionalleitungen im Jugendamt obliege. „Mit der direkten Zuordnung von JaS beim Jugendamt erfolgt in Anlehnung an das Fachkonzept der Jugendhilfe eine konsequente Stärkung der sozialräumlichen Arbeit in Rosenheim“, so Meixner weiter.
Abschließend zeigt sich Jugendamtsleiter Meixner dankbar für die Zustimmung von Oberbürgermeister Andreas März, dem Jugendhilfeausschuss und dem Stadtrat zur direkten Verortung der Jugendsozialarbeit an Schulen. „Wunderbar ist auch, dass wir den eingearbeiteten und fachlich hoch versierten JaS-Kräften eine sehr gute Beschäftigungsalternative beim Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Rosenheim bieten können“, betont Meixner.